Gesundheitspolitik in Berlin: Wartezeiten drohen
Berlin () – Kassenärzte-Chef Andreas Gassen warnt vor deutlich längeren Wartezeiten auf einen Facharzttermin, sollte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) die Kürzungsempfehlungen für die niedergelassenen Mediziner der von ihr eingesetzten Expertenkommission umsetzen.
„Wenn die Politik den Kürzungsvorschlägen der Kommission eins zu eins folgt, dann müssen sich die Patienten darauf einstellen, schon bald 50 Tage und mehr auf einen Facharzttermin zu warten“, sagte Gassen dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ mit Blick auf Angaben der Bundesregierung, wonach die Wartezeit für gesetzlich Versicherte 2024 im Schnitt 42 Tage betragen hat. 2019, als die nun von der Kommission zur Disposition gestellten Vergütungsregeln eingeführt wurden, waren es den Regierungsangaben zufolge noch 33 Tage.
Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) argumentierte, aufgrund des bestehenden Kostendeckels seien aktuell 40 Millionen Facharzttermine nicht vergütet. Bei einer Streichung der Zuschläge, die über die Terminservicestellen oder Hausärzte vermittelt werden, böten die Praxen nur noch Termine an, die tatsächlich bezahlt würden. „40 Millionen weniger Termine bedeuten, dass etwa jeder elfte Termin damit wegfällt. Das werden die Patienten binnen weniger Wochen natürlich merken“, sagte er. Es könne doch wohl niemand ernsthaft davon ausgehen, dass seine Kollegen einfach so weitermachen, wenn jetzt noch über eine Milliarde Euro weggenommen werde, anstatt alle Leistungen zu bezahlen, die erbracht würden, mahnte Gassen.
Gassen wies die Argumentation der Expertenkommission und des Bundesrechnungshofs zurück, die Zuschlagsregelung habe für die Versicherten nichts gebracht. „Die Fachärzte haben in den vergangenen Jahren natürlich deutlich mehr Termine angeboten, weil es sich durch die Zuschläge finanziell gelohnt hat“, sagte er. „Aber wir erleben, dass der gefühlte Bedarf eigentlich nicht zu stillen ist. Behandeln wir einen neuen Patienten, wartet schon der nächste auf einen schnellen Termin. Und jeder meint natürlich, sein Anliegen sei dringend“, so der Mediziner. „Es ist unmöglich, diesen Bedarf – oder besser: dieses subjektive Bedürfnis – zu befriedigen“, sagte er.
Die Forderung von SPD-Fraktionschef Matthias Miersch nach einer Termingarantie von drei Wochen nannte Gassen „Bullshit“. „Die medizinische Notwendigkeit muss die Terminvergabe bestimmen und nicht willkürlich von der Politik aus Wählerappeasement gesetzte Fristen“, mahnte er. Gassen forderte stattdessen eine klare Definition der Dringlichkeit. Nach Einschätzung der KBV handele es sich dabei um einen „wirklich sehr kleinen Prozentsatz aller Termine“. Diese Patienten müssen innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen behandelt werden. „Die große Mehrheit kann aus medizinischer Sicht auch mehrere Wochen oder Monate warten. Wer Rückenschmerzen hat, muss nicht morgen untersucht werden, wenn er die Beschwerden schon seit drei Jahren hat“, so der KBV-Chef.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Andreas Gassen, Nina Warken, Matthias Miersch
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
Kassenärzte-Chef Andreas Gassen, Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU), Redaktionsnetzwerk Deutschland, Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Bundesrechnungshof, SPD-Fraktionschef Matthias Miersch
Wann ist das Ereignis passiert?
Nicht erwähnt
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Berlin
Worum geht es in einem Satz?
Kassenärzte-Chef Andreas Gassen warnt, dass bei Umsetzung der Kürzungsempfehlungen für niedergelassene Mediziner durch Gesundheitsministerin Nina Warken Wartzeiten auf Facharzttermine auf bis zu 50 Tage steigen könnten, während bereits jetzt 40 Millionen Termine unvergütet bleiben und eine Termingarantie von drei Wochen als unrealistisch abgelehnt wird.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Kürzungsempfehlungen der Expertenkommission
- Bestehender Kostendeckel für Facharzttermine
- Anstieg der durchschnittlichen Wartezeit auf Facharzttermine
- Ungedeckte 40 Millionen Facharzttermine
- Streichung von Zuschlägen für Terminvermittlung
- Zunahme des subjektiven Bedarfs an Facharztterminen
- Politische Forderungen nach verkürzten Wartezeiten
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- Kassenärzte-Chef Andreas Gassen warnt vor längeren Wartezeiten auf Facharzttermine
- Umsetzen der Kürzungsempfehlungen könnte Wartezeiten auf über 50 Tage verlängern
- Aktuelle durchschnittliche Wartezeit 42 Tage für gesetzlich Versicherte
- 40 Millionen Facharzttermine aktuell nicht vergütet wegen Kostendeckel
- Streichung der Zuschläge könnte 40 Millionen Termine wegfallen lassen
- Gassen wies Argumentation der Expertenkommission zurück
- Fachärzte boten in der Vergangenheit mehr Termine aufgrund finanzieller Anreize
- Forderung von SPD-Fraktionschef nach Termingarantie wurde von Gassen als unangemessen bezeichnet
- Gassen betont, medizinische Notwendigkeit sollte Terminvergabe bestimmen
- Kleine Prozentsatz aller Termine erfordert sofortige Behandlung, größtenteils können Patienten warten
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Deutlich längere Wartezeiten auf Facharzttermine
- Erhöhung der Wartezeit auf 50 Tage und mehr
- Verlust von 40 Millionen Facharztterminen
- Wegfall von etwa jedem elften Termin
- Unmöglichkeit, den gefühlten Bedarf zu stillen
- Unzureichende Behandlungszeiten für neue Patienten
- Forderung nach klarer Dringlichkeitsdefinition
- Schmerzpatienten müssen nicht sofort behandelt werden
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja, im Artikel wird eine Stellungnahme von Kassenärzte-Chef Andreas Gassen zitiert, der vor längeren Wartezeiten auf Facharzttermine warnt und die Kürzungsempfehlungen der Expertenkommission kritisiert.
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