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Wenn der Staat baut, wird es teuer

Wenn der Staat baut, wird es teuer

Ob in absehbarer Zeit Flugzeuge vom Berliner Flughafen BER abheben, ist fraglich. Wann die ersten Züge in den neuen Stuttgarter Bahnhof einfahren, darüber kann ebenfalls nur spekuliert werden. Das sind nur zwei Großbaustellen, an denen der Staat beteiligt ist und die unter keinem guten Stern stehen. Warum dauern Bauvorhaben des Staates unendlich lange und warum sind sie letztendlich so teuer?

Das vorprogrammierte Chaos

Die Elbphilharmonie in Hamburg, der BER Flughafen in Berlin und jetzt Stuttgart 21, das Prestigeobjekt der Bahn – die Liste der Baudesaster ist lang. Kritiker sehen die Unfähigkeit der Politik, große Bauprojekte zu stemmen, in der völlig verfehlten Planung, die sich zu sehr am Wahlkalender orientiert. Die dramatisch steigenden Kosten und die ständigen Verzögerungen sind ein Chaos mit Ansage, denn es geht nicht um Sachfragen, sondern einzig und alleine um politische Erwägungen.

Mit Absicht falsch berechnet

Stuttgart 21, der unnötige Bahnhof in der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg, kostet nach aller Voraussicht eine Milliarde mehr, Eröffnung wird wahrscheinlich erst Ende 2024 sein. Ob es wirklich bei den 7,6 Milliarden Euro Baukosten bleibt, ist eine spannende Frage. Die Kosten werden, wie bei allen Bauprojekten, an denen der Bund beteiligt ist, nach unten „korrigiert“, damit die Bauvorhaben beginnen können. In den meisten Fällen wissen die Beteiligten sehr genau, dass es letztendlich viel teurer wird.

Erst planen, dann bauen

Normalerweise beginnt ein Bauvorhaben erst nach der Planung, jedoch nicht bei den Bauvorhaben, bei denen der Staat seine Finger im Spiel hat. Ein schönes Beispiel ist die Elbphilharmonie in Hamburg. Dort wurde die Bauausführung viel zu schnell und zu früh vergeben. Wichtige Planungsparameter lagen zu diesem frühen Zeitpunkt überhaupt noch nicht vor. Vorausschauend zu planen, hilft Geld sparen. Die Kosten lassen sich nur dann genau berechnen, wenn verbindliche Angebote für alle Gewerke auf dem Tisch liegen, die sich später nicht noch einmal ändern. Aber vielleicht ist das überhaupt nicht geplant, da es im Umfeld von großen Bauprojekten mit Beteiligung des Bundes immer wieder heißt, dass es Verbindungen zwischen Politik und Wirtschaft gibt.

Bauen nach dem englischen Modell ist die bessere Wahl, denn dort gehen alle Beteiligten von vornherein von einem sogenannten „Worst-Case-Szenario“ aus. Geplant wird mit sehr hohen Kosten, aber in Deutschland würde es schon ausreichen, von realen Kosten auszugehen.

Bild: @ depositphotos.com / kataklinger

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Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig. eMail: u.dietz@tixio.de