Wirtschaft: Betriebsrenten für kleine Unternehmen
Berlin () – In der Debatte um die flächendeckende Verbreitung von Betriebsrenten und vor dem Beginn der Gespräche zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern Anfang Oktober – dem sogenannten Sozialpartnerdialog – macht die Versicherungswirtschaft neue Vorschläge. Moritz Schumann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), sagte den Funke-Zeitungen, er wolle die betriebliche Altersvorsorge „für jede Pommesbude“ möglich machen. „Die betriebliche Altersvorsorge ist vor allem bei großen Unternehmen ein `Hidden Champion`“, so Schumann. „Klein- und Kleinstunternehmen fehlt dagegen ein einfaches Angebot, das sich schnell umsetzen lässt. Die vielen Gestaltungsmöglichkeiten überfordern sie oft.“
Vor allem sei für die Unternehmen jedoch die Arbeitgeberhaftung ein Hemmnis, sagte Schumann. „Für einen Betrieb klingt es erst einmal abschreckend, womöglich über Jahrzehnte für die späteren Betriebsrenten geradezustehen.“ Wegen der Komplexität und der Haftung habe in Betrieben unter zehn Beschäftigten nur jeder Vierte eine bAV. „Deshalb wollen wir für diese Betriebe etwas Standardisiertes anbieten – also auch für die Pommesbude.“
Laut Schumann soll der Arbeitgeber den Vertrag einrichten und dann nur noch die Beiträge zahlen müssen. „Um den Rest kümmert sich jemand anderes.“ Mit dem Basisprodukt, das er plant, sollen die Arbeitgeber „weitgehend von Haftung und Aufwand entlastet“ werden.
Schumann sagte darüber hinaus den Funke-Zeitungen: „Unser Vorschlag ist, dass man das auch außerhalb des Sozialpartnermodells ermöglicht.“ Dieser Vorschlag hat Brisanz, denn die allermeisten Betriebsrenten finden derzeit im sogenannten Sozialpartnermodell statt. Die Arbeitgeber sind in diesem tariflichen Vertragsraum von der Garantiepflicht über die Höhe der späteren Rentenauszahlung entbunden. Dafür müssen sie aber Zusagen über die Höhe der Beiträge leisten. Dadurch profitieren die Arbeitnehmer trotzdem. Denn der Arbeitgeber zahlt für die entfallende Haftung einen angemessenen Sicherungsbeitrag, und die Sozialpartner überwachen die Anlage der Gelder.
Der Sozialpartnerdialog ist deshalb entscheidend für die Versicherer. „Zunächst muss bei Politik und Sozialpartnern Klarheit herrschen, wie die Betriebsrenten in die Breite getragen werden können“, sagte Schumann. „Deshalb bringen wir unser Konzept für ein einfaches Basisprodukt in den Sozialpartnerdialog zur Betriebsrente ein.“ Sobald klar sei, was Arbeitgeber und Gewerkschaften wollen, könnten die Versicherer Angebote auf den Markt bringen, so Schumann.
Schumann weist darauf hin, dass derzeit schon „ein beträchtlicher Teil unserer Verträge“ in der betrieblichen Altersvorsorge liege. „Das sind über 16 Millionen Verträge, die meisten davon sind Direktversicherungen, also Lebensversicherungen.“ Und genau an die Regelung zu diesen Verträgen will er andocken. „So muss nichts Grundsätzliches geändert werden.“
„Auf diesem Weg könnte man ein einfaches Basisprodukt anbieten, das man beim Arbeitgeberwechsel mitnehmen kann“, so Schumann. Darüber hinaus wolle der GDV „eine Administrationsplattform einführen“, um die Abwicklung zu vereinfachen. Dann sei es auch egal, bei welchem Versicherer die Verträge am Ende liegen würden. Die Beiträge würden an eine zentrale Stelle überwiesen und über die Vertragsnummer automatisch zugeordnet, sagte Schumann. Das geschehe „ohne große Bürokratie“.
Bislang verfügen nur 52 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland über eine betriebliche Altersvorsorge – das sind rund 20 Millionen Beschäftigte. Die meisten von ihnen sind angestellt in großen Unternehmen, die tariflich organisiert sind und damit die Voraussetzungen mitbringen, die Gewerkschaften und Arbeitgeber fordern.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Moritz Schumann
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Funke-Zeitungen, Gewerkschaften, Arbeitgeber, Sozialpartner, Politik, Versicherer, Direktversicherungen, Lebensversicherungen
Wann ist das Ereignis passiert?
Zeitraum/Datum: „Anfang Oktober“ (Beginn der Gespräche zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern, Sozialpartnerdialog).
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Berlin
Worum geht es in einem Satz?
Der GDV schlägt vor, die betriebliche Altersvorsorge auch für kleine Betriebe („für jede Pommesbude“) durch ein standardisiertes Basisprodukt und eine vereinfachte Administration erreichbar zu machen, indem der Arbeitgeber weitgehend von Haftung und Aufwand entlastet wird und der Vorschlag zugleich in den Sozialpartnerdialog getragen werden soll.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Fehlende einfache Angebote für Klein- und Kleinstunternehmen
- Arbeitgeberhaftung als Hemmnis aufgrund der Aussicht, über Jahrzehnte für spätere Betriebsrenten geradezustehen
- Komplexität und Haftung führen dazu, dass in Betrieben unter zehn Beschäftigten nur jeder Vierte eine bAV hat
- Bedarf an Standardisierung für diese Betriebe
- Geplante Gespräche Anfang Oktober im Sozialpartnerdialog zur flächendeckenden Verbreitung von Betriebsrenten
- Notwendigkeit von Klarheit bei Politik und Sozialpartnern, wie Betriebsrenten in die Breite getragen werden können
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- Moritz Schumann vom GDV kündigt neue Vorschläge an, um betriebliche Altersvorsorge auch für kleine Unternehmen wie „Pommesbuden“ zugänglich zu machen
- Er kritisiert als Hemmnis vor allem die Arbeitgeberhaftung und fordert ein standardisiertes Basisangebot
- Er beschreibt, dass das Basisprodukt Arbeitgeber weitgehend von Haftung und Aufwand entlasten soll, indem der Arbeitgeber den Vertrag einrichtet und nur Beiträge zahlt
- Er betont, dass Politik und Sozialpartner zunächst Klarheit schaffen müssen, wie Betriebsrenten in die Breite getragen werden können
- Er sagt, der GDV wolle sein Konzept in den Sozialpartnerdialog zur Betriebsrente einbringen
- Es wird keine konkrete Reaktion von Politik, Öffentlichkeit oder Medien im Text selbst dargestellt
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Entlastung kleiner und kleinstunternehmen bei der Umsetzung der betrieblichen Altersvorsorge
- Reduzierung der Arbeitgeberhaftung und damit des langjährigen Risikos für Betriebe
- Vereinfachung durch ein standardisiertes basisangebot
- Verringerter administrativer aufwand, weil der Arbeitgeber vor allem nur Beiträge zahlen muss
- Erleichterung der Verbreitung von Betriebsrenten auch außerhalb des Sozialpartnermodells
- Sicherstellung, dass Arbeitnehmer von Beitrags- und Absicherungsmechanismen profitieren
- Erweiterte Umsetzbarkeit durch eine vorgesehene Administrationsplattform mit zentraler Abwicklung
- Bessere Mitnehmbarkeit von Verträgen bei Arbeitgeberwechseln
- Größere Transparenz und Überwachbarkeit der Anlage der Gelder durch Sozialpartner
- Erhöhung der Verbreitungschancen von betrieblicher Altersvorsorge in Deutschland, auch für weniger stark tariflich organisierte Betriebe
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja. Der Text enthält eine Stellungnahme mit Zitaten von Moritz Schumann (GDV), u. a. über Vorschläge zur betrieblichen Altersvorsorge.
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