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Das Trinkwasser in Deutschland büßt an Qualität ein

Das Trinkwasser in Deutschland büßt an Qualität ein

Zum Wasserhahn gehen und einen Schluck köstliches Wasser genießen – in Deutschland galt das lange als normal. Doch seit kurzem setzen überdüngte Böden in vielen Regionen die Nitratwerte des Grundwassers entsprechend ansteigen. Die intensive landwirtschaftliche Nutzung setze dem Grundwasserkörper vermehrt zu, was auch die Tatsache, dass knapp ein Viertel der 1000 abgegrenzten Flächen nicht mehr dem geforderten „guten Zustand“ der EU entsprechen, warnt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft.

Massive Verzögerungen bei der Nitrat-Reduzierung

Fast die Hälfte der Grundwässer haben bereits Nitratgehalte zwischen 25 und 50 Milligram pro Liter. Laut Aussage von Jörg Simon, Experte der BDEW in Berlin, würden viele Wasserversorger den Nitratgrenzwert durch entsprechende Notlösungen wie Mischen des Grundwassers mit unbelastetem Wasser in Grenzen halten. Es gibt zwar ein diesbezügliches EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland, doch Lösungen seien weiterhin nicht in Sicht, beklagt der Experte. Stattdessen erfolge eine seit Monaten andauernde politische Blockade, die einer durchgreifenden Novelle der Dünge-Verordnung gegenüber stehe. Auch der „Gülle-Tourismus“ aus Holland, Dänemark und Belgien werde nur unzureichend eingeschränkt, beklagt der Verband.

Mit Verzögerung nachweisbar

Nitrat lässt sich erst mit Verzögerung im Grundwasser nachweisen, was zur Folge hat, dass sogar bei sofortigem Stopp der Nitratausschüttung, es Jahrzehnte dauert, bis der Nitratgehalt im Grundwasser wieder sinkt. Und das kostet dem Trinkwasserkunden richtig Geld. Denn entweder es muss unbelastetes Grundwasser über weite Strecken herangebracht werden oder aber mit einem technisch aufwändigen Verfahren das Nitrat herausgefiltert werden.

Falsche Entsorgung der Medikamente aus Hausapotheken

Ein weiteres Problem, dass das Grundwasser belastet, ist die teilweise falsche Entsorgung von Medikamenten durch die Toilette oder das Waschbecken. Das Bundesforschungsministerium berichtete vor einigen Monaten, dass knapp die Hälfte der Deutschen Arzneimittel so entsorgen. Spuren davon sind mittlerweile im Trinkwasser zu finden. Es besteht zwar keine unmittelbare Gesundheitsgefahr für die Menschen, doch Antibiotika, hormonell wirkende Medikamente oder Schmerzmittel können über einen längeren Zeitraum im Abwasser durchaus Probleme bereiten. Moderne Kläranlagen sind auf die Verarbeitung dieser Substanzen nicht ausgerichtet und benötigen deshalb eine zusätzliche, teure Reinigungsstufe.

Bild: © Depositphotos.com / trans961

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Maik Justus beschäftigt sich mit den vielen verschiedenen Themen. Sich selbst beschreibt er als sehr Ehrgeizig. Maik ist Vater von 3 Kindern. eMail: m.justus@tixio.de