Scheidende Grünen-Chefin Lang schließt Politik-Comeback nicht aus
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Berlin () – Vor dem Grünen-Parteitag kündigt die scheidende Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang an, dass sie über ein Comeback nachdenkt. „Wie ein Ende fühlt sich das gerade nicht an“, sagte sie dem Nachrichtenmagazin Politico (Freitagausgabe).
Auf die Frage, worauf sie jetzt Lust habe, sagte sie: „Als Erstes freue ich mich darauf, noch einmal wirklich meinen Fokus auf die parlamentarische Arbeit zu legen. Ich habe Lust, in den sozialen Medien ein bisschen weiter immer mit dabei zu sein.“
Lang sprach über den freundlichen Umgang im Koalitionsausschuss bis zuletzt: „Das hat uns nie jemand geglaubt, dass es persönlich oft netter war, als es politisch nach außen gewirkt hat.“ Doch sie gesteht: „Im Nachhinein würde ich sagen, es hätte andersherum sein sollen. Vielleicht hätten wir mal intern offener und härter miteinander reden sollen und dafür nach außen geschlossen auftreten sollen.“
Selbst nach dem Scheitern der Ampel nach dem letzten Koalitionsausschuss sei man im Guten auseinandergegangen: „Ich habe den Kollegen von der FDP einen Handschlag gegeben oder sie zum Abschied umarmt.“ Christian Lindner habe sie die Hand gegeben, „ein paar andere habe ich umarmt, Bijan und Bettina zum Beispiel“, so Lang.
Eine Sache hätte es in jedem Koalitionsausschuss gegeben, erinnerte sich Lang: „Das einzige Ritual ist, dass Olaf Scholz immer erzählt, was er in Hamburg schon alles erfunden hat.“ Sie kritisierte Robert Habecks Metapher zum 4:0-Rückstand: „Omid Nouripour hat mir nach ungefähr zwei Monaten gemeinsamen Parteivorsitzes Fußball-Metaphern verboten, weil ich so wenig Ahnung von Fußball habe. Das war bei Robert Habeck vielleicht auch so“, so Lang.
Habeck ist für Ricarda Lang „eindeutig“ der Kanzlerkandidat, auch wenn die Partei derzeit bei neun Prozent stehe. „Wenn ich mir jetzt gerade vorstelle, da steht nur Friedrich Merz, ein Mann, der wie wahrscheinlich kein anderer für die Vergangenheit dieses Landes steht; Olaf Scholz, der für die Gegenwart steht, aber auch dafür, sich durch diese Gegenwart irgendwie durchzuwursteln. Dann ist da noch ziemlich viel Platz für jemanden, der für die Zukunft steht. Und das ist für mich Robert Habeck“, sagte die Grüne.
Zu Markus Söder sagte Lang: „Diese Frage, ob man mit den Grünen zusammenarbeiten kann oder nicht, hat deutlich mehr mit dem emotionalen Leben von Markus Söder zu tun als mit den Grünen.“ Grund dafür seien zwei Probleme von Söder. „Das eine heißt Hubert Aiwanger, wo er das Gefühl hat, der nimmt mir den Schneid ab auf den Volksplätzen.“ Das andere heißt „Friedrich Merz, der statt ihm Kanzlerkandidat geworden ist“. Und wenn Söder sage: „Niemals mit den Grünen, dann ist es eine Machtansage gegenüber Friedrich Merz.“
Über Verletzungen während ihrer Zeit als Vorsitzende sagte Lang: „Das waren ehrlicherweise gar nicht so sehr die Momente, an die man jetzt denken würde: Die Hasskommentare im Netz oder Kommentare zu meinem Körper, da stehe ich drüber. Was wirklich verletzend für mich war, ist, wenn Leute mir die Rückmeldung gegeben haben, dass sie mich als abgehoben, als weit weg von ihrem Leben wahrnehmen. Weil das meinem Selbstbild total widerspricht. Weil ich immer das Gefühl habe, ich bin ein offener Mensch, der ein offenes Ohr hat“, so Lang.
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Ricarda Lang (Archiv)
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