Wirtschaftliche Folgen des Niedrigwassers in Kiel
Kiel () – Die wirtschaftlichen Schäden durch das Niedrigwasser könnten wegen der zu befürchtenden Unterbrechung des durchgängigen Schiffsverkehrs auf dem Rhein noch größer ausfallen als bislang befürchtet.
„Ein solches Szenario umfassen unsere bisherigen Schätzungen nicht, eine Unterbrechung könnte sichtbar größere, überproportionale Folgen haben“, sagte Nils Jannsen, Konjunkturforscher des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), der FAZ. Bislang hatten die Forscher des Instituts für ein 30 Tage andauerndes Niedrigwasser eine Dämpfung der deutschen Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent geschätzt.
Wie sehr diese Prognose bei einer Unterbrechung erhöht werden müsse, sei noch nicht seriös zu sagen, so Jannsen. Zu unklar sei, in welchem Ausmaß die Unternehmen alternative Versorgungswege für ihre Vorprodukte nutzen können und ob sie Produktion nachholen können.
Auslöser für die neuen Bedenken ist ein Alarmruf des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB). Wegen des anhaltenden Niedrigwassers und voraussichtlich weiter sinkender Pegel könne es de facto zu einer Zweiteilung des Rheins für die wirtschaftliche Nutzung kommen.
Vier Bundesländer, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland, hatten vor dem zurückliegenden Wochenende das Sonntagsfahrverbot für Lastwagen aufgehoben, um mehr Güterverkehr auf der Straße zu ermöglichen. Dass dies die Situation entspannen könne, sei allerdings „illusorisch“, sagte Klaus Wohlrabe, Konjunkturforscher des Münchner Ifo-Instituts, der FAZ. „Ob der Fahrer am Sonntag oder Montag fährt, bringt deswegen nicht mehr Güter in die Fabriken. Es herrscht ja ein Mangel an Fahrern, der wird sich kurzfristig nicht beheben lassen“, sagte Wohlrabe. Auf die Frage, was die Politik kurzfristig tun könne, sagte er: „Kurzfristig gar nichts.“ Maßnahmen wie eine Vertiefung von Fahrrinnen, die aktuell diskutiert werden, wirkten erst mittelfristig.
Könnte die Bundeswehr womöglich einspringen und den Mangel an Lastwagenfahrern lindern? „Vorausgesetzt, dass die Speditionsunternehmen dafür entsprechende Entgelte bezahlen, mag das in aktueller Lage eine Option sein, sofern die Bundeswehr die Fahrer überhaupt entbehren kann“, sagte der Kieler Konjunkturforscher Stefan Kooths auf Anfrage. Grundsätzlich sei es aber nicht die Aufgabe der Bundeswehr, als stille Kapazitätsreserve für die Wirtschaft bereitzustehen.
„In erster Linie müssen sich die Produktionsunternehmen auf veränderte Transportbedingungen einstellen, etwa über vermehrte Lagerhaltung oder alternative Transportwege“, sagte Kooths. Auch der Staat als Infrastrukturbereitsteller der Binnenwasserstraßen habe hier eine Aufgabe, etwa in der Engpassbeseitigung und Vertiefung. „Von einer solchen realwirtschaftlichen Bail-out-Maßnahme darf somit nicht das Signal ausgehen, dass im Notfall die Bundeswehr die Kohlen aus dem Feuer holt“, warnte der Ökonom.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Nils Jannsen, Klaus Wohlrabe, Stefan Kooths
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), FAZ, Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB), Münchner Ifo-Institut, Bundeswehr
Wann ist das Ereignis passiert?
Nicht erwähnt
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Kiel, Deutschland, der Rhein (zwischen den Bundesländern Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland)
Worum geht es in einem Satz?
Die IfW- und Ifo-Experten warnen in der FAZ, dass das anhaltende Niedrigwasser am Rhein wirtschaftlich deutlich stärker durchschlagen könnte als bisher für 30 Tage geschätzt, weil eine möglicherweise unterbrochene bzw. „zweigeteilte“ Schiffsroute überproportionale Folgen hätte, während kurzfristige Maßnahmen wie das Sonntagsfahrverbot für Lkw kaum helfen.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Anhaltendes Niedrigwasser am Rhein mit voraussichtlich weiter sinkenden Pegeln
- Alarmruf des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB)
- Befürchtete Unterbrechung des durchgängigen Schiffsverkehrs auf dem Rhein bzw. mögliche Zweiteilung des Rheins für die wirtschaftliche Nutzung
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- Im Artikel wird keine Reaktion von Politik, Öffentlichkeit oder Medien beschrieben, sondern es werden vor allem Einschätzungen von Konjunkturforschern aus Kieler IfW und Münchner Ifo wiedergegeben.
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Größere wirtschaftliche Schäden durch mögliche Unterbrechung des durchgängigen Schiffsverkehrs auf dem Rhein
- Überproportionale Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaftsleistung bei anhaltendem Niedrigwasser und Verkehrsstillstand
- Unsicherheit über die Höhe der zusätzlichen Prognosebelastung wegen unklaren Reaktionsmöglichkeiten der Unternehmen
- Mögliche Zweiteilung des Rheins für die wirtschaftliche Nutzung
- Fortbestehender Engpass bei Lastwagenfahrern trotz Aufhebung des Sonntagsfahrverbots für Lastwagen
- Verzögerte oder nur mittelfristig wirksame Entlastung durch Infrastrukturmaßnahmen wie Vertiefung von Fahrrinnen
- Bedarf an Anpassungen bei Produktionsunternehmen durch veränderte Transportbedingungen wie vermehrte Lagerhaltung oder alternative Transportwege
- Verzögerte Wirkung staatlicher Infrastruktur- und Engpassbeseitigungsmaßnahmen
- Vermeidung des Signals, dass im Notfall der Staat oder die Bundeswehr realwirtschaftliche Lücken ausgleichen soll
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja — Nils Jannsen (IfW) sowie Klaus Wohlrabe (Ifo) und Stefan Kooths (IfW) äußern sich in Form von Zitaten bzw. Stellungnahmen zur Lage.
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