Wirtschaft: Schweden-Rente in Deutschland
Berlin () – Führende Rentenexperten warnen vor Konstruktionsfehlern bei der Einführung der geplanten deutschen „Schweden-Rente“. Bei einer halb garen Lösung könnten wir das Vertrauen der Bürger schnell verlieren, sagte Jörg Rocholl, Kapitalmarktexperte und Mitglied der Rentenkommission, dem „Spiegel“. Die Bundesregierung will eine zusätzliche kapitalgedeckte Komponente in der gesetzlichen Rente einführen, nach skandinavischem Vorbild. Sie soll ab 2028 schrittweise eingeführt werden.
Hintergrund ist das Ringen darum, wer das Kapital anlegen soll. Damit die Schweden-Rente ein Erfolg werde, müsse das Geld dauerhaft dem Zugriff der Politik entzogen werden, sagte Tabea Bucher-Koenen, Wirtschaftsprofessorin an der Universität Mannheim und ebenfalls Mitglied der Rentenkommission der Bundesregierung. Im Zentrum der Kapitalanlage müsse ohne Wenn und Aber die Verbesserung der Altersvorsorge stehen. Das dürfe auf keinen Fall mit anderen politischen Zielen vermischt werden, sagte Bucher-Koenen dem „Spiegel“. Durch die schwarz-rote Koalition geistert seit Wochen die Idee, mit den Rentenmilliarden deutsche Start-ups und die Erneuerung maroder Brücken zu finanzieren. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat in diesem Zusammenhang von Wachstumsfinanzierung gesprochen.
Bislang gibt es zwei Kandidaten für die Verwaltung der Milliarden der „Schweden-Rente“. Die SPD-Fraktion im Bundestag will die Deutsche Bundesbank damit betrauen. „Wir begrüßen den Vorstoß der Bundesbank“, die geplante Kapitalrente zu verwalten, sagte Frauke Heiligenstadt, finanzpolitische Sprecherin der Sozialdemokraten im Parlament, dem „Spiegel“. Eine andere Variante wäre der Kenfo. Dieser Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung verwaltet seit einigen Jahren Milliardenrücklagen für die Endlagerung des deutschen Atommülls. „Der Kenfo ist in der Lage und bereit, die Kapitalrente umzusetzen“, sagte Chefin Anja Mikus dem „Spiegel“.
Experten halten beide Institutionen aktuell noch nicht perfekt dafür aufgestellt. Gegen die Bundesbank spreche zum Beispiel die miese Rendite, die sie bislang bei der Verwaltung staatlicher Rücklagen erzielt. Gerade einmal zwei Prozent pro Jahr waren es Schätzungen der Wirtschaftsweisen zufolge beim Pflegevorsorgefonds. Gegen den Kenfo wiederum spreche seine geringe Bekanntheit in der Bevölkerung.
„Nach dem Riester-Desaster muss dieser Schuss einfach sitzen“, sagte Ökonom Rocholl. Er bringt eine dritte Lösung ins Spiel. Die Bundesregierung sollte `Kenfo` und Bundesbank „zu einer neuen unabhängigen Institution weiterentwickeln, einer Art nationalen deutschen Assetverwalter“, so Rocholl.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Jörg Rocholl, Tabea Bucher-Koenen, Friedrich Merz, Frauke Heiligenstadt, Anja Mikus
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
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Wann ist das Ereignis passiert?
Das Ereignis fand im beschriebenen Zeitraum „ab 2028“ bis zur „schrittweisen Einführung“ statt (Einführung der geplanten deutschen „Schweden-Rente“).
Falls du mit „wann genau“ einen konkreten Tag/Monat meinst: Nicht erwähnt.
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Berlin
Worum geht es in einem Satz?
Rentenexperten warnen vor Konstruktionsfehlern bei der ab 2028 geplanten deutschen „Schweden-Rente“, weil das dauerhaft politisch entzogenes Kapital ohne Vermischung mit anderen Zielen funktionieren müsse, wobei bislang vor allem Bundesbank oder Kenfo als Verwalter diskutiert werden, beide jedoch noch mit Schwächen behaftet sind.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Einführung der geplanten deutschen „Schweden-Rente“ mit einer zusätzlichen kapitalgedeckten Komponente in der gesetzlichen Rente
- Streit darum, wer das Kapital verwalten und anlegen soll
- Befürchtung von Konstruktionsfehlern bei der Ausgestaltung der kapitalgedeckten Komponente
- Zielkonflikt: Risiko, dass die Kapitalanlage mit anderen politischen Zielen vermischt wird
- Diskussion über die Eignung der möglichen Verwalter Bundesbank oder Kenfo (z. B. Rendite bzw. Bekanntheit)
- Bezug auf das „Riester-Desaster“ und die Forderung, dass der nächste Schuss „einfach sitzt“
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- Die Bundesregierung und die politische Debatte rund um die Schweden-Rente werden im Artikel als problematisch eingeordnet, weil es ein Ringen darum gibt, wer das Kapital anlegen soll
- Die SPD-Fraktion begrüßt die Idee, dass die Deutsche Bundesbank die Kapitalrente verwalten soll
- Frauke Heiligenstadt verweist auf den Vorstoß der Bundesbank als positiv
- Gegenüber dem Kenfo wird die geringe Bekanntheit in der Bevölkerung als kritischer Punkt genannt
- Jörg Rocholl warnt generell vor Konstruktionsfehlern und dem möglichen schnellen Vertrauensverlust der Bürger bei einer halb garen Lösung
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Schneller Vertrauensverlust der Bürger
- Risiken für die Akzeptanz der zusätzlichen kapitalgedeckten Rentenkomponente
- Gefahr, dass die Altersvorsorge nicht wie vorgesehen verbessert wird
- Belastung der politischen Glaubwürdigkeit bei der künftigen Rentenfinanzierung
- Anhaltende Zweifel an der Leistungsfähigkeit der vorgeschlagenen Kapitalverwaltung
- Verzögerungen oder Anpassungen durch Kritik an Rendite und Umsetzbarkeit
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja. Jörg Rocholl („sagte … dem ‚Spiegel‘“), Tabea Bucher-Koenen („sagte … dem ‚Spiegel‘“), Frauke Heiligenstadt („sagte … dem ‚Spiegel‘“) und Anja Mikus („sagte … dem ‚Spiegel‘“) werden im Artikel zitiert.
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