Steuerverwaltung in Oldenburg
Oldenburg () – Malte Niewerth ist neuer Leiter des Finanzamts für Fahndung und Strafsachen Oldenburg. Das teilte das Landesamt für Steuern Niedersachsen mit.
Bei einer Feierstunde am 6. November führte der Präsident des Landesamtes für Steuern Niedersachsen, Karsten Pilz, Niewerth in sein neues Amt ein und verabschiedete den bisherigen Leiter Christian Kläne. Kläne hatte das Finanzamt seit August 2024 geleitet und seit Anfang des Jahres die Leitung des Finanzamts für Großbetriebsprüfung in Oldenburg übernommen.
Niewerth trat im April 2009 seinen Dienst bei der niedersächsischen Steuerverwaltung beim Finanzamt Leer an.
Ab September 2010 war er rund fünf Jahre beim Finanzamt Wilhelmshaven tätig. 2015 übernahm er beim damaligen Finanzamt Aurich die Aufgabe als ständiger Vertreter des Vorstehers.
Anfang Oktober 2022 wechselte er zum Finanzamt Nordenham und leitete dort erstmals ein Finanzamt. Vom 1. November 2023 an war er mit der Leitung des Finanzamts Aurich-Wittmund beauftragt, das am 1. Juli 2021 aus der Fusion der Finanzämter Aurich und Wittmund entstanden war.
Im Mai dieses Jahres wurde er an das Finanzamt für Fahndung und Strafsachen Oldenburg abgeordnet, um dort die Leitung zu übernehmen.
In seiner Rede hob Pilz hervor, dass Steuergerechtigkeit eine wesentliche Voraussetzung für das Vertrauen der Bürger in den Staat sei. Steuerhinterziehung sei kein Kavaliersdelikt; sie schade der Allgemeinheit und beeinträchtige die Gleichmäßigkeit der Besteuerung.
Die Anforderungen an die Arbeit der Finanzämter für Fahndung und Strafsachen hätten sich durch komplexe wirtschaftliche Verflechtungen, international organisierte Strukturen und technisch ausgefeilte Manipulationen erheblich verändert. Mit der technischen Raffinesse der Täter müssten sich auch die Ermittlungsmethoden weiterentwickeln.
Neben moderner Technik brauche es vor allem Menschen mit dem nötigen Fachwissen.
Mit der Aufdeckung groß angelegter Kassenmanipulationen hat sich das Finanzamt besondere Expertise erworben. Zu den bedeutendsten Tatkomplexen der zurückliegenden Jahre zählen die sogenannten Multiway-Fälle.
Dabei deckte das Finanzamt in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Oldenburg groß angelegte Kassenmanipulationen auf. Bundesweit sichergestellte Kassensysteme wurden durch die Steuerfahndung in Oldenburg ausgewertet.
In 95 Prozent der betreffenden Kassen fanden sich Hinweise auf Datenmanipulation. Der bundesweite Steuerschaden wird auf rund 140 Millionen Euro geschätzt.
Die Drahtzieher und Erfinder der Kassenmanipulation sind inzwischen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden.
Die Digitalisierung eröffne neue Chancen, sagte Pilz. Moderne Analyseverfahren und Künstliche Intelligenz könnten helfen, große Datenmengen auszuwerten und Zusammenhänge sichtbar zu machen.
Niedersachsen gehe diesen Weg bereits. Ein Beispiel sei die Forschungskooperation TaDeA – Tax Defense Analytics, mit der neue Möglichkeiten der datengestützten Bekämpfung des Umsatzsteuerbetrugs entwickelt würden.
Auch die Zusammenarbeit mit anderen Behörden gewinne angesichts komplexer Kriminalitätsformen an Bedeutung. Pilz verwies auf die 2023 geschlossene Kooperationsvereinbarung zur interdisziplinären Bekämpfung von Gefahren, Straftaten und Ordnungswidrigkeiten im Zusammenhang mit clankriminellen Gruppierungen.
Das Finanzamt für Fahndung und Strafsachen Oldenburg beschäftigt 171 Personen.
Es ist zuständig in Steuerfahndungs- und Strafsachenangelegenheiten für die Finanzämter Papenburg, Aurich-Wittmund, Bad Bentheim, Cloppenburg, Delmenhorst, Emden-Norden, Leer (Ostfriesland), Lingen (Ems), Nordenham, Oldenburg (Oldenburg), Osnabrück-Land, Osnabrück-Stadt, Quakenbrück, Vechta, Westerstede und Wilhelmshaven. In den Jahren 2023 bis 2025 wurden in Fahndungsprüfungen rund 195 Millionen Euro an Mehrsteuern festgestellt.
2025 schloss die Bußgeld- und Strafsachenstelle 1.230 Strafverfahren rechtskräftig ab, 276 durch das Gericht oder die Staatsanwaltschaft. Die insgesamt verhängten Geldauflagen betrugen mehr als eine halbe Million Euro.
Steuerhinterzieher wurden zu Freiheitsstrafen von insgesamt 57 Jahren und 9 Monaten sowie zu Geldstrafen in Höhe von rund 847.000 Euro verurteilt. Die Vermögensabschöpfung und Sicherung steuerlicher Ansprüche in Arrestverfahren betrug im Kalenderjahr 2025 rund 8,5 Millionen Euro.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Worum geht es in einem Satz?
Malte Niewerth übernimmt die Leitung des Finanzamts für Fahndung und Strafsachen Oldenburg, das angesichts zunehmend komplexer Steuerkriminalität auf moderne Ermittlungsmethoden und behördenübergreifende Zusammenarbeit setzt.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Bisheriger Leiter Christian Kläne hatte Anfang des Jahres die Leitung des Finanzamts für Großbetriebsprüfung in Oldenburg übernommen
- Malte Niewerth verfügte bereits über Leitungserfahrung bei den Finanzämtern Nordenham und Aurich-Wittmund
- Niewerth war im Mai an das Finanzamt für Fahndung und Strafsachen Oldenburg abgeordnet worden, um dort die Leitung zu übernehmen
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Schaden für die Allgemeinheit und Beeinträchtigung der gleichmäßigen Besteuerung
- Geschätzter bundesweiter Steuerschaden von rund 140 Millionen Euro
- Langjährige Haftstrafen für die Drahtzieher und Erfinder der Kassenmanipulation
- Veränderte Anforderungen an die Arbeit der Finanzämter für Fahndung und Strafsachen
- Notwendigkeit, die Ermittlungsmethoden weiterzuentwickeln
- Feststellung von rund 195 Millionen Euro an Mehrsteuern in den Jahren 2023 bis 2025
- Rechtskräftiger Abschluss von 1.230 Strafverfahren im Jahr 2025
- Geldauflagen von insgesamt mehr als einer halben Million Euro
- Freiheitsstrafen von insgesamt 57 Jahren und 9 Monaten sowie Geldstrafen von rund 847.000 Euro für Steuerhinterzieher
- Vermögensabschöpfung und Sicherung steuerlicher Ansprüche in Höhe von rund 8,5 Millionen Euro im Jahr 2025
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