Grüne wollen Heimatbegriff positiver besetzen

Grüne wollen Heimatbegriff positiver besetzen

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Politik in Berlin

Berlin () – Grünen-Chef Felix Banaszak wirbt für einen positiveren Heimatbegriff in seiner . „Wenn man den Menschen die Heimat nimmt, dann nimmt man ihnen sehr viel“, sagte Banaszak ntv. Auch die Grünen müssten „Heimat für Menschen sein, emotionale Heimat und nicht nur so ein Programmkatalog“. Sein Motto: „Weniger Stuhlkreis, mehr Begegnung, weniger Belehrung“.

Vor zehn, fünfzehn Jahren habe er den Heimatbegriff nur kritisch gesehen, als „Heimattümelei“. Inzwischen habe sich das für ihn „umgedreht“. Banaszak berief sich auf den US-Philosophen Michael Sandel, der gesagt habe, es sei ein Fehler der Linken gewesen, den Patriotismus den Rechten zu überlassen. „Menschen haben einfach das Bedürfnis nach Zugehörigkeit“, sagte Banaszak. Wenn alles „nur noch atomisiert“ sei, gehe etwas verloren. Diesem Verlustgefühl dürfe man nicht „eine schöne Theorie von kosmopolitischer Freiheit“ entgegensetzen.

Biografisch habe er den Wert von Tradition und Heimat „erst im Nachgang lernen“ müssen. Er sei nach dem Abitur aus dem Ruhrgebiet nach Berlin gegangen, weil er wegwollte, und habe in der Hauptstadt gemerkt, „dass ich ein Kind des Ruhrgebiets bin und auch ein gar nicht mal so wenig stolzes“. Deindustrialisierung sei ein Treiber antidemokratischer , weil Menschen mit dem Job auch „Identität und Anker“ verlören.

Die frühere Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang sagte, sie könne „sehr gut nachvollziehen“, warum der AfD-Begriff der Heimatliebe im Osten verfange. Er transportiere ein Verlustgefühl. Die liberale Moderne habe vielen Menschen materielle Sicherheit, aber auch Zugehörigkeit und Verwurzelung genommen; dieser „Hyperindividualismus“ habe „auch viele Menschen entheimatet“. Diesen Schmerz greife bislang „fast nur“ die Rechte auf. „Wenn nicht nur die Rechten darauf antworten sollen, dann müssen auch wir etwas schaffen, was Zugehörigkeit, was Gemeinwohl und was Gemeinschaft schafft.“

Angesprochen auf seine Liebe zu äußerte sich Banaszak zurückhaltend: „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, Liebe ist das Gefühl, das mich überkommt, wenn ich an Deutschland denke.“ Er identifiziere sich aber mit dem Land, ein „etwas ambivalentes Verhältnis zu Nationalstolz“ tue Deutschland aber vermutlich gut. Seit der Fußball-WM 2006 habe sich das Fahnenschwenken normalisiert, und nicht jeder mit Deutschlandfahne auf der Wange sei ein verkappter Nationalist. Gerade jetzt, da die letzten Zeitzeugen des Holocaust ausstürben, sei die Ambivalenz aber wichtig. Banaszak betonte, dass niemand Zweifel daran haben sollte, „dass ich nicht sehr viel dafür tun würde, dass es diesem Land und den Menschen in diesem Land gut geht und wir die Probleme lösen können.“

Lang, die sich als „Verfassungspatriotin“ versteht, sagte, sie habe lange Zeit vor allem den kritischen Teil gesehen und das Positive in diesem Land für selbstverständlich gehalten: in einem Rechtsstaat aufzuwachsen, in der EU, mit einem Grundgesetz, das die Würde des Menschen im ersten Artikel festschreibe. Einen , wer Deutschland am meisten liebe, lehnte sie ab, zumal es eine Gruppe gebe, die das Land angeblich verehre, aber „ihre Befehle mehr aus Moskau“ bekomme.

Banaszak war für eine Antwort im ARD-Sommerinterview kritisiert worden, in der er auf die Frage nach seiner Liebe zu Deutschland auf seine Heimatstadt verwiesen hatte. Im Podcast räumte Banaszak ein, er habe sich damit „ein bisschen rausreden“ wollen.

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Text-/Bildquelle:
Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
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Ricarda Lang und Felix Banaszak (Archiv)

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?

Ricarda Lang, Felix Banaszak, Michael Sandel

Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?

dts Nachrichtenagentur, Die Grünen, ntv, AfD, EU, ARD

Wann ist das Ereignis passiert?

Nicht erwähnt

Wo spielt die Handlung des Artikels?

Berlin

Worum geht es in einem Satz?

Felix Banaszak und Ricarda Lang plädieren dafür, dass die Grünen Heimat und Zugehörigkeit stärker vermitteln, um diese Bedürfnisse nicht der Rechten zu überlassen, ohne dabei einen unkritischen Nationalstolz zu fördern.

Was war der Auslöser für den Vorfall?

  • Kritik an Banaszaks Antwort im ARD-Sommerinterview, in der er bei der Frage nach seiner Liebe zu Deutschland auf Duisburg verwiesen hatte
  • Persönlicher Wandel seines Heimatverständnisses durch den Umzug vom Ruhrgebiet nach Berlin und die dabei gewachsene Verbundenheit mit seiner Herkunft
  • Das Bedürfnis vieler Menschen nach Zugehörigkeit, Verwurzelung und Gemeinschaft
  • Verlust von materieller Sicherheit, Identität und Halt durch Deindustrialisierung und gesellschaftliche Vereinzelung
  • Einschätzung von Banaszak und Lang, dass bislang vor allem die politische Rechte Heimat- und Verlustgefühle aufgreife
  • Einfluss von Michael Sandels Kritik daran, dass die Linke den Patriotismus den Rechten überlassen habe

Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?

  • Felix Banaszak wurde für seine Antwort im ARD-Sommerinterview kritisiert, weil er auf die Frage nach seiner Liebe zu Deutschland auf seine Heimatstadt Duisburg verwiesen hatte.

Welche Konsequenzen werden genannt?

  • Verlust von Arbeitsplätzen, Identität und Halt durch Deindustrialisierung
  • Begünstigung antidemokratischer Politik durch Deindustrialisierung
  • Verlust materieller Sicherheit, Zugehörigkeit und Verwurzelung durch die liberale Moderne
  • Entheimatung vieler Menschen durch Hyperindividualismus
  • Politische Anschlussfähigkeit der Rechten durch das Aufgreifen von Verlustgefühlen
  • Normalisierung des Fahnenschwenkens seit der Fußball-WM 2006
  • Kritik an Banaszak wegen seiner Antwort im ARD-Sommerinterview

Gibt es bereits eine Stellungnahme?

Ja, Felix Banaszak und Ricarda Lang werden mit Stellungnahmen zu Heimat, Zugehörigkeit und ihrem Verhältnis zu Deutschland zitiert.

Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

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