Gesundheitswesen unter Sicherheitsdruck in Deutschland
Berlin () – Kassenärztechef Andreas Gassen hat mit Blick auf den fortdauernden Ukraine-Krieg eine Anpassung des Gesundheitswesens an die angespannte Sicherheitslage gefordert.
„Auf einen Angriff mit Tausenden Opfern, nach dem zur Versorgung Verwundeter auch die Praxen gebraucht würden, sind wir nicht ansatzweise vorbereitet“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). „Auch vier Jahre nach dem russischen Überfall auf die Ukraine gibt es kein Konzept des Bundes zur optimalen Nutzung aller ärztlichen Strukturen und zur Lösung von Problemen der Lagerung.“
Und auch wenn der KBV-Chef die Sanitätseinheiten der Bundeswehr für fachlich und technisch gut aufgestellt hält: „Als `kriegstüchtig` wäre unser gesamtes Gesundheitswesen, wie wohl das ganze Land, bestimmt nicht zu bezeichnen“, sagte er.
Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte wegen Russlands Krieg gegen die Ukraine schon im März 2024 ein Gesetz angekündigt, um die medizinische Versorgung in Deutschland „auch für eventuelle militärische Konflikte besser aufzustellen“. Dazu ist es bis heute nicht gekommen. Über konkrete Pläne von Lauterbach-Nachfolgerin Nina Warken (CDU) ist nichts bekannt.
Besonders großen Handlungsbedarf sieht Gassen beim Schutz der Infrastruktur. „Wobei wir alle blank sind, das ist die hybride Kriegsführung, etwa wenn die Versorgung mit Strom oder Wasser unterbrochen würde. Also wo gibt es – neben den Kliniken – Standorte mit ausreichend Stromgeneratoren und Wasserversorgung, die autonom versorgt wären?“, sagte der KBV-Chef.
Die meisten niedergelassenen Ärzte in Deutschland wären für einen Einsatz in Kriegsgebieten „kaum zu gebrauchen“ und müssten auch die normale Versorgung so gut es geht weiter leisten, sagte Gassen, der selbst Notfallarzt war, weiter. „Aber womöglich könnten Reservisten aus den Kliniken im Verteidigungsfall einberufen werden. Wer könnte sie dann im Krankenhaus ersetzen?“ Seine Anregung: „Ein bundesweites, gegebenenfalls freiwilliges Register mit allen relevanten Informationen darüber, welcher Mediziner in einem solchen Fall wo und wofür eingesetzt werden könnte, wäre vielleicht sinnvoll.“
Die Kassenärztlichen Vereinigungen seien gerade dabei, einen einheitlichen Kenntnisstand zu erarbeiten. „Wir stehen hierzu im Austausch mit der Bundeswehr und hatten vor wenigen Tagen Kollegen aus der Ukraine bei uns, um von ihren Erfahrungen zu lernen“, berichtete der KBV-Chef in der „NOZ“. „Es ging um harte Fragen: Was passiert, wenn die erste Bombe fällt? Dann geht es nicht allein um die Versorgung Verletzter. Es kommt ja auch die Zerstörung der Infrastruktur hinzu.“ Besonders eindrücklich seien die Schilderungen der ukrainischen Kollegen darüber gewesen, „dass Russland neben der Zivilbevölkerung und der Infrastruktur für Energie und Wasser auch gezielt Kliniken und Mediziner angreift“.
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| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Krankenhaus (Archiv) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Andreas Gassen, Karl Lauterbach, Nina Warken
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ), Bundeswehr, SPD, CDU.
Wann ist das Ereignis passiert?
Nicht erwähnt.
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Die beschriebenen Ereignisse finden hauptsächlich in Deutschland statt, insbesondere in Berlin. Darüber hinaus werden auch Kliniken und ärztliche Praxen innerhalb von Deutschland erwähnt, sowie die Erfahrungen von Kollegen aus der Ukraine.
Worum geht es in einem Satz?
Der Kassenärztechef Andreas Gassen fordert eine Anpassung des Gesundheitswesens an die angespannte Sicherheitslage durch den Ukraine-Krieg, da Deutschland unzureichend auf mögliche militärische Konflikte und die damit verbundene medizinische Versorgung vorbereitet ist.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Fortdauernder Ukraine-Krieg
- Russische Angriffe auf die Ukraine
- Unzureichende Vorbereitungen des Gesundheitswesens auf mögliche Krisensituationen
- Fehlendes Konzept für die Nutzung ärztlicher Strukturen im Notfall
- Mangelnder Schutz der Gesundheitsinfrastruktur
- Herausforderungen durch hybride Kriegsführung
- Notwendigkeit eines Registers für medizinisches Personal im Verteidigungsfall
- Austausch mit ukrainischen Kollegen über Erfahrungen im Krieg
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- Andreas Gassen fordert Anpassung des Gesundheitswesens an Sicherheitslage durch Ukraine-Krieg
- Unzureichende Vorbereitung auf mögliche Angriffe mit vielen Opfern
- Fehlendes Konzept des Bundes zur optimalen Nutzung ärztlicher Strukturen
- Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach kündigte Gesetz zur medizinischen Notfallversorgung an, bisher keine Umsetzung
- Unbekannte Pläne von Nachfolgerin Nina Warken
- Handlungsbedarf beim Schutz der Infrastruktur, besonders bei Strom- und Wasserversorgung
- Niedergelassene Ärzte kaum für Kriegsgebiete einsetzbar, normale Versorgung muss weiter geleistet werden
- Vorschlag für bundesweites Register zur medizinischen Einsatzfähigkeit
- Kassenärztliche Vereinigungen erarbeiten einheitlichen Kenntnisstand, Austausch mit Bundeswehr und ukrainischen Kollegen
- Besorgnis über gezielte Angriffe auf Kliniken und Mediziner in der Ukraine
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Mangelnde Vorbereitung auf medizinische Notfälle bei Angriffen
- Fehlendes Konzept zur optimalen Nutzung der ärztlichen Strukturen
- Unsicherheit über die medizinische Versorgung im Verteidigungsfall
- Notwendigkeit, Schutz der Infrastruktur zu verbessern
- Ärzte sind nicht für Einsätze in Kriegsgebieten vorbereitet
- Mögliche Einberufung von Reservisten ohne Ersatz
- Anregung für ein bundesweites Register von Medizinern für Notfälle
- Austausch mit der Bundeswehr zur Verbesserung der Kenntnisse
- Erkenntnisse über gezielte Angriffe auf medizinische Einrichtungen und Personal
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja, im Artikel wird eine Stellungnahme von Kassenärztechef Andreas Gassen zitiert, die auf die unzureichende Vorbereitung des Gesundheitswesens auf mögliche Angriffe und die Notwendigkeit von Anpassungen hinweist.
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