IW: Ostdeutschland braucht zunehmend Fachkräfte aus Drittstaaten

IW: Ostdeutschland braucht zunehmend Fachkräfte aus Drittstaaten

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Ostdeutsche Fachkräfte: Migration & Politik

Berlin () – Ohne Zuwanderung aus der EU und aus Drittstaaten wäre die Zahl der qualifizierten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den ostdeutschen Flächenländern um rund 191.000 oder 5,3 Prozent niedriger. Das zeigt eine neue Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln), über die die Zeitungen der Funke-Mediengruppe berichten.

Der Analyse zufolge geht seit 2019 die Zahl der qualifizierten Beschäftigten mit deutscher Staatsangehörigkeit zurück.

EU-Bürger leisten zwar weiterhin einen positiven Beitrag, dieser nimmt aber deutlich ab. Drittstaatsangehörige werden dagegen zunehmend wichtiger.

„Die Zuwanderung aus der EU hat den demografischen Wandel am zwar lange gedämpft, diese Quelle versiegt jedoch, wodurch eine Stabilisierung des Fachkräfteangebots ohne Drittstaatler zukünftig kaum möglich sein wird“, sagte IW-Fachkräfteexperte Fabian Semsarha den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Fast 160.000 internationale Fachkräfte arbeiten den Angaben zufolge inzwischen in Engpassberufen. Besonders groß ist ihre Bedeutung in der Logistik, im Gesundheitswesen und in der Gastronomie.

Fast ein Viertel der Berufskraftfahrer in den ostdeutschen Flächenländern hat keinen deutschen Pass. Bei Köchen sind es knapp 20 Prozent, bei angestellten Ärzten rund ein Viertel.

Auch in der Krankenpflege, der Kfz-Technik und weiteren Berufen mit Fachkräfteengpässen stellen internationale Beschäftigte einen erheblichen Anteil. Semsarha warnte, dass Branchen wie die Logistik, der Gesundheitssektor oder die Gastronomie durch einen Einbruch der Migration oder eine verstärkte Abwanderung stark unter Druck geraten würden.

Die Entwicklung trifft Ostdeutschland zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt.

Die geburtenstarken Jahrgänge scheiden aus dem Arbeitsmarkt aus. Gleichzeitig wandern seit 2023 wieder mehr Menschen aus Ostdeutschland in Richtung Westen ab.

Hinzu kommt, dass der Anteil zugewanderter Fachkräfte in den ostdeutschen Flächenländern im bundesweiten Vergleich weiterhin niedrig ist.

Regional fällt die Entwicklung unterschiedlich aus. In Sachsen-Anhalt und Thüringen ist die Zahl der qualifizierten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten trotz Zuwanderung um 6.448 beziehungsweise 12.207 Personen gesunken.

In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg ging zwar die Zahl der deutschen Fachkräfte zurück, ausländische Beschäftigte glichen diesen Rückgang jedoch nicht nur aus, sondern sorgten sogar für ein Beschäftigungswachstum. Sachsen ist das einzige ostdeutsche Flächenland, in dem sowohl die Zahl der deutschen als auch der ausländischen Fachkräfte gestiegen ist.

Die Bedeutung internationaler Fachkräfte dürfte nach Einschätzung der Forscher zudem größer sein, als die Statistik erkennen lässt.

Eingebürgerte Beschäftigte werden in den Arbeitsmarktdaten anschließend als Deutsche geführt. Allein zwischen 2015 und 2025 wurden in rund 1,8 eingebürgert.

Für die ostdeutschen Länder stellt sich deshalb nicht nur die Frage, wie weitere Fachkräfte gewonnen werden können, sondern auch, was sie dazu bewegt, dauerhaft zu bleiben.

Mit zunehmender Aufenthaltsdauer gewinne dabei das gesellschaftliche Klima an Bedeutung. Diskriminierungserfahrungen und die lokale politische Situation seien wichtige Faktoren – sowohl dafür, ob Menschen blieben, als auch dafür, ob sie überhaupt nach Deutschland kämen.

Das sei auch für die Anwerbung neuer Fachkräfte relevant, sagte Forscher Semsarha: „Denn Deutschland steht in einem internationalen um Fachkräfte, die die Situation hierzulande aufmerksam verfolgen.“

Um internationale Beschäftigte zu gewinnen und zu halten, sehen die IW-Forscher auch beim Abbau bürokratischer Hürden Ansatzpunkte. Eine effiziente „Work-and-Stay-Agentur“ könnte dabei helfen, Verfahren zu vereinfachen.

Zugleich verweisen die Forscher auf die Bedeutung von Weltoffenheit und politischem Klima. Gerade für Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern stünden mit den diesjährigen Landtagswahlen „zentrale Weichenstellungen“ an, heißt es in der Analyse.

In Sachsen-Anhalt wird am Sonntag ein neuer Landtag gewählt.

Die AfD macht im Wahlkampf unter anderem gegen die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte mobil und wirbt stattdessen dafür, stärker auf inländische Arbeitskräfte zu setzen.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?

Fabian Semsarha,

Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?

Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln), Funke-Mediengruppe, AfD

Wann ist das Ereignis passiert?

Das Ereignis (die berichtete Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln), wonach ohne Zuwanderung aus EU und Drittstaaten die Zahl qualifizierter sozialversicherungspflichtig Beschäftigter in den ostdeutschen Flächenländern niedriger wäre, inkl. Aussagen zu den Entwicklungen seit 2019 sowie zu Abwanderung seit 2023 und zum politischen Kontext mit Landtagswahlen) fand nicht in einem einzelnen, genau genannten Datum statt.

Genannt ist jedoch dieser Zeitraum/Zeiteinordnung im Text:

  • Seit 2019: Rückgang der Zahl qualifizierter Beschäftigter mit deutscher Staatsangehörigkeit (Beginn der Entwicklung).
  • Seit 2023: Wieder mehr Abwanderung von Menschen aus Ostdeutschland in Richtung Westen.
  • Zwischen 2015 und 2025: Rund 1,8 Millionen Einbürgerungen in Deutschland.
  • Dieses Jahr / “die diesjährigen Landtagswahlen” sowie “am Sonntag ein neuer Landtag gewählt” (ohne konkretes Datum).

Konkretes Datum für den Artikel bzw. den Sonntag der Wahl: Nicht erwähnt.

Wo spielt die Handlung des Artikels?

Berlin, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Deutschland (bundesweit), Ostdeutschland, Europa

Worum geht es in einem Satz?

Laut einer IW Köln-Analyse würden die ostdeutschen Flächenländer ohne Zuwanderung aus EU- und Drittstaaten rund 191.000 qualifizierte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte weniger haben, wobei EU-Zuwanderung seit 2019 abnimmt, Drittstaatsangehörige dagegen stärker für die Fachkräftesicherung in Engpassberufen einspringen und Ostdeutschland dabei wegen demografischem Wandel sowie Abwanderung besonders unter Druck steht.

Was war der Auslöser für den Vorfall?

  • Ohne Zuwanderung aus der EU und aus Drittstaaten wäre die Zahl der qualifizierten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den ostdeutschen Flächenländern um rund 191.000 bzw. 5,3 Prozent niedriger geblieben

Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?

  • Politik wird thematisiert im Zusammenhang mit der Bedeutung des gesellschaftlichen Klimas und der lokalen politischen Situation für Bleiben und Zuwanderung
  • Politisches Klima und Weltoffenheit werden als relevante Faktoren genannt
  • Für Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern werden Landtagswahlen als „zentrale Weichenstellungen“ bezeichnet
  • AfD mobilisiert im Wahlkampf gegen Zuwanderung ausländischer Fachkräfte und wirbt für stärkere Fokussierung auf inländische Arbeitskräfte

Welche Konsequenzen werden genannt?

  • Rund 191.000 bzw. 5,3 Prozent weniger qualifizierte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in den ostdeutschen Flächenländern
  • Weniger Stabilisierung des Fachkräfteangebots ohne Drittstaatler, insbesondere wenn EU-Zuwanderung ausläuft
  • Engpassberufe wären stärker betroffen, da fast 160.000 internationale Fachkräfte dort tätig sind
  • Branchen wie Logistik, Gesundheitswesen und Gastronomie würden bei Einbruch der Migration oder verstärkter Abwanderung stärker unter Druck geraten
  • Rückgänge in bestimmten Regionen könnten nicht durch ausländische Beschäftigte ausgeglichen werden, wodurch Beschäftigungszahlen ungünstiger verlaufen würden
  • Zusätzlich erschwerter Fachkräftemangel durch gegenläufige Arbeitsmarktentwicklungen wie das Ausscheiden geburtenstarker Jahrgänge und Abwanderung in Richtung Westen
  • Höheres Risiko, dass internationale Fachkräfte weniger dauerhaft bleiben, falls gesellschaftliches Klima, Diskriminierungserfahrungen und lokale politische Situation ungünstig wirken
  • Verstärkter Handlungsbedarf zur Gewinnung und Bindung weiterer Fachkräfte, einschließlich möglicher Reformen wie Abbau bürokratischer Hürden

Gibt es bereits eine Stellungnahme?

Ja. Ein IW-Fachkräfteexperte (Fabian Semsarha) wird im Artikel mit einem Zitat zitiert („… wodurch eine Stabilisierung des Fachkräfteangebots … kaum möglich sein wird“).

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