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So sorgt Airbnb für Wohnungsnot in den Großstädten

So sorgt Airbnb für Wohnungsnot in den Großstädten

Es ist Sommer, die Reisewelle rollt und viele Urlauber freuen sich über Ferienwohnungen mitten im Zentrum der europäischen Metropolen. Kaum jemand macht sich jedoch darüber Gedanken, dass die für die Ferien gemietete Wohnung mehr und mehr für Wohnungsnot in den Großstädten sorgt. Seit es Airbnb gibt, wird der Wohnraum immer knapper, da immer mehr Vermieter ihre Wohnung lieber kurzfristig und zu guten Preisen, als langfristig für eine eher geringere Miete zur Verfügung stellen.

Eigentlich eine gute Idee

Airbnb ist die Abkürzung für „Airbed and Breakfast“, also Luftmatratze und Frühstück. Joe Gebbia und Brian Chesky kamen 2008 auf die Idee, im Internet weltweit private Unterkünfte für die Ferien zu vermitteln. Diese Idee kam sehr gut an. Die Geschäftsidee der beiden hat das Urlaubsverhalten von vielen Menschen nachhaltig verändert. Mittlerweile gibt es viele verschiedene Anbieter, die alle nach dem gleichen Prinzip arbeiten. In den vergangenen Jahren ist diese Form des „Homesharing“ immer professioneller geworden und es sind ganze Wohnungen und nicht mehr nur ein Zimmer oder ein Sofa, die vermietet werden. Nicht selten haben die Wohnungen auch keine regulären Mieter mehr, es sind vielmehr verkappte Ferienwohnungen und das macht den Trend zu einem großen Problem.

Große Probleme in den Städten

Dass in den großen Städten kaum noch bezahlbarer Wohnraum vorhanden ist, ist allgemein bekannt. Unternehmen wie Airbnb, die mehrere Tausend Unterkünfte in Städten wie Berlin, Hamburg oder München haben, entziehen dem ohnehin schon sehr angespannten Markt noch mehr Wohnungen. Das verschärft den Engpass noch einmal und für Wohnungsexperten ist es ein unhaltbarer Zustand. Die Grundidee von Airbnb ist toll, aber die Entwicklung, die dieser Trend genommen hat, ist beunruhigend. Zusätzlich verstärkt sich der Konflikt zwischen den ortsansässigen Hotels und den Anbietern von Ferienwohnungen. Die Hotels beklagen sich zunehmend und auch völlig zurecht darüber, dass sie strenge Auflagen für Hygiene und Brandschutz einhalten müssen, während Anbieter wie Wimdu oder Airbnb machen, was sie wollen. Auch bei der Besteuerung fühlen sich die Hotels und Pensionen gegenüber den Anbietern von Ferienwohnungen im Nachteil.

Die Mieter beschweren sich

Die Mietervereine in den deutschen Großstädten schlagen Alarm, denn es gibt immer öfter Probleme mit den Mietern von Airbnb in Mehrfamilienhäusern. An einem konkreten Beispiel wird schnell klar, wo die Probleme liegen und warum sich die Mieter so aufregen. Es sind nicht nur Feriengäste oder Geschäftsreisende, die eine Wohnung mieten, oft sind es auch die Teilnehmer eines Junggesellenabschieds, die diese Art der Übernachtungsmöglichkeit wählen. Für die Mieter bedeutet so ein Junggesellenabschied nicht nur viel Lärm, sondern auch völlig verdreckte Treppenhäuser. Zudem haben die regulären Mieter überhaupt keinen Überblick mehr, wer im Haus wohnt, da ständig fremde Menschen im Treppenhaus unterwegs sind. Das stärkt nicht unbedingt das Sicherheitsgefühl im Haus. Aus der Sicht der Mieter sollte das „Homesharing“ verboten werden, da nur eine Gewinnerwartung und nicht der Familienanschluss, wie ursprünglich geplant, dahinter stehen.

Der Gewinn kann sich sehen lassen

Städte wie Köln und Düsseldorf üben ebenfalls scharfe Kritik an den vielen „Homesharing-Portalen“. Die Städte stört vor allem, dass man mit dieser Art der Vermietung deutlich mehr Geld verdienen kann, als mit normalen unbefristeten Mietverträgen. So ist in einer Stadt wie Köln der Preis für das „Homesharing“ dreimal so hoch wie das, was monatlich an Mietzins gezahlt wird. Bereits seit vier Jahren versucht die Domstadt, mit einer Wohnraumschutzsatzung gegen Airbnb und andere Anbieter vorzugehen. Diese Verordnung soll effektiv verhindern, dass sich immer mehr Mietwohnungen in Beherbergungsbetriebe verwandeln. Leider gilt das nur für die Wohnungen, die nach 2014 temporär zur Verfügung stehen, für den Zeitraum davor hat die Stadt keine Handhabe.

Die Anbieter sehen das anders

Keine Überraschung ist, dass Anbieter wie Airbnb sich nur bedingt als Problem in diesem Streit sehen. Dass in den Städten kaum noch Wohnungen vorhanden sind, so Airbnb, ist ein Versäumnis der Verantwortlichen in den Städten. Außerdem ist ja nicht erst seit gestern bekannt, dass ein Mehrbedarf an Wohnungen bestehe und das Problem ist nicht über Nacht entstanden. Airbnb ist davon überzeugt, dass das „Homesharing“ einen positiven Einfluss auf den Wohnungsmarkt in den Großstädten hat. Das Unternehmen unterstützt Familien dabei, in der Stadt leben zu können, ein Luxus, den sich die meisten Familien sonst gar nicht leisten könnten. Die Städte sehen das anders. München beispielsweise will jetzt noch stärker als bisher gegen Airbnb und ähnliche Anbieter vorgehen.

Was München plant

Besonders in München ist Wohnraum sehr knapp und die Stadt will daher nicht weiter dabei zusehen, wie dringend benötigter Wohnraum an Urlauber vermietet wird. München will jetzt das Anbieten dieser Wohnungen wie auch die Werbung verbieten. Der Sozialreferent der Stadt geht aber noch weiter. Er möchte, dass alle Betreiber von Plattformen und auch die Vermittler die jeweiligen Angebote auf ihren Webseiten löschen müssen, wenn es sich dabei um zweckentfremdete Wohnungen handelt. Alleine im vergangenen Jahr gab es rund 1000 Wohnungen in der bayrischen Hauptstadt, bei denen es zumindest einen begründeten Anfangsverdacht auf Zweckentfremdung gab. Das ist immer dann der Fall, wenn ein Wohnungseigentümer seine Wohnung länger als acht Wochen an Feriengäste vermietet. Wie viele Wohnungen es in München genau sind, die als Ferienwohnungen vermietet werden, ist nicht bekannt. Die Stadt selbst kann dazu keine Angaben machen, sondern ist auf Erhebungen der Angebote im Internet angewiesen.

Die Tricks der Investoren

Wo es eine Möglichkeit gibt, schnell Geld zu verdienen, da sind dubiose Investoren mit Sicherheit nicht allzu weit. Seit bekannt ist, wie gut sich mit Ferienwohnungen Geld verdienen lässt, kaufen immer mehr Investoren nicht nur Eigentumswohnungen, sondern gleich ganze Mietshäuser. Die Wohnungen bieten sie dann für viel Geld an Feriengäste an. Damit das Ganze nicht direkt auffällt, schreiben sie verschiedene Namen auf die Klingelschilder.

Fazit

Immer mehr Städte wollen die Auswüchse stoppen, die dem Markt Wohnungen entziehen. Städte wie Berlin haben Gesetze zum sogenannten Zweckentfremdungsverbot auf den Weg gebracht. So müssen sich alle, die eine Wohnung als Ferienwohnung vermieten wollen, beim zuständigen Bezirksamt melden, um eine Genehmigung zu bekommen. Es steht auch ein Verbot im Raum, eine Wohnung länger als 60 Tage im Jahr zu vermieten. Für die Dauer der Vermietung müssen die Vermieter gute Gründe nennen, denn nur dann bekommen sie auch eine Registrierungsnummer und dürfen ein Angebot veröffentlichen.

Bild: © Depositphotos.com / imagepointfr

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig.
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