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Leitartikel zum Fall Susanna: Die Stunde der Ermittler von Reinhard Zweigler

Regensburg (ots) – Der Mord an der 14-jährigen Susanna F. zerreißt einem das Herz. Ihr junges Leben wurde auf grausamste Weise ausgelöscht. Sie starb qualvoll. Offenbar durch die Hände ihres Vergewaltigers, der so offenbar seine schlimme Tat vertuschen wollte. Das Leid und die Trauer der Angehörigen des Mädchens, ihrer Freunde, Mitschüler, ihrer jüdischen Gemeinde in Mainz sind unermesslich. Die Anteilnahme von Menschen in ganz Deutschland ist da nur ein schwacher Trost. Gleichwohl sollten die Hinterbliebenen wissen, sie stehen in diesen schweren Stunden nicht allein. Und natürlich wühlt diese schlimme Tat, wie bereits ähnliche Verbrechen zuvor, auch die Politik auf. Vor allem, weil es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen Flüchtling aus dem Irak handeln soll. Die Betonung liegt auf “mutmaßlich”, denn noch gibt es keine gesicherten Erkenntnisse der Ermittler. Es ist jetzt die Stunde von Polizei und Staatsanwaltschaft, die den Fall akribisch aufklären müssen. Es ist dagegen nicht die Zeit der groben Vereinfacher, egal, ob sie von der AfD oder der Bild-Zeitung kommen. Susanna F. hat ihr junges Leben verloren, aber nicht ihre Würde. Allein das gebietet Zurückhaltung, keine Verallgemeinerung und erst recht keine Instrumentalisierung ihres Todes aus durchsichtigem politischen Interesse. Wer dieses schlimme Verbrechen für Klamauk im Bundestag missbraucht, wie die AfD gestern, diskreditiert sich selbst. Allerdings wirft der grausame Tod des Mädchens auch schwerwiegende Fragen auf. Es darf nichts kleingeredet, nichts relativiert, nichts beschwichtigt werden, etwa weil es bereits vor dem großen Flüchtlingsansturm nach Deutschland Vergewaltigungen und Morde gegeben habe. Doch eine Frage ist zum Beispiel, wieso konnte der mutmaßliche Täter, der offenbar als Kriegsflüchtling nach Deutschland kam, nach der Tat so einfach mitsamt der ganzen Familie über Düsseldorf ausreisen? So schlimm kann es, nach allem, was bisher öffentlich wurde, um das Schutzbedürfnis des Irakers also nicht bestellt gewesen sein. Und wieso bekommt jemand, der angibt, keine Papiere zu besitzen, so einfach Ersatzdokumente, mit denen er über einen eigentlich streng kontrollierten deutschen Flughafen ausreisen kann? Behörden des Bundes sagen, dass die Ausreise – oder genauer gesagt die Flucht aus Deutschland – geschah, bevor der Tatverdächtige zur Fahndung ausgeschrieben worden sei. Das mag sein. Aber gab es in diesem Fall nicht nur eine Behördenpanne, sondern womöglich auch Lücken im Sicherheitssystem? Können auch potenzielle und wirkliche Terroristen, Gefährder und sonstige Kriminelle aus- und einreisen, wie sie wollen? Dass das Nürnberger Bamf heillos überfordert war, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Es gibt aber möglicherweise noch weitere Fälle von Überforderung. Ob strukturell oder “nur” personell, das ist die Frage. Der entscheidende Hinweis auf den vermutlichen Täter kam übrigens von einem 13-jährigen Jungen, der ebenfalls in der Flüchtlingsunterkunft wohnte. Es ist nun den Sicherheitsbehörden im kurdischen Nordirak zu verdanken, dass der mutmaßliche Mörder von Susanna F. nach seiner Flucht aus Deutschland so schnell gefasst werden konnte. Das ist zumindest eine kleine Genugtuung. Der mutmaßliche Schwerverbrecher konnte nicht völlig abtauchen. Er darf der Strafe, die er verdient hat und die ihm nach einem rechtsstaatlichen Verfahren zusteht, nicht entgehen. Und auch wenn es zwischen dem Irak und Deutschland kein förmliches Auslieferungsabkommen gibt, sollte es doch möglich sein, dass der Tatverdächtige an die deutsche Justiz überführt und hier vor Gericht gestellt wird. Mindestens das ist der deutsche Staat der grausam getöteten Susanna schuldig.

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