Influencer wollen sich verbünden und die Macht der Konzerne beenden

(ddna). Vor sechs Jahren trat Lindsey Lee Lugrin, eine angehende Social-Media-Celebrity und Model in einer Werbekampagne für ein Modelabel auf und bekam dafür 1.000 Dollar. Lindsey Lugrin war begeistert. Doch nachdem sie ihr Gesicht auf Plakatwänden und in Anzeigen im Internet gesehen hatte, wurde ihr klar, dass sie sich selbst unterschätzt hatte. Als sie mit weiteren Influencern sprach, die gegen Bezahlung oder einen Anteil an den Werbeeinnahmen Beiträge in den sozialen Medien für Marken erstellen, wurde Lugrin auf weitere Lohnunterschiede aufmerksam: Laut einer Analyse von Klear, einer Plattform für Influencer-Marketing, aus dem letzten Jahr verdienten männliche Autoren im Durchschnitt 476 Dollar pro Beitrag, Frauen dagegen 348 Dollar.


Die heute 30-jährige Lugrin will das ändern. Vor zwei Monaten stellten sie und Isha Mehra, 25, eine ehemalige Datenwissenschaftlerin von Facebook, eine App mit einem Namen vor, der gerade in den sozialen Medien nicht ausgeschrieben werden darf – denn dann kommt sofort die Sperre (wir lassen es hier auch lieber) : „F*** You Pay Me“. Die App ist eine Art Glassdoor (Ihr kennt diese Gehaltsvergleich-Plattform?) für Influencer, wo Kreative Bewertungen von Marken hinterlassen können, mit denen sie zusammengearbeitet haben, sich über Werbehonorare austauschen und andere wichtige Informationen für die Aushandlung von Verträgen über gesponserte Inhalte geben. Das Ziel: Eine gerechtere Bezahlung der Kreativen.


Der Name sei bewusst gewählt worden, sagte Lugrin. “Ich wollte nicht, dass es auf der Seite der Urheber irgendwelche Zweifel gibt, für wen das Ganze ist”, sagte sie. “Der Name ist eine Ode an die Frustration, die ich selbst als Kreative immer wieder erlebt habe“. FYPM mit Sitz in Santa Monica, Kalifornien, ist eines von mehreren Unternehmen, die Influencern, die zu den am schnellsten wachsenden Kleinunternehmen in den Vereinigten Staaten gehören, eine transparente Vergütung bieten wollen. Dies ist Teil eines Wandels, bei dem Kreative zunehmend versuchen, sich in ihren Geschäftsbeziehungen mit Marken durchzusetzen und gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen.


Zu diesen neuen Tools, die sich verbreitet haben, gehört auch Collabstr, eine Marketingplattform, auf der Kreative kurze Biografien über sich selbst veröffentlichen und ihre Gehälter angeben können. Social-Media-Seiten wie Brands Behaving Badly, We Don’t Work for Free und Influencer Pay Gap machen auf schlechte Geschäfte und potenziell ausbeuterische Marken aufmerksam. Kreative haben sich auch in Online-Communities wie Creative Gal Gang zusammengeschlossen, wo weibliche Influencer in Großbritannien und Irland Horrorgeschichten austauschen und sich gegenseitig unterstützen. “Die Kreativen müssen erkennen, dass wir die Macht haben”, sagt River Johnson, 29, eine Influencerin aus Half Moon Bay, Kalifornien, über die Beziehung zwischen Influencern und Marken: “Sie brauchen uns, nicht umgekehrt.”


Die Marken, von Auto über Mode bis Wein bestimmen bei Influencern wie das Geschäft läuft. Bislang. Die meisten Kreativen arbeiten ohne einen Manager oder Agenten. Es gibt keine Standardhonorare für die Erstellung eines Beitrags für eine Marke oder die Schaltung digitaler Werbung neben ihren Videos und Beiträgen. Verträge mit Marken werden durch eine unübersichtliche Mischung aus Direktnachrichten und E-Mails ausgehandelt. “Creators” sind in der Regel auch Ein-Personen-Unternehmen, die als Medien- und Marketing-Mini-Agenturen in einem agieren. Sie konzipieren, drehen, bearbeiten, bewerben und schreiben ihre eigenen Inhalte, manchmal mit Unterstützung eines Ehepartners oder Partners, und das täglich auf mehreren sozialen Plattformen. Das kann eine zeitraubende und zermürbende Arbeit sein, die zu Burnout führen kann.


Und während Marken in der Regel über viele Informationen über Kreative verfügen – Influencer-Marketing-Plattformen ermöglichen es Unternehmen, Millionen von Influencern nach Anzahl der Follower, demografischen Merkmalen und Social-Media-Plattformen zu sortieren und zu filtern – haben Kreative nur wenige Informationen über Marken und deren Bezahlung. Das ändert sich gerade! (hier weiterlesen auf digitaldaily.de )

“Influencer” hört sich cool an – ist aber durchaus harte Arbeit. Bild: expresswriters, L.A.

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Wolfgang Zehrt
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