Wirtschaftspolitik in Berlin
Berlin () – In der Union formiert sich Widerstand gegen einen weiteren Teil der Steuerpläne von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD). Die Streichung des Freibetrags für Belegschaftsrabatte ginge zulasten von Beschäftigten im Einzelhandel, im Verkehrssektor oder im Dienstleistungsgewerbe, sagte Fritz Güntzler, finanzpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, der „Welt“. Eine Streichung stehe nicht im Einklang mit dem Ziel der Koalition, Bürger mit kleinen und mittleren Einkommen zu entlasten. Im Gegenteil: Sie käme einer verdeckten Gehaltskürzung gleich, sagte Güntzler.
Er forderte statt einer Streichung eine Erhöhung des Freibetrags für Belegschaftsrabatte. Man solle eher über eine Anpassung nach oben nachdenken, sagte er. Der Freibetrag von 1080 Euro habe sich seit mehr als 20 Jahren nicht verändert. Die in dem Entwurf zum Einkommensteuerreformgesetz 2027 ebenfalls geplante Änderung der Besteuerung von Vereinen hatte Klingbeil nach Kritik aus den Reihen von CDU und CSU zu Wochenbeginn gestoppt, weitere Änderungen aber ausgeschlossen.
Auch aus der Opposition im Bundestag kommt Kritik. Die Streichung des Freibetrags für Belegschaftsrabatte treffe gezielt Beschäftigte, sagte der Grünen-Finanzpolitiker Sascha Müller der „Welt“. Es sei zu befürchten, dass viele Unternehmen diese Rabatte wegen zu hoher Bürokratie einfach einstellen. Klingbeil versuche offensichtlich mit zahlreichen Miniatur-Maßnahmen, seinen Haushalt noch zusammenzupuzzeln. Stattdessen solle die Bundesregierung endlich Gerechtigkeitslücken im Steuersystem abbauen, unwirksame und umweltschädliche Subventionen angehen oder eine Digitalsteuer nach Vorbild anderer EU-Länder einführen – und sich nicht mit ganz viel Klein-Klein abmühen, sagte Müller.
Bei den Arbeitgebern sieht man in Belegschaftsrabatten „gelebte Wertschätzung“, sagte Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Wer das jetzt besteuern wolle, bestrafe Arbeitgeber dafür, dass sie ihren Leuten mehr bieten als das monatliche Gehalt. Man könne über vieles reden, wenn am Ende eine spürbare Entlastung für die Beschäftigten stehe. Doch davon sei beim Bundesfinanzminister wenig zu sehen. Statt Entlastungen stünden Steuererhöhungen und eine weiter steigende Staatsquote auf dem Programm, sagte Kampeter. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wollte sich auf Anfrage nicht zu den Plänen der Bundesregierung äußern.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Lars Klingbeil, Fritz Güntzler, Sascha Müller, Steffen Kampeter
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
CDU/CSU-Bundestagsfraktion, SPD, CDU, CSU, Bundestag, Grüne, Grünen-Finanzpolitiker Sascha Müller, Opposition, Koalition, Bundesfinanzminister Lars Klingbeil, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB), Bundesregierung, Welt
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Berlin
Worum geht es in einem Satz?
Die CDU/CSU und auch die Grünen kritisieren, dass Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) den Freibetrag für Belegschaftsrabatte streichen will, da dies Beschäftigte belaste, Firmen die Rabatte aus Bürokratiegründen einstellen könnten und es statt echter Entlastung eher einer verdeckten Gehaltskürzung gleichkäme.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Kritik aus den Reihen der CDU und CSU
- Streichung des Freibetrags für Belegschaftsrabatte im Entwurf zum Einkommensteuerreformgesetz 2027
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- Widerstand in der Union gegen die Streichung des Freibetrags für Belegschaftsrabatte, da dies Beschäftigte belaste und einer verdeckten Gehaltskürzung gleichkäme
- Kritik aus der Opposition im Bundestag durch die Grünen wegen möglicher Bürokratie und Einstellung von Rabatten durch Unternehmen
- Arbeitgeberseite betont Belegschaftsrabatte als „gelebte Wertschätzung“ und kritisiert eine Bestrafung der Arbeitgeber
- DGB wollte sich auf Anfrage nicht äußern
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Belastungen für Beschäftigte im Einzelhandel
- Belastungen für Beschäftigte im Verkehrssektor
- Belastungen für Beschäftigte im Dienstleistungsgewerbe
- Verdeckte Gehaltskürzung
- Gefahr, dass Unternehmen Belegschaftsrabatte wegen hoher Bürokratie einstellen
- Ziel der Koalition zur Entlastung von Bürgern mit kleinen und mittleren Einkommen wird verfehlt
- Steuerrechtliche Belastung trifft gezielt Beschäftigte
- Mögliche Steuererhöhungen
- Weiter steigende Staatsquote
- Arbeitgeber würden für zusätzliche Leistungen an ihre Beschäftigten „bestraft“ werden
- Entlastung für Beschäftigte bleibt aus
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja. Fritz Güntzler (CDU/CSU) und Sascha Müller (Grüne) werden mit ihren kritischen Aussagen zitiert, außerdem Steffen Kampeter (BDA).
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