Fotos in der Cloud, ein Postfach mit zwanzig Jahren Korrespondenz, laufende Abos, Konten bei Banken und Shops. Nach einem Todesfall gehen diese Werte an die Erben über, praktisch fehlen den Angehörigen aber oft Passwörter, oder das Smartphone bleibt gesperrt. Mit etwas Vorbereitung lässt sich das vermeiden. Drei Wege kommen dafür infrage, und jeder löst ein anderes Problem, der erste den Zugriff, der zweite die Rechtsfrage, der dritte den Überblick. Welcher Weg wie viel Gewicht bekommt, hängt von Deiner Lebenslage ab, etwa davon, ob Du allein lebst oder viele Konten hast.
Ohne Vorbereitung stehen Angehörige vor verschlossenen Konten
Wer keine Zugangsdaten hinterlässt, zwingt die Angehörigen dazu, sich bei jedem Anbieter einzeln mit Sterbeurkunde und Erbnachweis zu melden. Bei Dutzenden Diensten wird daraus eine langwierige Aufgabe, zumal oft niemand alle Konten kennt, vom alten Fotoportal bis zum Abo, das still jeden Monat abbucht. Solange die Nachweise fehlen, laufen Abos und Verträge weiter, und manche Dienste löschen Konten samt Fotos und Mails, wenn sie lange niemand nutzt.
Gute Sicherheit im Alltag verschärft das Problem sogar. Mit einem eigenen Passwort für jeden Dienst sind Konten zu Lebzeiten besser geschützt, im Ernstfall braucht es dann aber umso dringender eine geordnete Übergabe. Je mehr verschiedene Kennwörter es gibt, desto länger wird die Liste, die Angehörige später finden müssen.
1. Der digitale Tresor regelt, wer im Ernstfall Zugriff bekommt
Mit einem Life Check, also einer regelmäßigen Rückfrage, prüft ein digitaler Tresor, ob Du noch erreichbar bist. Erst wenn Du darauf nicht mehr reagierst, öffnet er die Ordner, die Du vorher Deinen Vertrauenspersonen zugeordnet hast. Daneben lassen sich dort persönliche Nachrichten hinterlegen, die diese Menschen erst dann erreichen. Welche Inhalte jemand sehen darf, bestimmst Du selbst, bis hinunter auf einzelne Ordner. Hinein gehören die Zugänge zu Postfach, Bank und Cloud, Kopien von Vollmacht und Testament sowie eine Übersicht über Versicherungen und Abos. Originale von Urkunden bleiben im Papierordner, weil Banken und Behörden meist das Original sehen wollen.
Still@Life führt beim Einrichten mit Checklisten durch die Ablage, damit kein wichtiges Dokument und kein Zugang vergessen wird. Für besonders sensible Unterlagen gibt es zusätzlich eine Black Box mit eigenem Passwortschutz.
- Geeignet für: alle, die Zugangsdaten und Dokumente gebündelt und geschützt übergeben wollen
- Aufwand: einmal einrichten, danach neue Konten und Unterlagen nachtragen
- Kosten im Beispiel: 2,99 bis 4,99 Euro im Monat oder 30 bis 50 Euro im Jahr, gestaffelt nach Speicher (1, 5 oder 10 GB) und Zahl der Vertrauenspersonen (eine, drei oder fünf), vorab 14 Tage zum Testen
- Grenze: Der Tresor regelt den Zugriff, Befugnisse verleiht er keine
2. Vollmacht und Testament klären, wer handeln darf
Dass digitale Konten zum Nachlass gehören, ist höchstrichterlich geklärt. Den Maßstab setzt ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Juli 2018. Danach geht der Vertrag über ein Benutzerkonto bei einem sozialen Netzwerk im Wege der Gesamtrechtsnachfolge auf die Erben über, samt der gespeicherten Nachrichten. Die Richter verwiesen darauf, dass auch Tagebücher und persönliche Briefe vererbt werden, und sahen keinen Grund, digitale Inhalte anders zu behandeln.
Bis Erben ihr Recht nachweisen können, vergeht allerdings Zeit. Diese Phase überbrückt eine Vorsorgevollmacht mit dem Zusatz, dass sie über den Tod hinaus gilt, sofern sie digitale Konten ausdrücklich einschließt. Im Testament kannst Du zusätzlich festlegen, wer sich um den digitalen Nachlass kümmert und was gelöscht oder aufbewahrt werden soll. Passwörter gehören dort nicht hinein, denn nach dem Tod eröffnet das Nachlassgericht das Testament und informiert die Beteiligten über den Inhalt, der sie betrifft.
- Geeignet für: jeden Erwachsenen, ob mit oder ohne Familie
- Aufwand: Vollmacht schriftlich erteilen, Testament vollständig von Hand schreiben und unterschreiben oder beim Notar errichten
- Kosten: eigenhändig keine, beim Notar Gebühren nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz
- Grenze: Vollmacht und Testament verleihen Rechte, Zugangsdaten liefern sie keine
3. Inventar und Kontoeinstellungen schaffen den Überblick
Der dritte Weg kostet nur Zeit, und gerade deshalb schieben ihn viele vor sich her. Er besteht aus einer Liste aller Konten, Verträge und Geräte mit dem Hinweis, wo die jeweiligen Zugangsdaten liegen, und aus einem Notfallordner für die Papiere. Viele große Plattformen bieten außerdem in den Kontoeinstellungen an, eine Kontaktperson zu benennen oder festzulegen, was nach längerer Inaktivität mit dem Konto geschieht. Solche Einstellungen sind schnell erledigt, gelten aber nur für den jeweiligen Dienst.
Auf die Liste gehören auch laufende Verträge, denn sie enden nicht automatisch mit dem Tod. Bei der Kündigung eines Handyvertrags nach einem Todesfall haben Erben ein Sonderkündigungsrecht, für das der Anbieter in der Regel Sterbeurkunde und Erbnachweis verlangt. Stehen Vertragsnummer und Kundenkonto bereits auf Deiner Liste, lässt sich jede dieser Kündigungen ohne Sucherei vorbereiten.
- Geeignet für: den Einstieg und als Ergänzung zu Weg 1 und 2
- Aufwand: einige Stunden für die erste Fassung, danach regelmäßige Pflege
- Kosten: keine
- Grenze: Eine Liste auf Papier veraltet schnell und ist ungeschützt, wenn sie offen herumliegt
Welcher Weg zu welcher Lebenslage passt
Alleinlebende profitieren besonders von einem Tresor mit klar benannten Vertrauenspersonen, weil niemand im Haushalt die Ablage kennt. Paare und Familien mit gemeinsamer Ordnung kommen oft mit Inventar und Vollmacht aus, solange die Liste aktuell bleibt. Bei vielen Konten, einem eigenen Geschäft oder Vermögen bei mehreren Banken lohnen sich alle drei Wege nebeneinander, damit Zugriff, Rechte und Überblick zusammenpassen. Für Eltern kommt die Frage hinzu, wer sich um Fotos und Videos der Familie kümmert, damit sie nicht mit einem Konto verschwinden.
Drei Lücken, an denen Vorsorge im Ernstfall scheitert
Die erste Lücke ist eine Vertrauensperson, die von ihrer Rolle nichts weiß. Sprich vorher mit ihr, damit sie im Ernstfall weiß, wo sie ansetzen muss. Die zweite betrifft das Smartphone, denn ohne Entsperrcode bleiben dort auch die Apps für die Zwei-Faktor-Anmeldung verschlossen. Die dritte ist eine Vollmacht ohne den Zusatz, dass sie über den Tod hinaus gilt. Fehlt er, ist ihre Wirkung nach dem Tod unklar, und viele Stellen erkennen sie dann nicht an.
Fazit: Zuerst kommt die Liste der eigenen Konten
Digitale Konten gehören zum Nachlass, ohne Vorbereitung bleibt dieses Recht für Angehörige aber oft Theorie. Ein Tresor mit Vertrauenspersonen regelt, wer im Ernstfall an Passwörter und Dokumente kommt, Vollmacht und Testament geben die nötigen Befugnisse, und ein gepflegtes Inventar sorgt für Überblick. Für die erste Bestandsaufnahme reicht ein Nachmittag, danach genügt es, neue Konten und Verträge nachzutragen.
Bild: @ depositphotos.com / IgorVetushko
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