Wirtschaft und Energiepolitik in Europa
Berlin () – Die USA drängen Europa offenbar dazu, wieder russisches Erdgas per Pipeline durch die Ukraine zu importieren – doch Fachleute warnen davor, sich darauf einzulassen. Eine russische Pipeline mit den USA als Zwischenhändler wäre das „denkbar ungünstigste Szenario“, sagte Georg Zachmann, Energieexperte der Denkfabrik Bruegel, dem „Spiegel“. Sie würde den USA eine noch höhere Dominanz über die europäische Gasversorgung verschaffen.
Wer eine diplomatische Lösung des Ukraine-Konflikts wolle, brauche Sanktionen gegen russische Energieexporte als essenziellen Hebel, um einen Kompromiss überhaupt erst erzwingen zu können, so Zachmann. Der Experte erwartet auch, dass keine Preisvorteile zu erwarten wären, wenn die USA zum Zwischenhändler für Pipelinegas aus Russland würden. Stattdessen würden die USA das Preisniveau hochhalten, um ihr profitables Geschäft mit LNG nicht zu kannibalisieren, prognostizierte Zachmann.
Der Ökonom André Wolf und der Umweltrechtler Götz Reichert vom Centrum für europäische Politik (CEP) in Freiburg warnten im „Spiegel“: Wer mit Russland über eine Wiederaufnahme von Energielieferungen spräche, müsste komplexe und hochriskante politische Verhandlungen führen. Das politische Signal wäre verheerend, so die Fachleute. Da die Förderkapazitäten zunehmend erschöpft seien, müsste Russland massiv in die Erschließung neuer Gasfelder in der Arktis investieren, was hohe Förder- und Transportkosten mit sich brächte, argumentierten Reichert und Wolf. Russisches Erdgas, das zu Marktpreisen verkauft wird, werde daher in Zukunft nicht unbedingt billiger sein als über den Ozean transportiertes LNG.
Selbst wenn Moskau aus machtpolitischen Gründen Rabatte gewähren sollte, würde dies nichts an dem dramatischen Vertrauensverlust in die Zuverlässigkeit Russlands als Energielieferant ändern, so die Experten. Wären künftige Industrieprojekte auf russisches Gas angewiesen, könnten sie bei der Finanzierung mit hohen Risikoprämien konfrontiert sein.
Die US-Unterhändler Jared Kushner und Steve Witkoff haben laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ vorgeschlagen, Europa sollte rasch wieder russisches Gas per Pipeline durch die Ukraine importieren.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Georg Zachmann, André Wolf, Götz Reichert, Jared Kushner, Steve Witkoff
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
dts Nachrichtenagentur, Bruegel, Spiegel, Centrum für europäische Politik (CEP), Wall Street Journal
Wann ist das Ereignis passiert?
Nicht erwähnt
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Europa, Ukraine, USA, Russland
Worum geht es in einem Satz?
Experten warnen vor dem offenbar von US-Unterhändlern vorgeschlagenen Wiederimport russischen Pipelinegases über die Ukraine, da dies Europas Abhängigkeit von den USA verstärken, den Sanktionsdruck auf Russland schwächen und ohne sichere Preisvorteile hohe politische und wirtschaftliche Risiken schaffen würde.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Vorschlag der US-Unterhändler Jared Kushner und Steve Witkoff, Europa solle wieder russisches Erdgas per Pipeline durch die Ukraine importieren
- Überlegungen zu einer Rolle der USA als Zwischenhändler für russisches Pipelinegas
- Suche nach einer diplomatischen Lösung des Ukraine-Konflikts und Debatte über Sanktionen gegen russische Energieexporte als Verhandlungshebel
- Vertrauensverlust in Russland als zuverlässigen Energielieferanten
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
Nein, der Artikel beschreibt nur Einschätzungen und Warnungen von Fachleuten, aber keine Reaktionen aus Politik, Öffentlichkeit oder Medien.
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Noch stärkere Dominanz der USA über die europäische Gasversorgung
- Keine zu erwartenden Preisvorteile, da die USA das Preisniveau zum Schutz ihres profitablen LNG-Geschäfts hochhalten würden
- Komplexe und hochriskante politische Verhandlungen mit verheerender politischer Signalwirkung
- Hoher Investitionsbedarf zur Erschließung neuer russischer Gasfelder in der Arktis sowie hohe Förder- und Transportkosten
- Russisches Erdgas künftig nicht unbedingt günstiger als über den Ozean transportiertes LNG
- Fortbestehender Vertrauensverlust in die Zuverlässigkeit Russlands als Energielieferant trotz möglicher Rabatte
- Mögliche hohe Risikoprämien bei der Finanzierung künftiger Industrieprojekte, die auf russisches Gas angewiesen wären
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja, Georg Zachmann von Bruegel sowie André Wolf und Götz Reichert vom CEP warnen vor einer Wiederaufnahme russischer Gasimporte und verweisen auf politische Risiken sowie fehlende Preisvorteile.
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