Wirtschaftspolitik: CO2-Emissionen und Zertifikate in Berlin
Berlin () – Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will der Industrie einen höheren CO2-Ausstoß erlauben.
„Wir haben der Kommission empfohlen, nicht weiter Zertifikate aus dem Markt zu nehmen und somit den CO2-Preis nicht zu treiben“, sagte Reiche der „Bild“ (Samstagausgabe) mit Blick auf den EU-Emissionshandel für die Sektoren Energie und Industrie (EU-ETS 1). „Zunächst erst mal für die nächsten Jahre, weil wir an dieser Stelle nicht nur während der Krise, sondern auch für eine Phase wirtschaftlicher Belastungen in Europa insgesamt Stabilität brauchen.“
Der Emissionshandel sei „unter großem Druck“, so Reiche. „Ich höre, dass die Kommission sich tatsächlich bewegen will.“
Im Europäischen Emissionshandelssystem für die Sektoren Industrie und Energie gibt es eine Obergrenze für CO2-Emissionen. Pro Tonne CO2-Äquivalente, die etwa beim Verbrennen von Gas emittiert wird, müssen die betroffenen Unternehmen Zertifikate kaufen. Diese Zertifikate wurden über mehrere Jahre aufgeteilt, sodass die Menge an Zertifikaten – und damit an CO2-Emissionen – jährlich sinkt.
Senken die betroffenen Unternehmen ihre Nachfrage langsamer als das Angebot sinkt, steigt der Preis der Zertifikate. Ökonomischen Schätzungen zufolge müsste der Preis für Zertifikate von aktuell rund 80 Euro mittelfristig auf 200 bis 300 Euro steigen, um den Industriesektor vollständig zu dekarbonisieren. Wird die Zahl der Zertifikate von Jahr zu Jahr konstant gehalten, führt das entweder dazu, dass der CO2-Ausstoß im Vergleich zu den bisherigen Planungen erhöht wird, oder dass später in kürzerer Zeit mehr eingespart werden muss – wodurch es wiederum zu heftigeren Preissprüngen kommen kann.
Reiche will zudem erreichen, dass weiterhin kostenlos CO2-Zertifikate an Unternehmen zugeteilt werden. Auch das habe sie mit der Kommission besprochen. Es gebe die „dringende Bitte der energieintensiven Unternehmen, der Chemie, der Stahlindustrie, der Papierindustrie, der Zementindustrie, dass sie CO2-Zertifikate nicht bloß bis Anfang der 30er-Jahre, sondern bis in die 40er-Jahre sicher zugeteilt zu bekommen, um durch den CO2-Preis nicht zusätzlich belastet zu werden“, sagte Reiche.
Nach den bisherigen Plänen soll die jährliche Zertifikatemenge ab 2028 um 4,4 Prozent pro Jahr sinken, sodass spätestens ab 2040 keine Zertifikate mehr verteilt werden. Die Einnahmen aus dem ersten Zertifikatehandel (ETS 1) fließen in Deutschland in den Klima- und Transformationsfonds (KTF), aus dem beispielsweise der Ausbau der E-Ladeinfrastruktur und der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft gefördert wird. Eine kostenlose Zuteilung von Zertifikaten würde also die künftigen Einnahmen verringern und damit auch die Mittel zur Unterstützung der Dekarbonisierung betroffener Branchen.
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| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Evonik Industries (Archiv) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Katherina Reiche
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, CDU, EU-Emissionshandel, Kommission, Chemieindustrie, Stahlindustrie, Papierindustrie, Zementindustrie, Klima- und Transformationsfonds (KTF), Evonik Industries.
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Wo spielt die Handlung des Artikels?
Die Orte, an denen das beschriebene Ereignis stattfindet oder stattfand, sind: Berlin, Europa.
Worum geht es in einem Satz?
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche schlägt vor, den CO2-Ausstoß für die Industrie zu erhöhen und die Zuteilung kostenloser CO2-Zertifikate bis in die 2040er Jahre zu sichern, um in Zeiten wirtschaftlicher Belastungen Stabilität zu gewährleisten.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche tritt für höheren CO2-Ausstoß ein
- Empfehlung, keine Zertifikate aus dem Markt zu nehmen
- Stabilität in der Industrie während wirtschaftlicher Belastungen gefordert
- Emissionshandel steht unter Druck
- EU-Emissionshandelssystem umfasst Obergrenze für CO2-Emissionen
- Preis der CO2-Zertifikate muss steigen für Dekarbonisierung
- Forderung nach kostenloser Zuteilung von CO2-Zertifikaten für Unternehmen
- Dringende Bitte energieintensiver Branchen nach langfristiger Zuteilung
- Jährliche Zertifikatemenge soll ab 2028 sinken
- Einnahmen aus Zertifikatehandel fließen in Klima- und Transformationsfonds
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
Politik, Öffentlichkeit oder Medien wurden im Artikel nicht beschrieben.
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Höherer CO2-Ausstoß für die Industrie
- Stabilität in wirtschaftlichen Belastungsphasen
- Preissteigerung der Zertifikate
- Notwendigkeit späterer Einsparungen in kürzerer Zeit
- Heftigere Preissprünge möglich
- Kostenlose Zuteilung von CO2-Zertifikaten bleibt bestehen
- Verringerte zukünftige Einnahmen aus dem Zertifikatehandel
- Weniger Mittel zur Unterstützung der Dekarbonisierung
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja, im Artikel wird eine Stellungnahme von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zitiert, in der sie erklärt, dass sie der Industrie einen höheren CO2-Ausstoß erlauben möchte und dass Zertifikate nicht weiter aus dem Markt genommen werden sollten.
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