Berlinale: Roth pocht auf Autonomie kultureller Institutionen

Kulturpolitik und Kunstfreiheit in Berlin

Berlin () – Die ehemalige Kulturstaatsministerin Claudia (Grüne) hat scharfe Kritik am Berlinale-Vorgehen von ihrem Nachfolger, Wolfgang Weimer (parteilos), geübt. „ darf nie Einfluss nehmen auf die inhaltliche Gestaltung von Kunst, sie darf nicht entscheiden, was in Museen hängt oder welche Filme gezeigt werden“, sagte Roth dem „Tagesspiegel“ (Freitagausgabe). „Die Autonomie kultureller Institutionen muss geschützt bleiben.“

Weimer hatte für Donnerstagvormittag zu einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrats der Organisation „Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH“ (KBB) geladen. Dort sollte es „eine Aussprache zur Ausrichtung der Berlinale geben“, wie Weimers Bundesbehörde für Kultur und (BKM) bestätigte. Die Gespräche dazu würden „in den kommenden Tagen“ fortgesetzt, hieß es im Anschluss. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet, dass die seit April 2024 amtierende Berlinale-Chefin Tricia Tuttle vor der Ablösung stehe. Hintergrund ist unter anderem der Auftritt des syrisch-palästinensischen Regisseurs Abdallah Alkhatib bei der Preisverleihung des Festivals am Samstag.

Roth, die von 2021 bis 2025 Kulturstaatsministerin war, kritisierte das Vorgehen. „In einer Welt, in der autoritäre Staaten zunehmen und die Demokratie immer stärker angegriffen wird, steht auch die Kunstfreiheit unter Druck“, sagte sie. „Deshalb ist Artikel fünf unseres Grundgesetzes – Meinungsfreiheit, Freiheit von Kunst, Kultur, – eine tragende Säule der Demokratie.“

Das bedeute für sie nicht, dass man allen künstlerischen Positionen zustimme, so Roth weiter. „Aber die Politik muss die Freiheit der Kunst verteidigen, auch wenn sie einem nicht gefällt.“ Für sie sei diese Freiheit gerade angesichts des derzeitigen politischen Klimas besonders wichtig.

„Unsere Demokratie wird angegriffen, wir haben eine Partei, die sie schleifen will“, so Roth mit Blick auf die AfD. Diese, so Roth, greife in Regionen, in denen sie Mehrheiten errungen habe, ganz direkt die Kultur an. „Sie gehen sofort an Kultureinrichtungen, machen Festivals kaputt“, sagte Roth. „Es darf deshalb nicht der Eindruck entstehen, dass die Politik beim wichtigsten Filmfestival Deutschlands Einfluss auf Inhalte nimmt. Es braucht Autonomie, Unabhängigkeit, Freiraum – im Rahmen des Rechts.“

Diese Grundsätze aufzugeben, „wäre eine Niederlage gegenüber Ländern, in denen Politik Kunst bereits kontrolliert – wie in den USA, wo Einfluss nimmt, bestimmt, was in Museen hängt, das Kennedy Center vereinnahmt, Bücher zulässt oder nicht“, sagte Roth. „Das unterstelle ich niemandem, aber wir müssen Artikel fünf schützen und nicht angreifen.“

Auch Katrin Göring-Eckardt, Sprecherin für Kultur und Medien der Grünen-Bundestagsfraktion, kritisierte Weimer. Die Bundesregierung habe „keine Ideen und kein Konzept, um Antisemitismus zu bekämpfen“, sagte sie der Zeitung. „Auch wenn Personalfragen nun vertagt wurden: Der Schaden ist angerichtet, Wolfram Weimer verunsichert erneut eine gesamte Branche.“ Kunst und Kultur müssten frei von staatlicher Einflussnahme bleiben.

Sie übte Kritik an Weimers Vorgehen gegenüber dem Filmfestival und seiner Macherin. „Die Debatte um ihre mögliche Abberufung durch den Beauftragten für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, steht sinnbildlich für seinen politischen Ansatz bei der Bekämpfung von Antisemitismus“, sagte Göring-Eckardt. „Weimer übt sich im Kopfeinziehen und nimmt sich aus der Verantwortung.“

Die SPD wies das Vorgehen Weimers als überzogen zurück. Wer die Welt zu sich einlade, müsse auch aushalten, dass Künstler ihre persönlichen Meinungen mitbringen, sagte Martin Rabanus, kulturpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, dem „Tagesspiegel“. „Wenn wir das nicht können, machen wir Räume nicht auf, sondern zu.“

Für die Linke ist der Umgang mit der Berlinale „ein schwerer Fehler“, wie deren Bundesvorsitzende Ines Schwerdtner sagte. „Ein Kulturstaatsminister, der sich sonst gegen `Cancel Culture` positioniert, greift nun selbst politisch in ein internationales Filmfestival ein.“ Das setze ein gefährliches Zeichen für die Kunstfreiheit und riskiere massiven Schaden für den Ruf der Berlinale, so Schwerdtner. „Wenn Tuttle wegen Palästina-Solidarität gehen muss, dann ist das das Ende der Berlinale.“

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Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: Claudia Roth (Archiv)

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?

Claudia Roth, Wolfgang Weimer, Tricia Tuttle, Abdallah Alkhatib, Katrin Göring-Eckardt, Wolfram Weimer, Martin Rabanus, Ines Schwerdtner.

Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?

Die genannten Organisationen, Parteien oder Institutionen sind:
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Die beschriebenen Ereignisse finden in Berlin statt.

Worum geht es in einem Satz?

Claudia Roth übt scharfe Kritik an ihrem Nachfolger Wolfgang Weimer für dessen Einflussnahme auf die Berlinale, da sie die Autonomie kultureller Institutionen als wesentlichen Aspekt der Kunstfreiheit und Demokratie betont.

Was war der Auslöser für den Vorfall?

  • Kritik von Claudia Roth an Wolfgang Weimer
  • Diskussion über Autonomie kultureller Institutionen
  • Außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrats der KBB
  • mögliche Ablösung der Berlinale-Chefin Tricia Tuttle
  • Auftritt des Regisseurs Abdallah Alkhatib bei der Berlinale
  • Erhöhte Spannungen bezüglich Kunstfreiheit und politischem Einfluss
  • Hintergrund des aktuellen politischen Klimas in Deutschland
  • Vorwürfe gegen die AfD und deren Einfluss auf kulturelle Institutionen

Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?

  • Claudia Roth kritisiert Weimers Einflussnahme auf die Berlinale
  • Roth betont Schutz der Autonomie kultureller Institutionen
  • Weimer hat außerordentlichen Aufsichtsrat einberufen wegen möglicher Ablösung von Tricia Tuttle
  • Roth sieht Kunstfreiheit unter Druck durch autoritäre Tendenzen
  • Hervorhebung der Bedeutung von Artikel fünf des Grundgesetzes
  • Roth warnt vor politischem Einfluss auf Kunst aus Angst vor Demokratieabbau
  • Katrin Göring-Eckardt äußert ebenfalls Kritik an Weimers Vorgehen
  • Kritisiert fehlendes Konzept der Bundesregierung gegen Antisemitismus
  • SPD bezeichnet Weimers Verhalten als überzogen
  • Linke sieht Gefahr für Kunstfreiheit und Berlinale-Ruf
  • Ines Schwerdtner warnt vor potenziellen Folgen für Festival und KünstlerInnen

Welche Konsequenzen werden genannt?

  • Verlust der Autonomie kultureller Institutionen
  • Gefährdung der Kunstfreiheit
  • Angriffsfläche für autoritäre Tendenzen
  • Verunsicherung der Kulturszene
  • Risiko eines Imageschadens für die Berlinale
  • Gefahr politischer Einflussnahme auf Kunst und Kultur
  • Notwendigkeit zum Schutz von Artikel fünf des Grundgesetzes
  • Mögliche Abberufung der Berlinale-Chefin
  • Signalwirkung für andere kulturelle Einrichtungen
  • Drohende Niederlage im Kampf gegen politische Kontrolle über Kunst

Gibt es bereits eine Stellungnahme?

Ja, im Artikel wird eine Stellungnahme von Claudia Roth zitiert. Sie kritisiert, dass Politik nicht auf die inhaltliche Gestaltung von Kunst Einfluss nehmen darf und betont die Bedeutung der Kunstfreiheit in der Demokratie.

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