Bürgerrechtsorganisationen kritisierten Angriffe auf Rechtsstaat
Veröffentlicht
News - Vermischtes - aktuelle Entwicklungen und Hintergründe
Bürgerrechtsorganisationen kritisierten Angriffe auf Rechtsstaat
Berlin () – Mehrere Bürgerrechtsrechtsorganisationen und juristische Berufsvertretungen haben eine gestiegene Infragestellung rechtsstaatlicher Mechanismen in diesem Bundestagswahlkampf kritisiert.
„Überzogene Law and Order-Forderungen und verfassungswidrige Gesetze sind für uns nichts neues, gegen diese politisch und juristisch vorzugehen, ist schon lange ein Teil unserer Arbeit“, schreiben unter anderem die Humanistische Union und die Vereinigung Demokratischer Juristen (VDJ). Dieser Wahlkampf habe jedoch eine andere Qualität. „Im Zuge einer radikalisierten Migrationspolitik, die durch den Aufstieg der AfD in den Wahlumfragen begünstigt wird, werden das Recht an sich und die Institutionen des Rechtsstaats, allen voran die Gerichte und die Rechtsanwaltschaft, auch von demokratischen Parteien offen in Zweifel gezogen“, schreiben die Vereinigungen.
Durch die Zustimmung zum sogenannten „5-Punkte-Plan“ hätten CDU/CSU, FDP, BSW und AfD „unverhohlen den Bruch mit Europarecht und Verfassungsrecht“ gefordert. „Durch einen kalkulierten Rechtsbruch qua permanenter Grenzkontrollen soll Druck auf die europäische Gesetzgebung ausgeübt werden.
Ob Urteile des Europäischen Gerichtshofs noch umgesetzt werden, ist zu einer offenen Frage geworden“, heißt es in der Erklärung, die auch das Komitee für Grundrechte und Demokratie sowie der Republikanische Anwälteverein (RAV) unterzeichnet haben. In den letzten Jahren sei neben dem Migrationsrecht auch im Klima- und Umweltrecht öfter von einem sogenannten `exekutiven Ungehorsam` die Rede, indem „Gerichtsentscheidungen seitens der Regierung und Verwaltung schlicht ignoriert werden“, kritisieren die Organisationen.
Gegen die Einhaltung des gesetzten Rechts werde von Politikern und in Teilen der Medien das Argument vorgebracht, das Recht dürfe nicht gegen „den Willen des Volkes stehen“. Falls es dies tue, müsse es verändert werden. „Aber erstens geht es bei den allermeisten rechtlichen Aspekten, die aktuell infrage gestellt werden, nicht um einfaches Gesetzesrecht. Stattdessen geht es um Grund- und Menschenrechte, internationale und europäische Verträge oder um die Unabhängigkeit der Gerichtsbarkeit an sich“, geben auch die Neuer Richtervereinigung (NRV) und der Postmigrantische Juristenbund zu bedenken. „Richtig ist, dass das Recht immer das Ergebnis von gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen ist. Aber unteilbare Grund- und Menschenrechte dürfen in politischen Verhandlungen nicht zur Disposition stehen.“
Die Bürgerrechtsorganisationen mahnen an, dass diese Rechtsgrundlagen gerade in Deutschland das Ergebnis der historischen Erfahrungen aus zwei Weltkriegen und der NS-Herrschaft seien. „Sie sind ein Teil der Aufarbeitung von Vergangenheit, die nichts an ihrer Gültigkeit verloren hat. Dazu zählt vor allem die Unteilbarkeit der menschlichen Würde und die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz, auch unabhängig von ihrer Herkunft.“
Wenn es dir Spaß gemacht hat, könntest du vielleicht noch einen Kommentar abgeben. Danke. 👍
Text-/Bildquelle:
Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis:
Justizzentrum (Archiv)
Das könnte Sie auch interessieren:
Verfassungsschutz-Einstufung befeuert Diskussion um Umgang mit AfD 2. Mai 2025 Verfassungsschutz-Einstufung befeuert Diskussion um Umgang mit AfD Berlin () - Nach der Einstufung der AfD als gesichert rechtsextrem durch den Verfassungsschutz hat die Diskussion über…
SPD warnt vor Normalisierung von AfD 22. April 2025 SPD warnt vor Normalisierung von AfD Berlin () - Angesichts der hohen Umfragewerte der AfD warnt die SPD vor einer Normalisierung der Partei, während die…
Nach Einstufung: Bundesländer diskutieren über AfD-Verbotsverfahren 2. Mai 2025 Nach Einstufung: Bundesländer diskutieren über AfD-Verbotsverfahren Berlin () - In den Bundesländern hat nach der Einstufung der AfD als "gesichert rechtsextremistisch" durch den Verfassungsschutz die…
Parteien geben mehr für Bundestagswahlkampf aus als 2021 29. Januar 2025 Parteien geben mehr für Bundestagswahlkampf aus als 2021 Berlin () - Die geplanten Gesamtausgaben der großen Parteien für den laufenden Bundestagswahlkampf sind gegenüber der Wahl…
Umfrage: Enttäuschung über Regierungspolitik stärkt AfD am meisten 13. November 2025 Politische Stimmungslage in Deutschland Berlin () - Die Enttäuschung über die Regierungspolitik stärkt die AfD in Deutschland am meisten. Das hat eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts…
"Zustrombegrenzungsgesetz" im Bundestag gescheitert 31. Januar 2025 "Zustrombegrenzungsgesetz" im Bundestag gescheitert Berlin () - Das sogenannte "Zustrombegrenzungsgesetz" ist am Freitag im Bundestag gescheitert. In namentlicher Abstimmung votierten in zweiter Lesung 338 Abgeordnete…
Debatte über Folgen von Urteil zu NPD-Finanzierung 23. Januar 2024 Berlin () - SPD-Chefin Saskia Esken begrüßt das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Streichung der staatlichen Parteienfinanzierung für die frühere NPD als "Signal" in der Auseinandersetzung…
Juristen warnen vor Abschwächung der EU-Lieferkettenrichtlinie 16. Mai 2025 Straßburg () - Internationale Juristen sehen massive rechtliche Risiken auf Unternehmen zukommen, sollte die europäische Lieferkettenrichtlinie wie geplant abgeschwächt werden.Das geht aus einem Brief an…
Faeser will "Widerstandskraft" des Rechtsstaats stärken 30. Januar 2024 Berlin () - Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) warnt vor Angriffen auf den Rechtsstaat und die unabhängigen Gerichte: "Autoritäre Kräfte wollen die Demokratie und den Rechtsstaat…
Ökonomen machen Union und SPD für AfD-Aufstieg verantwortlich 3. September 2025 Berlin () - Führende Ökonomen haben Union und SPD für die steigenden AfD-Umfragewerte verantwortlich gemacht."Es ist eindeutig, dass die AfD kein Randphänomen mehr ist, sondern…
Linken-Vize warnt vor Normalisierung der AfD 6. Februar 2025 Linken-Vize warnt vor Normalisierung der AfD Berlin () - Der stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei, Ates Gürpinar, warnt vor einer schleichenden Annäherung der Union an die…
Günther und Prien warnen vor Öffnung der CDU zur AfD 15. Oktober 2025 Politische Haltung der CDU zur AfD in Berlin Berlin () - Beim liberalen Flügel der CDU stoßen Forderungen nach einer strategischen Öffnung gegenüber der AfD…
Auswärtiges Amt mahnt im Fall Imamoglu zu Rechtsstaatlichkeit 23. März 2025 Auswärtiges Amt mahnt im Fall Imamoglu zu Rechtsstaatlichkeit Berlin () - Nach der Anordnung von Untersuchungshaft gegen den Istanbuler Bürgermeister Ekrem Imamoglu mahnt die Bundesregierung…
Debatte um AfD-Verbotsverfahren bekommt neue Dynamik 2. Mai 2025 Debatte um AfD-Verbotsverfahren bekommt neue Dynamik Berlin () - Der Arbeitnehmerflügel der CDU spricht sich für ein sofortiges Verbotsverfahren gegen die AfD aus.Der geschäftsführende Bundesvorstand…
SPD-Fraktion gibt CDU Mitschuld an Umfragewerten der AfD 24. April 2025 SPD-Fraktion gibt CDU Mitschuld an Umfragewerten der AfD Berlin () - Im Zusammenhang mit den hohen Umfragewerten der AfD hat der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD…
Bericht: Sächsischer AfD-Politiker unter Terrorverdacht verhaftet 5. November 2024 Dresden () - Unter den mutmaßlichen rechtsextremen Terroristen, die die Bundesanwaltschaft am frühen Dienstagmorgen festnehmen ließ, befindet sich womöglich auch ein sächsischer AfD-Politiker. Das berichtet…
CDU-Urgestein Bosbach kritisiert Wahlkampfversprechen der Union 5. April 2025 CDU-Urgestein Bosbach kritisiert Wahlkampfversprechen der Union Berlin () - Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach macht vollmundige Versprechen im Wahlkampf für die derzeit schlechten Umfrageergebnisse der Union…
Bericht über die aktuelle Situation in Berlin
In Berlin haben mehrere Bürgerrechtsorganisationen und juristische Berufsvertretungen alarmiert auf eine zunehmende Infragestellung rechtsstaatlicher Prinzipien im aktuellen Bundestagswahlkampf reagiert. Insbesondere die Forderungen nach härteren Sicherheitsmaßnahmen und die Diskussion um verfassungswidrige Gesetze sorgen für Besorgnis. Diese Entwicklungen sind eng mit einer radikalisierten Migrationspolitik verbunden, die durch den Aufstieg der AfD in den Umfragen verstärkt wird. Die Beteiligung demokratischer Parteien an dieser Debatte führt zu einer ernsthaften Gefährdung der Rechtsstaatlichkeit im gesamten Land. Historisch bedingte Rechte, wie die Unteilbarkeit der menschlichen Würde, stehen hierbei auf dem Spiel und müssen dringend verteidigt werden.