Innenminister der Länder uneins über Zurückweisungen an Grenze

Asylpolitik in Deutschland unter Diskussion

Berlin () – Die gerät unter Druck, die anhaltenden Zurückweisungen von Asylsuchenden an deutschen Grenzen zu rechtfertigen. “Das juristische Eis wird immer dünner“, sagte der Konstanzer Asylrechtler Daniel Thym dem Nachrichtenmagazin „Focus“.

„Das liegt zum einen daran, dass eine Ausnahmesituation schwerer anzunehmen sein wird.“ Außerdem tritt am 12. Juni 2026 das neue Gemeinsame Europäische Asylsystem in Kraft. „Damit kann sich die Bundesregierung nur noch schwer darauf berufen, dass ihr die Anwendung der regulären EU-Regeln unzumutbar wäre, weil diese nicht funktionieren“, sagte Thym.

Die Zurückweisungen sind europarechtlich hochumstritten, denn eigentlich sind die Mitgliedstaaten angehalten, Asylanträge zu prüfen. Die Bundesregierung beruft sich allerdings auf einen sogenannten EU-Notstands-Artikel, der es ermöglicht, nationales Recht über europäisches Recht zu stellen, wenn “eine Gefahr für die öffentliche und Ordnung“ besteht. Auch unter den Ressortchefs der 16 Länder ist man sich uneinig über die Fortführung der Zurückweisungen.

Die Innenminister der Union halten an der Maßnahme fest. „Ich unterstütze des Bundesinnenministers, an den Grenzkontrollen festzuhalten“, sagte Baden-Württembergs Migrations- und Justizministerin Marion Gentges dem „Focus“. „Die Grenzkontrollen haben einen deutlichen Effekt auf die zurückgehenden Migrationszahlen in Deutschland“, so die CDU-Politikerin.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sieht die Zurückweisungen als „weltweites Signal für die Migrationswende“. Die Zeit der naiven Migrationspolitik sei vorbei. „Solange die europäischen Außengrenzen nicht konsequent gesichert sind, müssen wir weiter nationale Verantwortung übernehmen.“

Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) sieht durch die Zurückweisungen den ersten Schritt der Asylwende als gelungen an. „Im zweiten Schritt der Asylwende legen wir den Fokus klipp und klar auf die Durchsetzung der Ausreisepflicht.“

Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) ist hingegen skeptischer. „Die Frage der rechtlichen Bewertung ist noch nicht abschließend geklärt“, sagt die SPD-Politikerin. „Eine Notlage kann ich mit Blick auf angesichts der auch in diesem Jahr noch einmal deutlich gesunkenen Zugangszahlen nicht erkennen“, räumt sie ein. Die SPD-Politikerin warnt auch vor einer Überlastung der Bundespolizei. „Entscheidend ist aus der Länderperspektive, dass die Bundespolizei auch weiterhin in der Lage ist, ihre vielfältigen anderen Aufgaben vollständig zu bewältigen.“ Dazu gehörten beispielsweise die Sicherung von Bahnhöfen und Flughäfen oder die Unterstützung der Länder bei Rückführungen.

Bremens Integrationssenatorin Claudia Schilling (SPD) ist ebenfalls kritisch: „Jeder Mensch hat Anspruch auf ein rechtsstaatliches Asylverfahren“, sagt sie. Dieses müsse gewährleistet sein. „Aus arbeits- und sozialpolitischer Sicht ist mir wichtig, dass wir den Blick auch auf Integration und Teilhabe richten“, sagt Schilling. „Viele der Menschen, die zu uns kommen, sind jung und bringen Potenziale mit, die wir angesichts des Fachkräftemangels auf dem Arbeitsmarkt nicht ungenutzt lassen sollten.“

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Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: Grenzkontrolle (Archiv)

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?

Daniel Thym, Marion Gentges, Joachim Herrmann, Armin Schuster, Daniela Behrens, Claudia Schilling

Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?

Hier sind die genannten Organisationen, Parteien oder Institutionen:

Bundesregierung, EU, Gemeinsames Europäisches Asylsystem, Innenminister der Union, Bundesinnenminister, CDU, Bayerns Innenministerium, Sachsens Innenministerium, Niedersachsens Innenministerium, SPD, Bremens Integrationssenatorin.

Wann ist das Ereignis passiert?

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Wo spielt die Handlung des Artikels?

Die beschriebenen Ereignisse finden an folgenden Orten statt:

Berlin, Deutschland; Konstanz, Deutschland; Bayern, Deutschland; Niedersachsen, Deutschland; Sachsen, Deutschland; Bremen, Deutschland.

Worum geht es in einem Satz?

Die Bundesregierung steht unter Druck, die umstrittenen Zurückweisungen von Asylsuchenden an deutschen Grenzen zu rechtfertigen, da rechtliche Grundlagen schwächer werden und eine Uneinigkeit unter den Innenministern besteht, wobei einige die Maßnahmen unterstützen und andere skeptisch und besorgt über deren rechtliche Grundlage sind.

Was war der Auslöser für den Vorfall?

  • Anhaltende Zurückweisungen von Asylsuchenden an deutschen Grenzen
  • Druck auf die Bundesregierung zur Rechtfertigung dieser Maßnahmen
  • EU-Rechtliche Hochumstrittenheit der Zurückweisungen
  • Anwendung eines EU-Notstands-Artikels durch die Bundesregierung
  • Uneinigkeit unter Innenministern der Bundesländer über Fortführung der Maßnahmen
  • Bedeutung der Grenzkontrollen für Migration und öffentliche Sicherheit
  • Anstehende Einführung des neuen Gemeinsamen Europäischen Asylsystems 2026
  • Sorgen um die Anwendung der regulären EU-Regeln und deren Funktionalität
  • Kritik an der Überlastung der Bundespolizei und deren Aufgaben

Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?

  • Bundesregierung unter Druck, Zurückweisungen zu rechtfertigen
  • Daniel Thym weist auf dünner werdendes juristisches Eis hin
  • Neuer EU-Asylsystem ab 12. Juni 2026 erschwert Ausnahmesituationen
  • Zurückweisungen sind europarechtlich umstritten
  • Bundesregierung beruft sich auf EU-Notstands-Artikel
  • Uneinigkeit unter Ressortchefs der 16 Länder
  • Innenminister der Union unterstützen Grenzkontrollen als wirksam
  • Migrationswende als Welt signalisiert
  • Skepsis der SPD-Politikerinnen bezüglich rechtlicher Bewertung
  • Warnungen vor Überlastung der Bundespolizei
  • Forderungen nach rechtsstaatlichem Asylverfahren
  • Hinweis auf Fachkräftemangel und Integration der Migranten

Welche Konsequenzen werden genannt?

  • Druck auf die Bundesregierung zur Rechtfertigung der Zurückweisungen
  • Zunehmende rechtliche Unsicherheiten
  • Schwierigkeiten bei der Berufung auf Ausnahmesituationen
  • Inkrafttreten des neuen Gemeinsamen Europäischen Asylsystems
  • Uneinigkeit unter Ressortchefs über Fortführung der Zurückweisungen
  • Positive Wahrnehmung der Grenzkontrollen bezüglich Migrationszahlen
  • Signal für eine Veränderung der Migrationspolitik
  • Erste Schritte in Richtung einer Asylwende
  • Bedenken bezüglich rechtlicher Bewertungen
  • Warnung vor Überlastung der Bundespolizei
  • Notwendigkeit zur Gewährleistung rechtsstaatlicher Asylverfahren
  • Fokus auf Integration und Teilhabe von Migranten

Gibt es bereits eine Stellungnahme?

Ja, im Artikel wird eine Stellungnahme zitiert. Daniel Thym, ein Konstanzer Asylrechtler, äußert sich skeptisch zu den Zurückweisungen von Asylsuchenden und sagt: "Das juristische Eis wird immer dünner."

Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

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