Politik: Wasserknappheit in Deutschland
Berlin () – Vor dem Hintergrund eines regional und saisonal fortschreitenden Wassermangels in Deutschland mahnt der Deutsche Städtetag zum Umdenken.
Städtetag-Hauptgeschäftsführer Christian Schuchardt sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: „Früher galt Wasser in Deutschland vielen als unbegrenzte Ressource. Dem ist nicht mehr so.“ Die Hitzesommer der vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass es auch hierzulande saisonal und regional zu Wasserknappheit kommen könne. Auch in diesem Jahr sei die Situation wieder besonders drastisch, die Temperaturen im Juni hätten Rekordwerte erreicht.
Schuchardt sagte, die Wasserversorgung in Deutschland sei immer noch sicher. Er forderte dennoch, deutlich bewusster mit Grundwasser sowie mit Wasser aus Flüssen, Bächen und Seen umzugehen. Bund und Länder sollten gemeinsam für möglichst einheitliche Entnahmeentgelte aus Grundwasser und Oberflächengewässern sorgen. Dabei gehe es ausdrücklich nicht um Gebühren für Privathaushalte, sondern vor allem um die kommerzielle Wasserentnahme. „Die Entnahmeentgelte für Gewerbe, Industrie und landwirtschaftliche Betriebe müssen so gestaltet sein, dass sie auch einen Anreiz zum Wassersparen setzen“, sagte er.
Die Mittel aus den Entgelten könnten außerdem vermehrt für Maßnahmen zum Gewässerschutz und zur Klimaanpassung eingesetzt werden, sagte Schuchardt. „Das wäre eine echte Win-Win-Situation.“ Derzeit gebe es in 13 von 16 Bundesländern entsprechende Entnahmeentgelte – Höhe und Ausnahmeregelungen unterschieden sich von Bundesland zu Bundesland teilweise deutlich. Da brauche es bundeseinheitliche Regelungen.
Der Deutsche Landkreistag rechtfertige derweil kommunale Maßnahmen zur Einschränkung des öffentlichen und privaten Wasserverbrauchs. Der Präsident des Landkreistages, Achim Brötel, sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: „Hitze- und Trockenperioden nehmen in vielen Regionen zu. In solchen Situationen müssen auch private Komfortverbräuche, etwa das Befüllen von Pools, kritisch hinterfragt werden.“
Brötel sagte weiter, dass die Hinweise und Empfehlungen der Wasserversorger unbedingt beachtet werden sollten. In der Vergangenheit hätten einzelne Kommunen bereits die Wasserentnahme zeitlich oder mengenmäßig begrenzen müssen. „Solche Anordnungen möchte natürlich kein Landkreis und keine Gemeinde treffen müssen. Deshalb setzen wir zunächst auf die Einsicht und das verantwortungsbewusste Handeln der Menschen.“
Zuletzt hatte die Stadt München weitreichende Einschränkungen des privaten und öffentlichen Verbrauchs von Wasser verfügt. Das betraf unter anderem das Befüllen von privaten Pools und Badebecken sowie den Betrieb von Springbrunnen. Darüber hinaus ist das Bewässern, Gießen und Beregnen von Gärten untersagt. Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) begründete den Schritt damit, dass „nach einem außergewöhnlich trockenen Winter und Frühling“ die vorhandenen Ressourcen der Wasserversorgung Münchens „derzeit äußerst strapaziert“ seien.
Krauses Partei fordert unterdessen von den Unternehmen mehr Verantwortung. Grünen-Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, dass die Hitze für viele Menschen extrem belastend sei. „Und sie bringt auch unsere Wasserversorgung an ihre Grenzen.“ Wenn Wasserversorger bereits im Frühsommer zum Sparen aufrufen, sei das ein deutliches Warnsignal.
Deshalb forderte Haßelmann: „Unternehmen, die viel abpumpen, müssen auch Verantwortung übernehmen. Dafür sollten die Regeln für die Wasserentnahme in ganz Deutschland endlich einheitlich werden und auch die Preise harmonisiert werden.“ Das schaffe Fairness und sorge dafür, dass sich Großverbraucher nicht aus der Verantwortung nehmen können, sagte die Bundestagsfraktionschefin. Trinkwasser für Menschen müsse immer Vorrang haben. „Es ist keine Ware wie jede andere.“ Die Bundesregierung stehe in der Pflicht, Wasser besser zu schützen, damit auch künftig genügend sauberes und bezahlbares Wasser für alle da sei.
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| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Rasen wird mit Wasser besprengt (Archiv) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Christian Schuchardt, Achim Brötel, Dominik Krause, Britta Haßelmann
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
Deutscher Städtetag, Funke-Mediengruppe, Deutscher Landkreistag, Achim Brötel, Bundesrat, Bundesländer, Bund, Bundesregierung, Stadt München, Dominik Krause, Grüne, Britta Haßelmann, Bundestagsfraktionschefin
Wann ist das Ereignis passiert?
Das Ereignis fand im Jahr „in diesem Jahr“ (bei der Berichterstattung: Juni mit Rekordwerten) statt; der genaue Tag bzw. Monat des Artikels selbst ist nicht erwähnt.
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Deutschland, Berlin, München, Bayern, die Bundesländer
Worum geht es in einem Satz?
Angesichts zunehmenden Wassermangels in Deutschland fordert der Deutsche Städtetag ein Umdenken und bundeseinheitliche Entnahmeentgelte (v. a. für Gewerbe/Industrie/Landwirtschaft) zum Wassersparen sowie strengere, verantwortungsbewusste Einschränkungen auch im privaten Bereich, während München als Beispiel für weitreichende Verbrauchsregeln genannt wird.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
regional und saisonal fortschreitender Wassermangel in Deutschland
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- Deutsche Mediengruppe Funke berichtet, dass der Deutsche Städtetag zum Umdenken angesichts von Wassermangel mahnt
- Deutsche Mediengruppe Funke berichtet, dass der Deutsche Landkreistag kommunale Einschränkungen zur Reduktion des Wasserverbrauchs grundsätzlich befürwortet und private Komfortverbräuche kritisch sieht
- Deutsche Mediengruppe Funke berichtet, dass die Stadt München bereits weitreichende Einschränkungen für privaten und öffentlichen Wasserverbrauch verhängt hat
- Deutsche Mediengruppe Funke berichtet, dass Bündnis 90/Die Grünen von Unternehmen mehr Verantwortung einfordern und bundeseinheitliche Regeln sowie harmonisierte Preise für Wasserentnahme fordern
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Umdenken beim Umgang mit Wasser wegen regional und saisonal zunehmender Wasserknappheit
- Deutlich bewussterer Umgang mit Grundwasser und Wasser aus Flüssen Bächen und Seen
- Einführung bundeseinheitlicher Regelungen für Entnahmeentgelte zur kommerziellen Wasserentnahme statt Gebühren für Privathaushalte
- Gestaltung der Entnahmeentgelte für Gewerbe Industrie und Landwirtschaft mit dem Ziel eines Anreizes zum Wassersparen
- Verstärkte Nutzung der Mittel aus Entgelten für Gewässerschutz und Maßnahmen zur Klimaanpassung
- Zunahme kommunaler Einschränkungen des öffentlichen und privaten Wasserverbrauchs in Hitze und Trockenperioden
- Kritischere Hinterfragung von Komfortverbräuchen wie dem Befüllen von Pools
- Beachtung von Hinweisen und Empfehlungen der Wasserversorger um weitere Begrenzungen zu vermeiden
- Erwartete Notwendigkeit zeitlicher oder mengenmäßiger Begrenzungen durch einzelne Kommunen
- Forderung nach mehr Verantwortung von Unternehmen die viel Wasser entnehmen
- Harmonisierte Regeln und Preise für die Wasserentnahme zur Sicherstellung von Fairness
- Trinkwasser für Menschen als vorrangiges Ziel bei allen Maßnahmen zum Wasserschutz
- Verpflichtung von Bund und Ländern Wasser besser zu schützen und nachhaltig verfügbar sowie bezahlbar zu halten
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja. Es werden mehrere Stellungnahmen zitiert, u. a. vom Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags Christian Schuchardt, vom Präsidenten des Deutschen Landkreistags Achim Brötel sowie von Grünen-Fraktionsvorsitzender Britta Haßelmann und Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause.
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