Politik: Unabhängigkeit der Staatsanwaltschaft in Deutschland
Berlin () – Der Deutsche Richterbund (DRB) fordert angesichts wachsender Umfragewerte der AfD mehr Unabhängigkeit für die Staatsanwaltschaften und eine Begrenzung des Weisungsrechts durch Ministerien.
DRB-Bundesgeschäftsführer Sven Rebehn sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, in einer Zeit, in der rechtspopulistische Parteien wie die AfD im Aufwind seien und vielfach die Machtprobe mit der Justiz suchten, dürfe es keine Einfallstore für einen politischen Missbrauch der Strafverfolgung geben. Bislang könnten die Justizministerien durch ihr Weisungsrecht gegenüber den Staatsanwaltschaften bis in einzelne Strafverfahren hineinregieren.
Zwar gebe es eine politische Tradition der Selbstbeschränkung bei diesen Weisungen. „Ein AfD-Justizminister könnte aber jederzeit damit brechen“, hob Rebehn hervor. Die Bundesjustizministerin müsse dieser Gefahr für eine objektive Strafverfolgung jetzt einen Riegel vorschieben und politisch motivierte Weisungen an Staatsanwälte durch eine Gesetzesänderung verlässlich ausschließen. Es sei höchste Zeit, den Rechtsstaat resilienter aufzustellen und das ministerielle Durchgriffsrecht für Strafverfahren abzuschaffen.
Auch Nordrhein-Westfalens Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) hob gegenüber den Funke-Zeitungen hervor, man müsse die inhaltliche Unabhängigkeit der Staatsanwaltschaften stärken und strukturell absichern. Die Strafverfolgung in Deutschland habe frei und ohne Ansehen der Person zu erfolgen und müsse vor jedem Anschein politischer Erwägungen geschützt sein. Das ministerielle Weisungsrecht müsse gesetzlich klar auf eine reine Rechtskontrolle beschränkt werden, sagte Limbach. Die Landesregierung hatte bereits 2024 einen entsprechenden Beschluss in der Justizministerkonferenz eingebracht.
Die AfD-Fraktion im Bundestag will das Weisungsrecht von Ministerien gegenüber der Justiz ebenfalls einschränken. Der stellvertretende Bundessprecher der AfD, Stephan Brandner, sagte den Funke-Zeitungen, das Ziel der AfD sei klar: eine Entpolitisierung der Justiz. Dazu gehöre als zentraler Punkt die Abschaffung des Weisungsrechts durch Minister an die Staatsanwaltschaften. Ein funktionierender Rechtsstaat könne sich kein Gesinnungsstrafrecht leisten. Das untergrabe seine Glaubwürdigkeit und Akzeptanz.
Laut dem Gerichtsverfassungsgesetz können die zuständigen Justizminister in einzelnen Fällen Weisungen an die Staatsanwaltschaften erteilen. Im Justizalltag kommt das bisher selten vor. Zugleich hat in der Vergangenheit auch der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg diese Rechtsprechung kritisiert und mehr Unabhängigkeit für die deutschen Staatsanwaltschaften angemahnt.
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| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Staatsanwaltschaft und Verwaltungsgericht (Archiv) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Sven Rebehn, Benjamin Limbach, Stephan Brandner
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
Deutscher Richterbund (DRB), AfD, Funke-Mediengruppe, Benjamin Limbach, Grüne, AfD-Fraktion im Bundestag, Stephan Brandner, Europäischer Gerichtshof (EuGH)
Wann ist das Ereignis passiert?
Nicht erwähnt
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Die Orte, an denen das beschriebene Ereignis stattfindet oder stattfand, sind: Berlin, Nordrhein-Westfalen, Luxemburg.
Worum geht es in einem Satz?
Der Deutsche Richterbund fordert mehr Unabhängigkeit für die Staatsanwaltschaften in Deutschland und eine Einschränkung des Weisungsrechts der Ministerien, um politischem Missbrauch bei der Strafverfolgung, insbesondere angesichts der wachsenden Unterstützung für die AfD, vorzubeugen.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Wachsender Einfluss der AfD
- Politische Unsicherheit in der Justiz
- Möglichkeit politischer Einflussnahme durch Weisungsrecht
- Tradition der Selbstbeschränkung bei Weisungen
- Bedrohung der objektiven Strafverfolgung
- Forderung nach mehr Unabhängigkeit der Staatsanwaltschaften
- Notwendigkeit der Gesetzesänderungen zur Absicherung der Unabhängigkeit
- Vorwurf politischer Übergriffe auf die Justiz durch rechtspopulistische Parteien
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- Deutscher Richterbund (DRB) fordert mehr Unabhängigkeit der Staatsanwaltschaften
- Begrenzung des Weisungsrechts durch Ministerien gefordert
- DRB sieht Gefahr politischen Missbrauchs der Strafverfolgung durch AfD
- Justizministerien können derzeit Weisungen in Strafverfahren erteilen
- Politische Tradition der Selbstbeschränkung wird betont
- Ministerin soll politisch motivierte Weisungen ausschließen
- Nordrhein-Westfalens Justizminister fordert Stärkung der Unabhängigkeit
- Ministeriales Weisungsrecht soll auf Rechtskontrolle beschränkt werden
- AfD-Fraktion will ebenfalls Einschränkung des Weisungsrechts
- Europäischer Gerichtshof kritisierte die aktuelle Praxis und fordert mehr Unabhängigkeit
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Forderung nach mehr Unabhängigkeit für Staatsanwaltschaften
- Begrenzung des Weisungsrechts durch Ministerien
- Verhinderung politischer Einflussnahme auf die Strafverfolgung
- Stärkung der inhaltlichen Unabhängigkeit der Staatsanwaltschaften
- Abschaffung des ministeriellen Durchgriffsrechts
- Gesetzliche Beschränkung auf reine Rechtskontrolle
- Entpolitisierung der Justiz
- Verbesserung der Glaubwürdigkeit und Akzeptanz des Rechtsstaates
- Kritik des Europäischen Gerichtshofs an der aktuellen Praxis
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja, im Artikel wird eine Stellungnahme von Sven Rebehn, dem Bundesgeschäftsführer des Deutschen Richterbundes, zitiert, der erklärt, dass es keine Einfallstore für politischen Missbrauch der Strafverfolgung geben dürfe.
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