Gesellschaft: Kontroversen um Bayreuther Festspiele
Bayreuth () – Der Publizist und Anwalt Michel Friedman reagiert verstört auf die Absage des Gedenkkonzerts „Verstummte Stimmen“, das mit einer Rede von ihm am 26. Juli den Auftakt der Bayreuther Festspiele markieren sollte.
„Die Ernsthaftigkeit, sich mit dem Antisemiten Wagner auseinanderzusetzen, ist durch diese Absage ad absurdum geführt“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“, die am Montag erstmals darüber berichtet hatte, dass die geplante Veranstaltung nicht stattfinden wird. Die Leitung der Festspiele begründete den Schritt damit, dass man angesichts der nur wenige Stunden später stattfindenden Premiere von „Rienzi“ nicht in der Lage sei, „Sicherheitsbedenken“ auszuräumen. Dieses Argument ließ Friedman nicht gelten: „Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen abzusagen, ist in einer Demokratie der Tod durch Selbstmord.“ Auf Drohungen von Extremisten gebe es eine ganz einfache Antwort: „Dann sichert diese Veranstaltung. Und spart euch alle Sonntagsreden.“
Dass bislang nicht einmal ein Vorverkauf zu dem Vormittag mit seiner Rede und einem Konzert unter der Leitung von Christian Thielemann gestartet war, ließ den 70-Jährigen zudem daran zweifeln, ob die Verantwortlichen um Festspiel-Leiterin Katharina Wagner wirklich vorhatten, die Feierlichkeiten zum 150. Bestehen der Festspiele mit einem Gedenken an ermordete jüdische Musiker zu verknüpfen und die Figur Richard Wagner und den Umgang mit seinem Erbe kritisch zu hinterfragen.
Der Komponist des „Ring des Nibelungen“ hatte 1850 die antisemitische Schrift „Das Judenthum in der Musik“ veröffentlicht, später entwickelten sich enge Bande zwischen Wagners Nachfahren und Vertretern des Naziregimes, die gerne nach Bayreuth zu den Festspielen kamen. „Der Boden in Bayreuth ist kontaminiert“, sagte Friedman. Nach langer Überlegung habe er aber dennoch genau dort sprechen wollen. „Ich wollte mich auf eine Konfrontation einlassen, um eine Reflexion zu ermöglichen. Gerade auch in Anbetracht der Zeit nach dem 7. Oktober, in der ein Großteil des Bürgertums sich von seinen Floskeln `Nie wieder, wehret den Anfängen` noch schneller verabschiedet hatte, als man sich umdrehen kann.“
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| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Michel Friedman (Archiv) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Michel Friedman, Christian Thielemann, Katharina Wagner, Richard Wagner
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
Michel Friedman, Süddeutsche Zeitung, Bayreuther Festspiele, Richard Wagner, Christian Thielemann, Katharina Wagner
Wann ist das Ereignis passiert?
Das beschriebene Ereignis fand am 26. Juli statt.
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Die beschriebenen Ereignisse finden in Bayreuth statt.
Worum geht es in einem Satz?
Michel Friedman ist verstört über die Absage des Gedenkkonzerts "Verstummte Stimmen" bei den Bayreuther Festspielen, da er die Entscheidung als Abbruch der ernsthaften Auseinandersetzung mit Wagners Antisemitismus betrachtet und fordert, Veranstaltungen trotz Sicherheitsbedenken durchzuführen.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Absage des Gedenkkonzerts "Verstummte Stimmen"
- Sicherheitsbedenken der Festspiel-Leitung
- Fehlende Vorverkaufsaktivitäten
- Richard Wagners antisemitische Schrift "Das Judenthum in der Musik"
- Historische Verbindungen zwischen Wagners Nachfahren und Naziregime
- Wunsch nach kritischer Auseinandersetzung mit Wagners Erbe und Antisemitismus
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
Im Artikel wird beschrieben, wie Politik, Öffentlichkeit oder Medien reagiert haben:
- Michel Friedman äußert sich verstört über die Absage des Gedenkkonzerts
- Er kritisiert die Begründung der Festspiel-Leitung bzgl. Sicherheitsbedenken
- Friedman plädiert dafür, Veranstaltungen trotz Drohungen durch Extremisten durchzuführen
- Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Festspiel-Leitung, das jüdische Erbe zu berücksichtigen
- Hinweis auf die antisemitische Vergangenheit Richard Wagners
- Friedman sieht den kulturellen Boden in Bayreuth als kontaminiert
- Sein Ziel war es, eine kritische Reflexion über das Erbe Wagners zu ermöglichen
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Verstörtes Empfinden bei Michel Friedman
- Verlust von Ernsthaftigkeit in der Auseinandersetzung mit Antisemitismus
- Zweifel an den Absichten der Festspiel-Leitung
- Befürchtung, dass Sicherheitsargumente in einer Demokratie als inakzeptabel angesehen werden
- Vermutete mangelnde Planung der Veranstaltung
- Kontamination des Bodens in Bayreuth durch historische Verstrickungen
- Fehlende Reflexion über das Erbe Richard Wagners
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja, im Artikel wird eine Stellungnahme von Michel Friedman zitiert. Er äußert sich verstört über die Absage des Gedenkkonzerts und sagt: "Die Ernsthaftigkeit, sich mit dem Antisemiten Wagner auseinanderzusetzen, ist durch diese Absage ad absurdum geführt."
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