Sicherheitspolitik in Litauen
Berlin () – Die Bundeswehr ist den russischen Streitkräften in der elektronischen Kampfführung derzeit unterlegen. Das sagte der Inspekteur der Teilstreitkraft Cyber- und Informationsraum, Vizeadmiral Thomas Daum, der FAZ am Rande der Mission Vigilant Owl (VIGO) in Litauen.
„Wenn ich ehrlich bin, können wir natürlich nicht mit solchen Fähigkeiten aufwarten, wie wir sie auf der russischen Seite sehen.“ Russland habe in den vergangenen 15 bis 20 Jahren „massiv in den elektronischen Kampf investiert und Fähigkeiten aufgebaut“, erklärte Daum. In einer Phase, in der „wir uns im tiefsten Frieden wähnten“. Erst seit der Lockerung der Schuldenbremse stünden genügend Mittel zur Verfügung, um „schnell etwas zu tun“.
Dass auch die Bundeswehr diese Fähigkeiten zur elektronischen Kampfführung brauche, sei mittlerweile klar, sagte Daum. Die entsprechende Technik sei teilweise in der deutschen oder europäischen Industrie und „im Zweifel auch bei den Amerikanern“ verfügbar. „Aber wir brauchen nicht nur einen Prototyp. Wir müssen hochskalieren, um eine Vollausstattung unserer Truppe mit diesen Dingen zu erreichen – und da haben wir noch einen Weg zu gehen.“
In der Mission VIGO in Litauen, die vor wenigen Tagen angelaufen ist, sammelt die Bundeswehr auch elektronische Signale aus Weißrussland und Russland und wertet diese aus. Inspekteur Daum sprach gegenüber der FAZ von einer reinen Aufklärungsmission; aktiv störe die Bundeswehr die Armeen von Russland und Weißrussland nicht. Von der anderen Seite könne man das nicht behaupten, sagte Daum. Man beobachte etwa den Einsatz von Störsystemen in Richtung von Bundeswehrstellungen in Litauen. Das sei ein Versuch, „unsere Antenne sozusagen blind zu machen“ – laut Daum durchaus auch mit Erfolg. „Ein starker Störer hat diesen Effekt; das kann man gar nicht verhindern.“ Das sei eine Botschaft an die Bundeswehr: „Wir wissen, dass ihr da seid, und wir wissen, was ihr tut.“ Das passiere „alle paar Tage“, erklärte Daum.
Die sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen, Sara Nanni, die die Truppe für ein paar Tage in Litauen begleitet hatte, sagte der FAZ über die Mission VIGO der Bundeswehr: „Das Ziel ist auch, in Richtung Moskau zu kommunizieren: Wir sehen, was ihr tut. Und wir sammeln schon jetzt Daten, damit wir im Zweifelsfall vorbereitet sind, falls ihr mal bei uns vorbeiguckt.“
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Thomas Daum, Sara Nanni
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
dts Nachrichtenagentur, Bundeswehr, russische Streitkräfte, Cyber- und Informationsraum, FAZ, Armee von Weißrussland, Die Grünen
Wann ist das Ereignis passiert?
Nicht erwähnt
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Litauen
Worum geht es in einem Satz?
Die Bundeswehr ist Russland laut Vizeadmiral Thomas Daum in der elektronischen Kampfführung unterlegen und muss ihre Fähigkeiten ausbauen, während sie bei ihrer Aufklärungsmission in Litauen russische und belarussische Signale auswertet und selbst regelmäßig gestört wird.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Massive russische Investitionen in die elektronische Kampfführung über die vergangenen 15 bis 20 Jahre
- Langjährige deutsche Sicherheitspolitik unter der Annahme eines tiefen Friedens
- Zuvor unzureichende finanzielle Mittel für den Ausbau entsprechender Fähigkeiten der Bundeswehr
- Fehlende flächendeckende Ausstattung der Bundeswehr mit Technik zur elektronischen Kampfführung
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- Die sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen, Sara Nanni, erklärte, die Mission VIGO solle Moskau signalisieren, dass die Bundeswehr russische Aktivitäten beobachte und Daten sammle, um auf einen möglichen Angriff vorbereitet zu sein.
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Durch die Lockerung der Schuldenbremse stehen genügend Mittel für schnelle Maßnahmen zur Verfügung.
- Für eine Vollausstattung der Truppe muss die verfügbare Technik zur elektronischen Kampfführung in größerem Umfang bereitgestellt werden.
- Starke Störsysteme beeinträchtigen die Aufklärungsfähigkeit der Bundeswehr, indem sie deren Antennen zeitweise „blind“ machen.
- Die gesammelten Daten sollen die Bundeswehr auf einen möglichen Ernstfall vorbereiten.
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja, Vizeadmiral Thomas Daum äußert sich zur Unterlegenheit der Bundeswehr in der elektronischen Kampfführung gegenüber Russland, während Grünen-Politikerin Sara Nanni die Mission VIGO als Signal an Moskau und Vorbereitung auf mögliche Bedrohungen beschreibt.
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