Gesundheitspolitik und Rauchverbot in Deutschland
Berlin () – Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag, Simone Borchardt, hat Forderungen der Bundesländer nach einem Rauchverbot beim Autofahren mit Kindern und Schwangeren zurückgewiesen. „Gesundheitspolitik darf nicht bei symbolischen Einzelmaßnahmen stehenbleiben, sondern muss das gesamte System im Blick behalten“, sagte Borchardt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstagausgaben). „Nur dann gelingt es, echte Verbesserungen für die Gesundheit der Menschen zu erreichen.“
Der Schutz von Kindern und Schwangeren vor Tabakrauch sei zweifellos ein wichtiges Anliegen. „Allerdings greift es zu kurz, wenn wir dieses komplexe Problem auf eine singuläre Maßnahme wie ein Rauchverbot im Auto beschränken. Entscheidend ist eine ganzheitliche und systematische Strategie“, so die CDU-Politikerin weiter.
Eine Initiative mehrerer Bundesländer will erneut eine Gesetzesvorlage im Bundesrat einbringen, wonach das Rauchen im Auto, wenn Kinder oder Schwangere mitfahren, verboten werden soll. Stimmt die Länderkammer in ihrer nächsten Sitzung am 26. September dafür, muss sich der Bundestag mit dem Vorstoß beschäftigen.
Borchardt hält von einem solchen Verbot nicht viel. „Ein ausschließliches Verbot im Auto wäre ein Placebo, denn die Realität zeigt: Viele Kinder sind auch zu Hause oder in anderen sozialen Umfeldern Tabakrauch ausgesetzt“, sagte sie weiter. Ziel müsse es daher sein, den Tabakkonsum insgesamt einzudämmen. „Das geht nur mit Aufklärung, konsequenter Präventionsarbeit und wirksamen Hilfen für den Rauchstopp.“
Anders äußerte sich der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt. „Das Rauchverbot in Autos, in denen Minderjährige oder Schwangere sitzen, ist überfällig. Passivrauchen schadet der Gesundheit massiv. Das gilt insbesondere für Ungeborene, Kinder und Jugendliche. Es sollte selbstverständlich sein, in ihrer Gegenwart nicht zu rauchen“, sagte Reinhardt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.
Wo diese Einsicht fehle, müsse der Staat eingreifen. „In Fahrzeugen entspricht die Feinstaubbelastung durch Tabakrauch etwa der einer durchschnittlich verrauchten Bar. Wenn Vernunft und Verantwortungsgefühl fehlen, sind sanktionsbewehrte Verbote unumgänglich“, so der Ärztekammer-Präsident.
Auch die Vorstandsvorsitzende der Krankenkasse AOK, Carola Reimann, sieht Handlungsbedarf. Man brauche für die wenigen Unbelehrbaren gesetzliche Einschränkungen. „Wir müssen die besonders vulnerablen Gruppen der Kinder und Schwangeren vor den Gefahren des Passivrauchens schützen“, sagte Reimann den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.
Bedenken kamen hingegen von der Gewerkschaft der Polizei (GdP). „Ein Rauchverbot im Auto wirkt nur, wenn es intensiv durch die Polizei kontrolliert wird. Solche Kontrollen könnten im Polizeialltag gut erfolgen, wenn wir endlich mehr Polizei auf der Straße hätten“, sagte der GdP-Bundesvorsitzende Jochen Kopelke den Funke-Zeitungen. Die Politik bestimme also selbst, was aus diesem Verbot werde, sagte er mit Blick auf den dann aus seiner Sicht nötigen Personalaufwuchs bei den Beamten.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Simone Borchardt, Klaus Reinhardt, Carola Reimann, Jochen Kopelke
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
Unionsfraktion, Bundestag, Funke-Mediengruppe, Bundesrat, CDU, Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, AOK, Carola Reimann, Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jochen Kopelke
Wann ist das Ereignis passiert?
Das beschriebene Ereignis fand am 26. September statt, als die Länderkammer in ihrer nächsten Sitzung über das Rauchverbot im Auto abstimmen sollte.
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Die Orte, an denen das beschriebene Ereignis stattfindet oder stattfand, sind: Berlin, Bundesländer, Autobahn.
Worum geht es in einem Satz?
Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Simone Borchardt, lehnt ein Rauchverbot im Auto für Familien ab und plädiert stattdessen für eine umfassende Strategie zur Bekämpfung des Tabakkonsums, während Befürworter wie der Präsident der Bundesärztekammer und die AOK-Vorsitzende auf die Dringlichkeit des Schutzes von Kindern und Schwangeren hinweisen.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Forderungen der Bundesländer nach Rauchverbot beim Autofahren
- Gesundheitliche Risiken für Kinder und Schwangere durch Passivrauchen
- Komplexität des Problems Tabakrauch in verschiedenen sozialen Umfeldern
- Vorstoß zur Gesetzesvorlage im Bundesrat
- Unterschiedliche Meinungen über Effektivität eines solchen Verbots
- Notwendigkeit für umfassende gesundheitspolitische Strategien
- Bedenken bezüglich der Umsetzung und Kontrolle eines Verbots durch die Polizei
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- Simone Borchardt (CDU) lehnt Rauchverbot im Auto für Kinder und Schwangere ab.
- Betont, dass Gesundheitspolitik ein ganzheitliches System erfordere.
- Forderung nach besserer Aufklärung, Präventionsarbeit und Hilfen für Rauchstopp.
- Klaus Reinhardt (Bundesärztekammer) fordert Rauchverbot als überfällig.
- Hebt gesundheitliche Gefahren des Passivrauchens hervor.
- Carola Reimann (AOK) sieht gesetzlichen Handlungsbedarf zum Schutz vulnerabler Gruppen.
- Gewerkschaft der Polizei äußert Bedenken zur Kontrolle des Verbots ohne mehr Personal.
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Ablehnung des Rauchverbots im Auto durch Unionsfraktion
- Betonung der Notwendigkeit einer ganzheitlichen Strategie für Gesundheitspolitik
- Fokussierung auf Aufklärung und Präventionsarbeit zur Eindämmung des Tabakkonsums
- Forderung nach einem Rauchverbot durch Bundesärztekammer
- Hinweis auf Gesundheitsgefahren des Passivrauchens für Kinder und Schwangere
- Notwendigkeit von staatlichen Eingriffen bei fehlendem Verantwortungsbewusstsein
- Erwähnung des Handlungsbedarfs von Krankenkassen zur Schutzmaßnahmen
- Bedenken gegenüber der Durchsetzbarkeit eines Rauchverbots durch Polizei
- Abhängigkeit des Erfolgs des Verbots von der Ressourcenverfügbarkeit der Polizei
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja, im Artikel werden mehrere Stellungnahmen und Reaktionen zitiert. Zum Beispiel äußert die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag, Simone Borchardt, dass ein Rauchverbot im Auto zu kurz greife und eine ganzheitliche Strategie notwendig sei.
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