Gesellschaftliche Debatte um Schwerarbeitspension in Deutschland
Berlin () – Der Wirtschaftsweise Martin Werding spricht sich gegen spezielle Rentenregeln für bestimmte belastende Berufe aus. Im Ausland zeige sich, dass die Liste der berechtigten Berufe „eher von guter Organisation und starker Lobbytätigkeit getrieben ist als von arbeitsmedizinischen Einsichten“, sagte Werding, der auch Mitglied der Rentenkommission war, dem „Handelsblatt“.
Die „Schwerarbeitspension“ in Österreich, die der SPD-Politiker Dirk Wiese als Vorbild empfiehlt, beruhe auf einem veralteten Bild von anstrengenden Tätigkeiten. Das passe nicht mehr in die Zeit, denn der Anteil der Neurentner mit mentalen und psychischen Beeinträchtigungen steige. „Diese lassen sich aber viel weniger an Berufsgruppen festmachen als bei physischen Beeinträchtigungen“, sagte Werding.
Auch Christine Mayrhuber, Pensionsexpertin des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO), sagte der Zeitung, die österreichische Lösung sei teilweise ein „aus der Not geborenes Hilfskonstrukt“. Österreich habe so wie Deutschland „keine systematische Erfassung der Arbeitsbedingungen“. Daher habe Wien den Anspruch auf Schwerarbeitspension eben an Kriterien knüpfen müssen, die auch im Nachhinein belegbar seien. „Tatsächlich ist es ein Trauerspiel, dass wir über arbeitsplatzbezogene Belastungsfaktoren so gut wie nichts wissen“, sagte Mayrhuber.
Werding fügte hinzu, dass die Deutsche Rentenversicherung die Berufe ihrer Versicherten gar nicht kenne. „Sie könnte solche Regelungen also gar nicht umsetzen.“ In Österreich sind Arbeitgeber wegen der Spezialrente verpflichtet, „Schwerarbeit“ zu melden.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Martin Werding, Dirk Wiese, Christine Mayrhuber
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
Martin Werding, Dirk Wiese, SPD, Handelsblatt, Rentenkommission, Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO), Deutsche Rentenversicherung
Wann ist das Ereignis passiert?
Nicht erwähnt
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Berlin
Worum geht es in einem Satz?
Der Wirtschaftsweise Martin Werding kritisiert die Idee spezieller Rentenregeln für belastende Berufe (z. B. Österreichs „Schwerarbeitspension“) als nicht ausreichend arbeitsmedizinisch begründet und verweist darauf, dass psychische Belastungen weniger berufsgruppenbezogen seien sowie in beiden Ländern keine verlässliche, systematische Erfassung der Arbeitsbedingungen existiere.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- SPD-Politiker Dirk Wiese empfiehlt als Vorbild die österreichische „Schwerarbeitspension“
- Kritik daran, dass die Liste der berechtigten Berufe eher von Organisation und Lobbytätigkeit statt arbeitsmedizinischen Einsichten geprägt sei
- Fehlende systematische Erfassung der Arbeitsbedingungen in Österreich und ebenso in Deutschland
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- Keine Reaktion von Politik, Öffentlichkeit oder Medien beschrieben
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Der Vorschlag spezieller Rentenregeln für belastende Berufe wird kritisch gesehen
- Die Vergabe der Schwerarbeitspension könnte stärker von Organisation und Lobbyeinfluss als von arbeitsmedizinischen Erkenntnissen bestimmt sein
- Die Schwerarbeitspension in Österreich wird als nicht mehr zeitgemäß eingeordnet
- Der steigende Anteil von Neurentnern mit mentalen und psychischen Beeinträchtigungen macht berufsgruppenbezogene Kriterien schwieriger
- In Österreich wird die Lösung teilweise als aus der Not geborenes Hilfskonstrukt bewertet
- Es fehle an systematischer Erfassung der Arbeitsbedingungen
- Die Kriterien müssten daher so gestaltet sein, dass sie nachträglich belegbar sind
- Es wird betont, dass arbeitsplatzbezogene Belastungsfaktoren weitgehend unbekannt sind
- Die Deutsche Rentenversicherung habe die relevanten Berufe nicht systematisch erfasst
- Spezielle Rentenregelungen könnten daher praktisch nicht umgesetzt werden
- Meldepflichten der Arbeitgeber bei Schwerarbeit schaffen zusätzlichen Umsetzungsaufwand und eine weitere Institutionalisierung der Erfassung
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja. Martin Werding wird mit mehreren direkten Zitaten („… sagte Werding … dem ‚Handelsblatt‘“ sowie weitere Zitate) sowie auch Christine Mayrhuber wird mit direkten Aussagen zitiert.
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