Mitarbeiter im Innenministerium zweifeln an Grenzzurückweisungen

Mitarbeiter im Innenministerium zweifeln an Grenzzurückweisungen

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Rechtliche Bedenken zur Asylpolitik in Deutschland

Berlin () – Mehr als 1.300 Seiten interne Akten aus dem Bundesinnenministerium zeigen, dass die von der Regierung praktizierte Zurückweisung von Asylsuchenden an den Grenzen selbst aus Sicht der eigenen Beamten rechtlich kaum haltbar ist. Demnach formulierten Mitarbeiter des Ministeriums seit 2024 mehrfach Bedenken gegen einen solchen Schritt.

Wie der „Spiegel“ schreibt, hat sich das Magazin die Akten auf Basis des Informationsfreiheitsgesetzes besorgt. Demnach schrieb das Referat B 2, das sich im Innenministerium um „Führungs- und Einsatzangelegenheiten der Bundespolizei“ kümmert, am 28. August 2024: Asylbewerber direkt zurückzuweisen, wie die Union es damals schon forderte, wäre „aus fachlicher Sicht mit erheblichen rechtlichen und politischen Risiken verbunden“. Damals war noch Nancy Faeser (SPD) Bundesinnenministerin.

In einem Sprechzettel für Faeser vom 9. September 2024 schrieb eine Beamtin, die später unter Alexander Dobrindt (CSU) zur Leiterin der Migrationsabteilung aufstieg: Die Zurückweisung von Asylbewerbern sei „potenziell toxisch“ und europarechtlich „nicht tragfähig“. Um damit durchzukommen, müsse Deutschland offiziell erklären, dass die öffentliche Ordnung oder die innere Sicherheit dramatisch gefährdet seien.

Laut einem weiteren Ministeriumspapier aus dieser Zeit sei es die Sache von Ländern und Kommunen, Belege für die angebliche Großkrise zu liefern. „Solche Daten liegen derzeit nicht vor, weder zur Unterbringungssituation noch zu Bereichen wie Integration, in denen das Angebot massiv ausgeweitet wurde, noch zu Kita, Schulen, medizinischer Versorgung, Polizei und so weiter.“

Auf Anforderung des beamteten Staatssekretärs Bernd Krösser sollten Mitarbeiter Ende Januar 2025 berichten, wie wahrscheinlich es sei, dass so eine Grenzpraxis kurzfristig vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) gestoppt werden würde. Die Antwort: Dies sei nicht ganz unwahrscheinlich, dauere aber mindestens neun Monate. Man sehe, so kommentierte Krösser das Ergebnis, „dass doch von einem längeren Zeitraum auszugehen ist, als bisher angenommen“. Das könne „als Stärkung der Position derjenigen angesehen werden, die zwar auch davon ausgehen, dass ein solches Vorgehen Deutschlands vor dem EuGH keinen Bestand hätte“. Die aber trotzdem dafür seien, dass „man die Maßnahme `einfach macht, weil es eben dauert, bis sie aufgehoben werden muss und sie in dieser Zeit ja faktisch wirkt`“.

Anfang März 2025, nach dem Erfolg der Union bei der Bundestagswahl, verfasste das Referat Europarecht nochmals einen umfassenden Vermerk zur Rechtslage. Die Zweifel, ob Deutschland EU-Recht aushebeln könne, um Asylbewerber zurückzuweisen, blieben unverändert. Noch nie habe ein Mitgliedstaat damit beim Europäischen Gerichtshof Erfolg gehabt, heißt es in den Akten.

Am 7. Mai unterschrieb der neue Innenminister Dobrindt dennoch eine Weisung an die Bundespolizei. Seitdem kann auch Schutzsuchenden die Einreise nach Deutschland verweigert werden. Bis heute wurden im Schnitt monatlich 113 Menschen trotz Asylgesuch zurückgewiesen.

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Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: Verkehrskontrolle an einer deutschen Grenze (Archiv)

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?

Nancy Faeser, Alexander Dobrindt, Bernd Krösser

Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?

Bundesinnenministerium, Union, Nancy Faeser, SPD, Alexander Dobrindt, CSU, Europäischer Gerichtshof, EuGH, Bernd Krösser, Bundespolizei

Wann ist das Ereignis passiert?

Die beschriebenen Ereignisse fanden in den folgenden Zeiträumen statt:

- 28. August 2024
- 9. September 2024
- Ende Januar 2025
- Anfang März 2025
- 7. Mai 2025

Zusammengefasst: August 2024 bis Mai 2025.

Wo spielt die Handlung des Artikels?

Die Orte, an denen das beschriebene Ereignis stattfindet oder stattfand, sind:

Berlin, Deutschland (Grenzen/Deutsche Grenze)

Worum geht es in einem Satz?

Interne Akten des Bundesinnenministeriums zeigen, dass die Zurückweisung von Asylsuchenden an deutschen Grenzen rechtlich problematisch ist, dennoch wurde unter Innenminister Dobrindt eine Weisung zur Ablehnung von Einreisenden mit Asylantrag erlassen.

Was war der Auslöser für den Vorfall?

  • Interne Bedenken im Bundesinnenministerium zur Rechtslage der Zurückweisung
  • Forderungen der Union nach Rückweisungen von Asylbewerbern
  • Fragliche Gefährdung der öffentlichen Ordnung oder inneren Sicherheit
  • Fehlende Belege für eine "Großkrise" zur Unterstützung der Maßnahmen
  • Unklare Rechtslage und Aussicht auf Intervention durch den Europäischen Gerichtshof
  • Politische Veränderungen nach der Bundestagswahl 2025
  • Weisung des neuen Innenministers zur Erlaubnis von Rückweisungen trotz Asylansprüchen

Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?

  • Interne Akten zeigen rechtliche Bedenken zur Zurückweisung von Asylsuchenden
  • Mitarbeiter des Bundesinnenministeriums äußerten mehrfach Bedenken gegen diese Praxis
  • Hinweis auf erhebliche rechtliche und politische Risiken
  • Vorwurf, dass Zurückweisung "potenziell toxisch" und europarechtlich "nicht tragfähig" sei
  • Forderung nach Belegen für eine Großkrise, welche derzeit nicht vorliegen
  • Wahrscheinlichkeit der rechtlichen Unterbindung durch den Europäischen Gerichtshof wurde thematisiert
  • Bedenken über die Aushebelung von EU-Recht blieben bestehen
  • Trotz der Zweifel wurde eine Weisung zur Zurückweisung von Schutzsuchenden erlassen

Welche Konsequenzen werden genannt?

  • Zweifel an der rechtlichen Haltbarkeit der Zurückweisung
  • Politische Risiken für die Regierung
  • Mangelnde Daten zur Begründung der Notwendigkeit der Maßnahme
  • Möglichkeit eines Stopp durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH)
  • Weitere rechtliche Bedenken zur Aushebelung von EU-Recht
  • Monatliche Rückweisung von 113 Personen trotz Asylgesuch

Gibt es bereits eine Stellungnahme?

Ja, im Artikel wird eine Stellungnahme einer Person zitiert. Beispielsweise äußert ein Mitarbeiter des Ministeriums, dass die Zurückweisung von Asylbewerbern "potenziell toxisch" und europarechtlich "nicht tragfähig" sei.

Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

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