Gesundheit und Arbeitskultur in Berlin
Berlin () – Nach Erhebungen zu Machtmissbrauch und sexueller Belästigung im ärztlichen Arbeitsalltag wollen die Spitzenverbände mithilfe eines Runden Tisches für Besserung sorgen.
Es handele sich um ein „strukturelles Problem“, sagte Susanne Johna, Vorsitzende des Marburger Bundes, am Mittwoch in Berlin. „Machtmissbrauch kann sich in einem respektlosen, herablassenden Umgangston äußern, in systematischer Herabsetzung oder auch in öffentlicher Bloßstellung.“ Das Spektrum sei leider breit gefächert und umfasse auch geschlechtsbezogene Diskriminierung und Benachteiligung in der ärztlichen Weiterbildung.
Grundlage des Runden Tisches sei ein gemeinsames Leitbild. „Es beschreibt eine respektvolle Arbeitskultur im Krankenhaus, in der alle Beschäftigten Grenzüberschreitungen ansprechen können, ohne eben Nachteile befürchten zu müssen.“ Nötig seien unabhängige und vertrauliche Beratungs- und Beschwerdestellen, die auch allen bekannt seien. „Die Meldewege müssen leicht zugänglich und die Abläufe transparent sein.“
Auf Nachfrage der nach den Gründen für den strukturellen Machtmissbrauch in Kliniken, sagte Johna, dass dies wohl mit hierarchischen Strukturen erheblich zusammenhänge. Eine gewisse Endentscheidung müsse es geben, aber über die Jahre habe sich ein „habituelles Schweigen zu so einem Fehlverhalten“ entwickelt. Ein solches Verhalten dürfe man nicht mehr tolerieren. „Und dazu gehört auch, Auswahlprozesse für Besetzungen von Leitungspositionen eben nicht nur nach medizinischer Exzellenz, sondern auch nach der Möglichkeit, Personalführung auch leben zu können, auszusuchen.“
Johna sagte auch, dass der Machtmissbrauch indirekt Folgen für die Patienten haben könnte. Mitarbeiter im Krankenhaus müssten bereit sein, es anzusprechen, wenn sie etwas sehen, was potenziell in einen Fehler münden könne.
Ähnlich äußerte sich Christine Denk, Geschäftsführerin des Deutschen Pflegerates. „Wenn auf einer Station oder in dem Arbeitsbereich eine Kultur der Angst herrscht und ein großes Hierarchie- und Machtgefälle, was missbräuchlich ausgelebt wird, dann ist es ja für alle Mitarbeitenden spürbar“, sagte sie. Das könne dazu führen, dass die Behandlung und die Versorgung der Patienten letztendlich schlechter werden könne. Auch Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft, verwies darauf, dass eine „positive Fehlerkultur“ im Klinikalltag Auswirkung auf die Patientenversorgung habe.
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Vorstellung Runder Tisch gegen Machtmissbrauch im Krankenhaus am 04.11.2026
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Worum geht es in einem Satz?
Die Spitzenverbände im Gesundheitswesen wollen mit einem Runden Tisch, einer respektvollen Arbeitskultur und unabhängigen Beschwerdestellen strukturellen Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung in Krankenhäusern bekämpfen und dadurch auch die Patientensicherheit stärken.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Erhebungen zu Machtmissbrauch und sexueller Belästigung im ärztlichen Arbeitsalltag
- Strukturelle Missstände wie Herabsetzung, öffentliche Bloßstellung und geschlechtsbezogene Diskriminierung
- Benachteiligung in der ärztlichen Weiterbildung
- Stark ausgeprägte Hierarchien und Machtgefälle in Krankenhäusern
- Über Jahre gewachsenes Schweigen und Dulden von Fehlverhalten
- Zu geringe Berücksichtigung von Personalführungskompetenz bei der Besetzung von Leitungspositionen
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Einrichtung eines Runden Tisches mit gemeinsamem Leitbild für eine respektvolle Arbeitskultur im Krankenhaus
- Forderung nach unabhängigen, vertraulichen und bekannten Beratungs- und Beschwerdestellen sowie leicht zugänglichen Meldewegen und transparenten Abläufen
- Stärkere Berücksichtigung von Personalführungskompetenz bei der Besetzung von Leitungspositionen gefordert
- Gefahr, dass Beschäftigte potenzielle Fehler aus Angst nicht ansprechen
- Mögliche Verschlechterung der Behandlung und Versorgung von Patienten
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