Gesundheitspolitik: Krankschreibungspflicht in Berlin
Berlin () – AOK-Bundesverbandschefin Carola Reimann spricht sich für den Erhalt der telefonischen Krankschreibung aus.
„Gerade bei Infektionswellen ist sie ein gutes Mittel, um Ansteckungen zu vermeiden und medizinisches Personal zu schützen“, sagte Reimann den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Eine missbräuchliche Nutzung könne sie nicht feststellen. „Während Corona haben wir keine Veränderung im Krankschreibungsverhalten der Ärzte gesehen.“
Auch die geplante Rückkehr zur Pflicht einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ab dem ersten Krankheitstag lehnt Reimann ab. „Wenn ab dem ersten Tag eine Krankschreibung vorliegen muss, bindet das eine unglaubliche Kapazität, die wir für die Versorgung nicht zur Verfügung haben. Das ist doch unsinnig“, sagte sie. Schon heute könne ein Arbeitgeber verlangen, dass Beschäftigte ab dem ersten Tag eine Bescheinigung vorlegen. „Eine Pflicht in der Breite halte ich für falsch.“
Reimann warnt zudem davor, die Debatte über die Zahl der Krankheitstage politisch zu verkürzen. Die Diskussion reihe sich in Aussagen über zu viele Krankheitstage und „Lifestyle-Teilzeit“ ein. „Ich hoffe sehr, dass der nüchterne Blick auf den Vorschlag noch einmal dazu führt, dass man ihn nicht umsetzt“, sagte sie. Durch die elektronische Krankschreibung gebe es heute eine vollständigere Erfassung der Arbeitsunfähigkeitsdaten. „Deshalb sehen die Statistiken inzwischen anders aus als noch vor einigen Jahren.“
Der Koalitionsausschuss hatte sich vor einigen Wochen darauf verständigt, die Pflicht zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung künftig bereits ab dem ersten Krankheitstag einzuführen. Wie die Regelung konkret umgesetzt werden soll, ist nach der Kritik daran noch offen. Ebenfalls beschlossen wurde das Aus für die telefonische Krankschreibung. Die Regelung gilt derzeit für persönlich bekannte Patienten und bei Infektionserkrankungen für maximal eine Woche.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Carola Reimann
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
AOK, Carola Reimann, dts Nachrichtenagentur, Funke-Mediengruppe, Koalitionsausschuss
Wann ist das Ereignis passiert?
Nicht erwähnt
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Berlin
Worum geht es in einem Satz?
Die AOK-Bundesverbandschefin Carola Reimann spricht sich gegen das Aus für die telefonische Krankschreibung und auch gegen eine Pflicht zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag aus, da dies aus ihrer Sicht Ansteckungen verhindern hilft, den Ärzten bzw. die Versorgungskapazitäten unnötig bindet und die Debatte über Krankheitstage nicht politisch verkürzt werden sollte.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
Infektionswellen und der damit verbundene Schutz vor Ansteckungen sowie die Vermeidung einer Belastung der Versorgungskapazitäten bei Pflicht zur Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- AOK-Bundesverbandschefin Carola Reimann unterstützt den Erhalt der telefonischen Krankschreibung, besonders bei Infektionswellen zum Schutz vor Ansteckungen und medizinischem Personal
- Sie kritisiert die geplante Einführung der AU-Pflicht ab dem ersten Krankheitstag als kapazitätsbindend und hält eine Pflicht für alle für falsch
- Reimann warnt davor, die Debatte über Krankheitstage politisch zu verkürzen und kritisiert eine Einordnung als Problem wie zu viele Krankheitstage oder „Lifestyle-Teilzeit“
- Sie hofft, dass der Vorschlag mit dem „nüchternen Blick“ nicht umgesetzt wird
- Es wird auf Kritik an der AU-Pflicht ab Tag 1 hingewiesen, die Umsetzung der Regelung sei noch offen
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Infektionswellen sollen weniger Ansteckungen verursachen, weil telefonische Krankschreibung Ansteckungen vermeiden und medizinisches Personal schützen kann
- Schon heute sei keine Veränderung im Krankschreibungsverhalten der Ärzte feststellbar gewesen, obwohl telefonische Krankschreibung genutzt wird
- Mehr Kapazitäten in der Versorgung sollen erhalten bleiben, weil keine Pflicht zur Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag eingeführt wird
- Arbeitgeber hätten weiterhin die Möglichkeit, bereits ab dem ersten Tag eine Bescheinigung zu verlangen, wodurch der administrative Aufwand nicht flächendeckend bindend wird
- Eine politische Verkürzung der Debatte über Krankheitstage soll verhindert werden
- Die Zahl der erfassten Arbeitsunfähigkeitsdaten soll durch elektronische Krankschreibung vollständiger sein, wodurch Statistiken sich von früher unterscheiden können
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja: AOK-Bundesverbandschefin Carola Reimann wird mit mehreren direkten Zitaten zitiert („Gerade bei Infektionswellen…“, „Wenn ab dem ersten Tag…“).
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