Politik: Debatte Reproduktionsmedizin in Berlin
Berlin () – Grünen-Co-Fraktionschefin Britta Haßelmann hält vor dem Hintergrund der Vorgänge um Ex-Unionsfraktionschef Jens Spahn eine neue Auseinandersetzung mit Themen der Reproduktionsmedizin für angezeigt.
Der Rücktritt von Spahn sei absolut folgerichtig gewesen, sagte Haßelmann den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die aktuelle gesellschaftliche Debatte zeige auch, dass es geboten sei, sich erneut inhaltlich mit den Ergebnissen der Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin zu befassen.
Die interdisziplinäre Kommission war in der vergangenen Legislatur von der Ampel-Regierung eingesetzt worden. Sie habe die aktuelle Regelung des Schwangerschaftsabbruchs sowie den Sachstand zu Eizellspende und Leihmutterschaft in psychosozialen, medizinischen, rechtlichen und ethischen Aspekten ausführlich gewürdigt und sich mit den Fragen zum Schwangerschaftsabbruch und der Fortpflanzungsmedizin intensiv beschäftigt, erklärte Haßelmann. Diese Empfehlungen böten eine wichtige Grundlage für einen faktenbasierten Diskurs zu sehr grundlegenden Fragen in Gesellschaft, Politik und Parlament. Der Bericht der Kommission aus dem April 2024 sei zu wertvoll, als dass er bei dieser Koalition in einer Schublade verschwinde.
Die Kommission war damals zu dem Schluss gekommen, dass zwar auch altruistische Modelle Raum für Umgehungen und Missbrauch bieten könnten, schrieb aber auch, dass der Gesetzgeber angesichts der Freiheitsrechte der Leihmütter und der Wunscheltern altruistische Leihmutterschaft in sehr engen Grenzen trotzdem zulassen könne.
Die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen in der SPD, kurz SPD-Frauen, ringt unterdessen noch um eine Position zum Thema Leihmutterschaft. Man habe das Thema schon seit 2025 auf der Agenda, sagte die Co-Vorsitzende Ulrike Häfner den Funke-Zeitungen, und bereite eine Positionierung für die nächste Bundesfrauenkonferenz 2027 vor. Der aktuelle Stand der Debatte sei, dass das grundsätzliche Verbot der Leihmutterschaft aus ethischen, praktischen und rechtlichen Beweggründen bestehen bleiben solle, Ausnahmen unter sehr engen Voraussetzungen aber ermöglicht werden könnten. Die Meinungsbildung sei aber noch nicht abgeschlossen. Grundsätzlich sehen die SPD-Frauen ein Problem in der zunehmenden Kommerzialisierung von Frauen in der Reproduktionsmedizin und in der Ausnutzung von deren materiellen Notlagen.
Auch bei der Linksfraktion im Bundestag verweist man auf ein mögliches finanzielles Ungleichgewicht zwischen Leihmutter und den Paaren, die Eltern werden wollen. Häufig profitierten wohlhabende Menschen von der ökonomischen Not anderer, sagte Kathrin Gebel, frauenpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, den Funke-Zeitungen. Sie lehnt kommerzielle Leihmutterschaft deshalb ab und sieht auch altruistische Varianten kritisch. Gesundheitliche Risiken, Abhängigkeiten und familiärer Druck würden nicht automatisch verschwinden, nur weil offiziell kein Geld fließe, sagte Gebel.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Britta Haßelmann, Jens Spahn, Ulrike Häfner, Kathrin Gebel
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
Grünen, SPD, SPD-Frauen, Linksfraktion, Bundestag, Ampel-Regierung, Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin, Zeitungen der Funke-Mediengruppe, Leihmutterschaft, Reproduktionsmedizin, Schwangerschaftsabbruch, Eizellspende, dts Nachrichtenagentur
Wann ist das Ereignis passiert?
Das Ereignis fand in folgendem Zeitraum statt:
- April 2024 (Bericht der Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin)
- „in der vergangenen Legislatur“ (Einsatz der interdisziplinären Kommission durch die Ampel-Regierung)
- 2025 (Thema bei den SPD-Frauen „seit 2025 auf der Agenda“)
- 2027 (Vorbereitung/Positionierung für die nächste Bundesfrauenkonferenz 2027)
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Berlin
Worum geht es in einem Satz?
Grünen-Co-Fraktionschefin Britta Haßelmann fordert angesichts der Debatte um Ex-Unionsfraktionschef Jens Spahn erneut eine inhaltliche Befassung mit den Ergebnissen der Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin, während SPD-Frauen und die Linksfraktion zugleich weiter über enge Grenzen bzw. grundsätzliche Kritik an der Leihmutterschaft diskutieren.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Vorgänge um Ex-Unionsfraktionschef Jens Spahn
- Debatte zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin
- Empfehlungskatalog der Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin
- Schlussfolgerungen der Kommission aus dem April 2024 zu Eizellspende und Leihmutterschaft sowie zum Schwangerschaftsabbruch
- Auseinandersetzung innerhalb der SPD-Frauen und deren anstehende Positionierung zur Leihmutterschaft
- Kritik an der zunehmenden Kommerzialisierung in der Reproduktionsmedizin und an Ausnutzung materieller Notlagen
- mögliche finanzielle Ungleichgewichte bei Leihmutterschaft
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- Haßelmann sieht aufgrund der Debatte um Ex-Unionsfraktionschef Jens Spahn eine neue Auseinandersetzung mit Themen der Reproduktionsmedizin als angezeigt
- Der Rücktritt von Spahn wird als absolut folgerichtig dargestellt
- Die Empfehlungen der Kommission sollen eine Grundlage für einen faktenbasierten Diskurs in Gesellschaft, Politik und Parlament bieten
- SPD-Frauen diskutieren noch und planen eine Positionierung für die Bundesfrauenkonferenz 2027
- SPD-Frauen wollen das grundsätzliche Verbot der Leihmutterschaft beibehalten, aber Ausnahmen unter sehr engen Voraussetzungen ermöglichen
- Linksfraktion äußert Bedenken hinsichtlich finanzieller Ungleichgewichte und kritisiert kommerzielle sowie auch altruistische Leihmutterschaft
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Rücktritt von Spahn sei folgerichtig gewesen
- Erneute inhaltliche Befassung mit den Themen der Reproduktionsmedizin sei geboten
- Die Empfehlungen der Kommission sollen eine Grundlage für einen faktenbasierten Diskurs zu Fragen von Gesellschaft, Politik und Parlament bieten
- Der Bericht der Kommission aus April 2024 solle nicht verschwinden
- Gesetzgeber könne altruistische Leihmutterschaft trotz Risiken in sehr engen Grenzen zulassen
- Fortschritte bei der Meinungsbildung der SPD-Frauen zum Thema Leihmutterschaft seien noch nicht abgeschlossen
- Das grundsätzliche Verbot der Leihmutterschaft solle bestehen bleiben, Ausnahmen nur unter sehr engen Voraussetzungen
- Zunehmende Kommerzialisierung und Ausnutzung materieller Notlagen von Frauen würden als Problem gesehen
- Bei der Linksfraktion werde ein finanzielles Ungleichgewicht als mögliches Problem angeführt
- Kommerzielle Leihmutterschaft werde abgelehnt
- Gesundheitliche Risiken, Abhängigkeiten und familiärer Druck würden auch bei altruistischen Varianten kritisch gesehen
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja: Britta Haßelmann sagt im Artikel, der Rücktritt von Jens Spahn sei „absolut folgerichtig“ gewesen.
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