Politik: Maskenklagen in Berlin
Berlin () – Die Bundesregierung hat in den Gerichtsverfahren um den Einkauf von Coronamasken bereits hohe Zahlungen für verlorene Klagen geleistet, obwohl eine rechtskräftige Entscheidung noch aussteht. Das berichtet das Wirtschaftsmagazin Capital unter Berufung auf eine Antwort des Gesundheitsministeriums an die Grünen-Bundestagsfraktion.
Um die Zwangsvollstreckung von Urteilen abzuwenden, habe das Gesundheitsministerium die Hinterlegung von Sicherheitsleistungen in Höhe von rund 790 Millionen Euro veranlasst, schreibt das Ministerium. Dabei gehe es um zwölf Verfahren.
Die Summe wirft ein Schlaglicht auf die Finanzrisiken aus dem Maskeneinkauf unter dem damaligen Minister Jens Spahn (CDU) im Frühjahr 2020. Später klagten mehr als 100 Lieferanten, weil das Ministerium sie nicht bezahlt hatte. Im September verhandelt der Bundesgerichtshof (BGH) in letzter Instanz über den Themenkomplex. In den noch laufenden Verfahren geht es um 2,3 Milliarden Euro plus Zinsen.
Seit Sommer 2024 haben mehrere Maskenhändler Klagen vor dem Oberlandesgericht Köln in zweiter Instanz gewonnen. In mehreren Fällen, in denen die Lieferanten zwei- oder dreistellige Millionenbeträge zugesprochen bekamen, verfügten die Kölner Richter, dass die Urteile vorläufig vollstreckbar sind und dass das Gesundheitsministerium schon vor der finalen BGH-Entscheidung Zahlungen an die Kläger leisten muss. Jedoch konnte das Ministerium die Vollstreckung abwenden, indem es die fälligen Beträge bei Gericht hinterlegte. Sollte der BGH dem Bund recht geben, fließt das Geld an ihn zurück. Andernfalls geht es an die Lieferanten.
Finanziert werden diese Garantien über ein bisher unbekanntes Konto der Bundesfinanzverwaltung, wie Capital weiter berichtet. Dabei handele es sich um ein Vorschusskonto für Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit der Beschaffung von Masken im Zuge der SARS-CoV-2-Pandemie, so das Gesundheitsministerium.
Die erheblichen Sicherheitsleistungen zeigten die riesigen Haushaltsrisiken aus den Maskenkäufen unter Spahn, sagte die Grünen-Abgeordnete Paula Piechotta dem Magazin. Zugleich äußerte die Haushaltsexpertin scharfe Kritik an der Prozessstrategie des Gesundheitsressorts. Dass diese Summen ausgerechnet jetzt, in finanziell schwierigen Zeiten, auflaufen, liege mutmaßlich daran, dass das Ministerium die Abwicklung jahrelang verzögert habe in der Hoffnung, dass der politische Schaden kleiner werde. Das Gegenteil sei der Fall.
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| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Bundesministerium für Gesundheit (Archiv) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Jens Spahn, Paula Piechotta
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
Bundesministerium für Gesundheit (BMG), Bundesregierung, Gesundheitsministerium, Bundesgerichtshof (BGH), Oberlandesgericht Köln, Bundesfinanzverwaltung, Wirtschaftsmagazin Capital, Grüne-Bundestagsfraktion, CDU, SARS-CoV-2-Pandemie, Jens Spahn, Paula Piechotta, dts Nachrichtenagentur, Bundesregierung
Wann ist das Ereignis passiert?
Das beschriebene Ereignis/der Zeitraum bezieht sich vor allem auf:
- Frühjahr 2020 (Maskeneinkauf unter Minister Jens Spahn)
- seit Sommer 2024 (mehrere Maskenhändler gewinnen Klagen vor dem Oberlandesgericht Köln in zweiter Instanz)
- September (der Bundesgerichtshof verhandelt in letzter Instanz)
Konkreter Genauer: „Im September“ ist genannt, aber kein Jahr.
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Berlin, Bundesministerium für Gesundheit, Bundesgerichtshof (BGH), Oberlandesgericht Köln, Bundesfinanzverwaltung
Worum geht es in einem Satz?
Die Bundesregierung hat in den Gerichtsverfahren wegen des fehlerhaften Maskeneinkaufs bereits hohe Zahlungen veranlasst und dafür Sicherheitsleistungen von rund 790 Millionen Euro hinterlegen lassen, während der Bundesgerichtshof im September abschließend über Forderungen von insgesamt 2,3 Milliarden Euro plus Zinsen entscheiden soll.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Nicht bezahlte Coronamasken-Lieferanten aus dem Maskeneinkauf unter Jens Spahn (Frühjahr 2020)
- Klagen von mehr als 100 Lieferanten, weil das Gesundheitsministerium die Rechnungen bzw. Zahlungen nicht beglichen hatte
- Versuche, Zwangsvollstreckungen von Urteilen in laufenden Gerichtsverfahren abzuwenden, indem Sicherheitsleistungen in Höhe von rund 790 Millionen Euro hinterlegt wurden
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- Die Bundesregierung bzw das Gesundheitsministerium habe hohe Zahlungen bzw Sicherheitsleistungen veranlasst, um Zwangsvollstreckungen von Urteilen in den Maskenverfahren abzuwenden, obwohl die rechtskräftige Entscheidung des BGH noch aussteht
- Die Grünen-Abgeordnete Paula Piechotta kritisiert die Prozessstrategie des Gesundheitsressorts scharf und vermutet, dass das Ministerium die Abwicklung jahrelang verzögert habe, um den politischen Schaden klein zu halten
- Eine deutliche Reaktion der Öffentlichkeit oder Medien wird im Text nicht konkret beschrieben
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Hohe Finanzzahlungen durch den Bund trotz noch ausstehender rechtskräftiger Entscheidungen
- Hinterlegung von Sicherheitsleistungen zur Abwendung von Zwangsvollstreckungen in mehreren Verfahren
- Entstehen erheblicher Haushaltsrisiken durch die ausstehenden Forderungen der Lieferanten
- Notwendigkeit von Zahlungen an Kläger vor der finalen Entscheidung durch den Bundesgerichtshof
- Möglichkeit eines Rückflusses hinterlegter Gelder an den Bund im Falle einer Entscheidung zugunsten des Bundes
- Andernfalls Auszahlung der hinterlegten Beträge an die Lieferanten
- Belastung laufender Gerichtsverfahren mit insgesamt sehr hohen Streitwerten einschließlich Zinsen
- Finanzielle Folgen durch Verzögerungen in der Abwicklung, die die Gesamtkosten erhöhen können
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja: Paula Piechotta (Grünen-Abgeordnete) wird mit einer Aussage zitiert („… sagte … dem Magazin“).
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