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Ist Zucker wirklich so schlecht wie sein Ruf?

Ist Zucker wirklich so schlecht wie sein Ruf?

Weißer Industriezucker ist der größte Feind, den ein gesunder Körper haben kann. Er ist der Leibhaftige, der Teufel, Zucker ist wie Kokain – er macht süchtig und höhlt den Körper von innen aus. Wer weißen Zucker zu sich nimmt, der kann nicht gesund leben und erst recht nicht abnehmen, es wartet die Hölle auf Erden auf ihn. Löcher in den Zähnen und im Darm, Zucker perforiert den Körper überall, Zucker ist so raffiniert wie grausam, denn er liefert Kohlenhydrate ganz ohne Ballaststoffe. Aber beruht das auf Tatsachen oder hat der Zucker zu Unrecht einen schlechten Ruf?

Alle reden vom Zucker

Die Deutschen haben momentan ein verkrampftes, um nicht zu sagen, etwas hysterisches Verhältnis zu ihren Essen. Vegetarisch und Vegan, ohne Lactose, ohne Gluten und natürlich ohne Industriezucker, so soll es sein. Das Geschrei um den Zucker will kein Ende nehmen, denn Zucker ist so etwas wie der Antichrist unter den Lebensmitteln. Da weißer Zucker Kohlenhydrate ohne Ballaststoffe liefert, ist der Körper gezwungen, an seine eisernen Reserven zu gehen, und das zehrt ihn früher oder später aus. Zucker macht unendlich müde, schlapp, ganz und gar kaputt und schließlich krank. Der Hass auf Zucker ist nicht so neu, denn bereits vor 20 Jahren gab es Wissenschaftler, die der Überzeugung waren, dass Zucker selbst ein lammfrommes Kind zu einem wilden Zappelphilipp mutieren lässt.

Nur ein neuer Trend?

Immer wenn es einen neuen Trend in der Ernährung gibt, dann schreibt jemand auch das passende Buch dazu. Anschließend folgt meist die Eröffnung eines Restaurants, das vielfach ebenso schnell wieder geschlossen wird, wie der Trend en vogue ist. Das Buch über die giftige Droge Zucker gibt es bereits, aber nicht ein Ernährungswissenschaftler, sondern die frühere Moderatorin eines Musiksenders hat es verfasst. Diese lebte auch eine Zeit lang vegan, aber offenbar nicht lange genug, um die Erfahrungen in ein Buchformat zu bekommen. Auch ein Restaurant, in dem alle Speisen ohne weißen Industriezucker auskommen, gibt es bereits. Der Trend hat demzufolge alles, was einen guten Trend ausmacht, aber braucht der Zucker wirklich so viel Aufmerksamkeit? Schließlich gibt es ihn schon seit längerer Zeit, aber so populär war er noch nie.

Was ändert sich, wenn der Zucker wegfällt?

Das Leben wird wunderbar, wenn erst der Zucker daraus verbannt ist – das ist die Predigt, die Zuckergegner jedem halten, um ihn zu einem Zuckerhasser zu machen. Der langfristige Verzicht auf Zucker verbessert das Hautbild, macht optisch jünger, Leber und Darm sind ebenfalls zufrieden. Der Verzicht macht ausdauernder, aber was noch wichtiger ist, wer keinen Zucker mehr in sein Leben lässt, ist schlanker und glücklicher. Jedoch wird das auch jedem versprochen, der kein Brot, keinen Käse oder keinen Senf mehr isst. Was passiert, wenn der Hunger auf Süßes kommt? Herkömmliche Süßigkeiten fallen bedauerlicherweise weg, sie enthalten möglicherweise den giftigen weißen Zucker. Obst ist eine gute Idee, da Obst den so gesunden Fruchtzucker enthält, über den allerdings zwischen Wissenschaftlern und Ernährungshysterikern heftig gestritten wird.

Verzicht bedeutet Disziplin

Jeder Verzicht bedeutet eine permanente Disziplin und das ist beim Verzicht auf Zucker nicht anders. Sicher ist es möglich, ein Leben ohne weißen Zucker zu führen, aber die Frage ist, wie gesund ist das eigentlich? Braucht der Körper nicht Zucker, um auf Touren zu kommen und Energie zu tanken? Jeder Deutsche isst jedes Jahr 34 Kilogramm Zucker, gebraucht wird diese Menge aber nicht. Um Energie zu tanken, reichen die Kohlenhydrate im Brot oder in den Nudeln aus. Aus diesen Kohlenhydraten produziert der Körper dann seinen eigenen Zucker. Raffinierter Zucker hat im Grunde nicht mehr zu bieten als ganz und gar überflüssige Kalorien, die bekanntermaßen dick machen. Wer sich einmal genauer anschaut, was weißer Haushaltszucker anrichten kann, der will vielleicht ein wenig disziplinierter leben und gerne verzichten.

Was macht Zucker so gefährlich?

Haushaltszucker, auch Saccharose genannt, besteht zum einen aus Traubenzucker oder Glucose und aus Fructose oder Fruchtzucker. Der Körper geht mit Traubenzucker und mit Fruchtzucker sehr unterschiedlich um. Während der Fruchtzucker über den Darm verdaut wird, verwertet der Körper den Traubenzucker mit der Hilfe des Hormons Insulin. Kommt der Insulinhaushalt jedoch aus seinem gesunden Gleichgewicht, was bei einem Übermaß an Zucker der Fall ist, dann entsteht eine Krankheit, die Diabetes heißt. Da Fruchtzucker nicht satt macht, besteht immer das große Risiko, mehr zu essen, zudem lagert sich in der Leber gefährliches Fett ab. Bei Kindern, die zu dick sind, kann sich eine Fettleber entwickeln, die der Leber ähnelt, die auch Alkoholiker haben. Das Wort Fruchtzucker klingt harmlos und sogar gesund, was sich die Lebensmittelindustrie zunutze macht. In Soßen und Müslis, im Ketchup, im Joghurt und vor allem in den meisten Fertigprodukten ist Fruchtzucker enthalten. Da es keine gesetzliche Kennzeichnungspflicht für Fruchtzucker gibt, weiß niemand so genau, wie viel von diesem schädlichen Zucker in Lebensmitteln zu finden ist.

Lohnt es sich, im Alter gesund zu sterben?

Die Frage mag allenfalls ein wenig provokant wirken, aber bei all dem Verzicht, der heute gefordert wird, sollte diese Frage erlaubt sein. Wer will mit 80 verbittert auf sein Leben zurückblicken und sich fragen: Warum habe ich auf alles das verzichtet, was ein gutes Leben ausmacht, um jetzt, vielleicht schlank und rank, im Seniorenheim zu sitzen? Lohnt sich das alles für die Vorstellung, mit 100 noch auszusehen, wie mit 90? Eher nicht, denn das Leben ist zu kurz und zu wertvoll, um es mit Verzichten zu füllen. Aber es ist auch nicht unbedingt notwendig, im Alter krank zu werden, nur, weil die Gier nach Zucker größer als die Vernunft war. Es gibt Ersatz für den gefährlichen Zucker, wie zum Beispiel Honig, ein natürliches Produkt, das süßt und gesund ist. Alle, die abnehmen wollen, sollten deshalb mit allem, was süß ist, eher vorsichtig umgehen.

Fazit

Zu viel Zucker ist mit Sicherheit gefährlich für die Gesundheit und die schlanke Linie, aber den Zucker gleich zu verteufeln, ist ebenfalls nicht richtig. Es ist wie beim Gift, wo es auf die Dosis ankommt, ob es tödlich ist oder nicht. Völlig hysterisch auf weißen Haushaltszucker zu reagieren, ist falsch, denn dafür ist es einfach zu kompliziert, auf diesen Zucker langfristig zu verzichten.

Bild: @ depositphotos.com / ffphoto

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.
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