Wirtschaft: Sanofi-Standortpolitik in Frankfurt
Frankfurt am Main () – Nach der Grundsteinlegung für eine neue Insulinanlage von Sanofi am Montag hat die Chefin des französischen Pharmaunternehmens die Bundesregierung aufgefordert, über die genaue Umsetzung der Standortklausel zu sprechen.
„Mit der Planung des Projektes haben wir vor über zwei Jahren begonnen“, sagte Garijo im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwochsausgabe). „Die Krankenkassenreform mit verschärften Rahmenbedingungen ist dazwischengekommen.“ Statt nur zu kritisieren, wolle die Sanofi-Chefin mit der Bundesregierung „an einem Tisch sitzen“ und nach Lösungen suchen. Die Vorschläge zur Standortklausel nannte Garijo einen „guten Anfang“.
Ende September hatte das vom Bundesgesundheits- und vom Wirtschaftsministerium eingesetzte Fachgremium Vorschläge zu einer Standortklausel vorgelegt. Danach soll sich der Herstellerabschlag für Unternehmen reduzieren, die in Deutschland forschen und produzieren. Voraussetzung sind etwa eine Produktion, die mehr als ein Drittel des in Deutschland erwirtschafteten Umsatzes ausmacht oder der Betrieb eines für die Versorgung unverzichtbaren Werks. Ab dem Jahr 2027 soll der Herstellerabschlag für patentgeschützte Arzneimittel zunächst pauschal auf 15,5 Prozent steigen.
Mit Blick auf den zunehmenden Wettbewerb aus China und den USA forderte Garijo, allgemein bessere Standortbedingungen in Europa zu schaffen. „Nur so werden wir stärker und holen bei der Innovation auf und schaffen ein Ökosystem, das langfristig sicher ist.“ Statt nur länderspezifischer Programme wie „Invest in Germany“ wünscht sie sich ein „Choose Europe“-Programm, das Investitionen innerhalb der EU fördert.
Generell will Sanofi stärker in regionale Lieferketten investieren. Damit will sich das Unternehmen robuster in Zeiten geopolitischer Konflikte aufstellen. In China baut Sanofi derzeit eine weitere Insulinproduktion auf, die zeitgleich mit der Frankfurter Anlage in Betrieb gehen soll. „Beide Anlagen werden sehr eng zusammenarbeiten, um Wissen und Daten zu teilen“, kündigte Garijo an.
Das französische Unternehmen durchläuft derzeit einen strategischen Wandel. Das zur Behandlung von Asthma und Neurodermitis verwendete Medikament Dupixent ist aktuell der einzig große Wachstumstreiber. Sein Patent wird in fünf Jahren auslaufen. Damit wächst der Druck auf Sanofi, die Innovationspipeline voranzubringen – durch eigene Forschung, aber auch durch Übernahmen. „Unsere oberste Priorität ist es, unsere Pipeline wieder aufzufüllen, und zwar mit einer guten Balance zwischen internen Innovationen und Partnerschaften“, erklärte Garijo.
Im Juni hatte die Spanierin mit Paulo Fontoura einen neuen Forschungschef bestellt. Er habe bereits angefangen, Ordnung in die Forschungsprogramme zu bringen. Parallel müsse Sanofi auch den Patentablauf von Dupixent nach 2031 vorbereiten, so Garijo, „um weiterzuwachsen und unsere Erträge zu sichern“.
Bis die neue Strategie zum Jahresende steht, will Garijo den Fokus auf Bereiche legen, in denen Sanofi zu den führenden Unternehmen gehört. Das seien Immunologie mit Dermatologie und Atemwegserkrankungen, seltene Erkrankungen sowie Impfstoffe.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Armin Laschet, Garijo, Paulo Fontoura
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
Sanofi, Bundesregierung, Bundesgesundheitsministerium, Wirtschaftsministerium, Fachgremium, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Krankenkassen, Invest in Germany, Invest in Germany, China, USA, Dupixent, Sanofi Pipeline, Europe
Wann ist das Ereignis passiert?
Das Ereignis (Grundsteinlegung für eine neue Insulinanlage in Frankfurt am Main) fand am Montag statt; im Text wird außerdem als Kontext genannt: „Ende September“ und das Interview erschien am Mittwoch (Mittwochsausgabe).
Zeitraum/Datum: Montag (genaueres Datum nicht erwähnt)
Weitere zeitliche Angaben im Text: Ende September; Veröffentlichung Mittwoch (Mittwochsausgabe)
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Frankfurt am Main, Deutschland
Worum geht es in einem Satz?
Sanofi-CEO Garijo fordert nach der Grundsteinlegung für eine neue Insulinanlage die Bundesregierung zur konkreten Umsetzung der Standortklausel auf, um Investitionen in Europa zu stärken und dabei zugleich die Innovationspipeline angesichts des bevorstehenden Dupixent-Patentablaufs voranzutreiben.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Die Krankenkassenreform mit verschärften Rahmenbedingungen kam dazwischen
- Vorschläge zur Standortklausel wurden Ende September vom Fachgremium vorgelegt
- Zunehmender Wettbewerb aus China und den USA
- Druck auf Sanofi durch den bevorstehenden Patentablauf von Dupixent in fünf Jahren
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- Garijo forderte die Bundesregierung auf, über die genaue Umsetzung der Standortklausel zu sprechen
- Sie will mit der Bundesregierung an einem Tisch sitzen und nach Lösungen suchen
- Die Vorschläge zur Standortklausel bezeichnete Garijo als guten Anfang
- Sie forderte allgemein bessere Standortbedingungen in Europa, um im Wettbewerb besser zu werden
- Sie regte ein „Choose Europe“-Programm statt nur länderspezifischer Programme wie „Invest in Germany“ an
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Dialog zwischen Sanofi und Bundesregierung zur Ausgestaltung der Standortklausel
- Entlastung der Hersteller bei den Abschlägen durch Reduzierung des Herstellerabschlags bei eigener Forschung und Produktion in Deutschland
- Erhöhte Abschläge für patentgeschützte Arzneimittel ab 2027 als Folge der vorgesehenen Regelung
- Förderung zusätzlicher Investitionen in Forschung und Produktion in Deutschland zur Stärkung des Standorts
- Forderung nach verbesserten Standortbedingungen in Europa zur besseren Wettbewerbsfähigkeit gegenüber China und den USA
- Aufbau eines EU-Programms zur Förderung von Investitionen innerhalb der Europäischen Union
- Stärkere Investitionen in regionale Lieferketten zur Erhöhung der Robustheit gegenüber geopolitischen Risiken
- Ausbau der internationalen Zusammenarbeit zwischen Insulinstandorten, um Wissen und Daten zu teilen
- Druck zur Auffüllung der Innovationspipeline vor dem Patentablauf wichtiger Medikamente
- Vorbereitung auf den Patentablauf von Dupixent nach 2031, um Wachstum und Erträge abzusichern
- Fokussierung der Unternehmensstrategie bis zum Jahresende auf Immunologie, Dermatologie, Atemwegserkrankungen, seltene Erkrankungen und Impfstoffe
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja. Die Chefin von Sanofi, Garijo, wird in mehreren direkten Zitaten mit einer Reaktion/Stellungnahme zitiert, u. a. fordert sie die Bundesregierung auf, über die genaue Umsetzung der Standortklausel zu sprechen.
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