Organspende-Debatte in Berlin: Ein Systemwechsel?
Berlin () – Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Stefan Schwartze, wirbt vor der neuen Debatte über die Organspende im Bundestag für einen Systemwechsel. Er sei sehr froh, dass im Bundestag nun endlich wieder über eine Neuregelung debattiert werde, sagte Schwartze den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Schon seit Jahren sei eine Veränderung dringend an der Zeit.
Deutschland habe kein Erkenntnis- oder Informationsproblem, so der SPD-Politiker. Alle bisherigen Bemühungen hätten jedoch zu keinem Anstieg der verfügbaren Organe oder der Registereinträge geführt. Deshalb sei er persönlich überzeugt, dass dringend ein Systemwechsel nötig sei und die Widerspruchsregelung dafür sehr naheliegend sei.
Schwartze wies Kritik zurück, die Widerspruchslösung schränke die Selbstbestimmung ein. Im Vordergrund stehe für ihn, dass jeder für sich selbst eine informierte Entscheidung treffen solle. Mit der Widerspruchsregelung werde niemand zur Organspende verpflichtet oder gar gezwungen. Ein Nein werde jederzeit und ohne Begründung respektiert.
Unterstützung erhält der Vorstoß von der Bundesärztekammer. Deren Präsident Klaus Reinhardt sagte den Funke-Zeitungen, die Widerspruchslösung biete die Chance, die Lücke zwischen der hohen grundsätzlichen Spendenbereitschaft in der Bevölkerung und den weiterhin niedrigen Spenderzahlen zu verkleinern. Sie wahre die Entscheidungsfreiheit der Bürger, setze zugleich aber ein wichtiges Signal der Solidarität.
Für Ärzte würde die Regelung zudem eine verlässlichere Grundlage schaffen. Organspenden könnten heute häufig nicht realisiert werden, weil keine dokumentierte Willensäußerung vorliege, sagte Reinhardt. Die Widerspruchslösung könne dazu beitragen, die Umsetzung des Patientenwillens zu erleichtern und Angehörige in schwierigen Entscheidungssituationen zu entlasten.
Der Bundestag befasst sich am Donnerstag erstmals in dieser Legislaturperiode erneut mit der Frage einer Reform der Organspende. Mehrere Abgeordnete verschiedener Fraktionen wollen eine Neuregelung auf den Weg bringen. Im Zentrum steht erneut die sogenannte Widerspruchslösung, nach der grundsätzlich jede Person als Organspender gilt, sofern sie dem nicht ausdrücklich widersprochen hat. Eine entsprechende Reform war 2020 im Bundestag gescheitert. Derzeit gilt in Deutschland die Entscheidungslösung, wonach eine Organentnahme nur bei ausdrücklicher Zustimmung der betroffenen Person oder ihrer Angehörigen möglich ist.
Die Zahl der Organspenden in Deutschland verharrt seit Jahren auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation gab es 2025 bundesweit 985 postmortale Organspender, das entspricht 11,8 Spendern pro eine Million Einwohner. Mehr als 8.200 Menschen warteten hierzulande Ende 2025 auf ein lebensrettendes Organ.
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| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Organspendeausweis (Archiv) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Stefan Schwartze, Klaus Reinhardt
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
Wann ist das Ereignis passiert?
Nicht erwähnt
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Die Orte, an denen das beschriebene Ereignis stattfindet oder stattfand, sind: Berlin, Deutschland.
Worum geht es in einem Satz?
Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Stefan Schwartze, fordert einen Systemwechsel in der Organspende, insbesondere die Einführung einer Widerspruchslösung, um die Spenderzahlen zu erhöhen und die Informationslage der Bevölkerung zu nutzen.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Niedrige Zahl an Organspenden in Deutschland
- Mangelnde Registrierungszahlen von Organspendern
- Vorangegangene Reformversuche gescheitert
- Hohe grundsätzliche Spendenbereitschaft in der Bevölkerung
- Fehlende dokumentierte Willensäußerungen bei potenziellen Spendern
- Dringender Bedarf an Systemwechsel im Organspendesystem
- Diskussion über Widerspruchslösung als mögliche Lösung
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
Politik, Öffentlichkeit und Medien haben reagiert mit
- Forderung nach einem Systemwechsel zur Organspende
- Unterstützung des Vorstoßes durch die Bundesärztekammer
- Debatte im Bundestag über Neuregelung der Organspende
- Rückweisung der Kritik zur Widerspruchslösung
- Hinweis auf die Diskrepanz zwischen Spendenbereitschaft und niedrigen Spenderzahlen
- Betonung der Entlastung für Angehörige in Entscheidungssituationen
- Hinweis auf gescheiterte Reformversuche in der Vergangenheit
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Notwendigkeit eines Systemwechsels
- Keine Verbesserung der verfügbaren Organe
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- Signal der Solidarität
- Informierte Entscheidungen der Bürger
- Verbesserung der Spenderzahlen
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja, im Artikel wird eine Stellungnahme zitiert. Stefan Schwartze, der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, äußert sich positiv zu einer möglichen Widerspruchslösung bei der Organspende und betont die Notwendigkeit eines Systemwechsels.
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