Bundeswehr: Frauen in Führungsrollen (Berlin)
Berlin () – Das Kommando über Kriegsschiffe, Kampfflugzeuge und Panzerbesatzungen haben auch 25 Jahre nach Öffnung der Kampftruppen für Frauen immer noch weitgehend Männer in der Bundeswehr. Dies berichtet der „Focus“ unter Berufung auf eine eigene Anfrage bei der Bundeswehr.
Demnach leisten in der Luftwaffe derzeit lediglich drei Kampfflugzeug-Pilotinnen ihren Dienst bei mehr als 200 Jets, über die die Truppe verfügt. Unter den Piloten, die derzeit für die neuen, hochmodernen F-35 Kampfflugzeuge aus den USA ausgebildet werden, befindet sich gar keine Frau. Als Hubschrauber-Piloten sind aktuell zwölf Frauen im Einsatz, bei einer Gesamtzahl von knapp 300 Helikoptern in der Bundeswehr.
In der Marine kommandiert derzeit zum ersten Mal eine Frau eine der insgesamt elf Fregatten. Eine Kameradin hat das Kommando über eines der zehn Minenabwehrboote, eine weitere Offizierin befehlige eines der sechs U-Boote. Auf den Korvetten haben zurzeit nur männliche Offiziere das Kommando. Im Heer sind aktuell zwei Frauen als Leopard-2-Kommandantinnen im Einsatz und steuern einen Kampfpanzer – bei etwa 300 Waffensystemen dieses Typs. In den sechs Panzerbataillonen sind nach Bundeswehrangaben neun Frauen, die als Panzerkommandantinnen ausgebildet sind, als Einheitsführer im Einsatz, zwölf weitere Frauen mit dieser Qualifikation dienen an anderer Stelle. Im Spezialkräfteverband KSK hat bis heute keine Frau das körperlich extrem harte Auswahlverfahren für den Einsatz als Kommandosoldatin bestanden. Fünf hätten es immerhin versucht.
„Mit Blick auf diesen angestrebten personellen Aufwuchs ist eine weitere Stärkung des Frauenanteils in der Bundeswehr unverzichtbar und unser klares Ziel“, erklärte eine Sprecherin der Bundeswehr in Köln. Soldatinnen seien im Alltag des täglichen Dienstes in der Bundeswehr angekommen und in allen Laufbahn- und Dienstgradgruppen vertreten. „Sie haben die gleichen Möglichkeiten“, erklärte die Sprecherin der Bundeswehr.
„Diese Zahlen überraschen mich nicht“, kommentierte Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Europaparlaments und von 2021 bis 2024 Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag. Sie zeigten, dass sich etwas bewege, aber leider auch nur sehr langsam. Die Bundeswehr sei eine extrem männerdominierte Welt. Daran lasse sich auch nicht so schnell etwas ändern, wie man das im zivilen Leben erwarten könne. Strack-Zimmermann führte weiter aus, sie glaube, dass Frauen das Potenzial hätten, alles in der Bundeswehr zu machen. Und sie zeigten auch, dass sie das könnten. Aber sie brauchten einen langen Atem, um dort hinzukommen.
Die Grünen-Abgeordnete und Verteidigungspolitikerin Jeanne Dillschneider erklärte, es brauche weibliche Vorbilder bei der Bundeswehr. Leider zeigten die Zahlen, dass es abseits vom Unterstützungsbereich noch zu wenige gebe.
Erst 1975 konnten Frauen auf freiwilliger Basis in den Sanitäts- und Militärmusikdienst eintreten, seit einem wegweisenden Gerichtsurteil stehen ihnen seit 2001 alle Laufbahnen – auch in den Kampftruppen – offen.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Jeanne Dillschneider
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
Bundeswehr, Focus, FDP, Europaparlament, Verteidigungsausschuss, Bundestag, Bündnis 90/Die Grünen, Grüne
Wann ist das Ereignis passiert?
Datum/Zeitraum des Ereignisses: Nicht erwähnt.
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Berlin, Köln
Worum geht es in einem Satz?
25 Jahre nach Öffnung der Bundeswehr-Kampftruppen für Frauen zeigen die von der „Focus“-Anfrage berichteten Zahlen weiterhin einen stark männerdominierten Führungs- und Einsatzbereich: Frauen sind etwa in der Luftwaffe nur mit sehr wenigen Pilotinnen vertreten, in der Marine teils erstmals als Kommandantinnen einzelner Schiffe, während im Heer und bei den Spezialkräften ihr Anteil insgesamt gering bleibt.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Die Öffnung der Kampftruppen für Frauen seit 2001 durch ein wegweisendes Gerichtsurteil
- Der fortbestehende Umstand, dass nach 25 Jahren Frauen weiterhin nur sehr geringe Anteile in den Kommandobereichen bestimmter Waffengattungen der Bundeswehr haben
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- FDP-Abgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann erklärte, die Zahlen überraschten sie nicht, zeigten aber, dass sich etwas bewege, jedoch nur sehr langsam, und verwies auf eine extrem männerdominierte Bundeswehr
- Grüne-Abgeordnete Jeanne Dillschneider sagte, es brauche weibliche Vorbilder, die Zahlen zeigten jedoch, dass es außerhalb des Unterstützungsbereichs zu wenige Frauen gebe
Welche Konsequenzen werden genannt?
- In mehreren Teilstreitkräften der Bundeswehr bleibt der Anteil von Frauen in Führungs- und Kommandopositionen nach wie vor sehr gering
- In der Luftwaffe ist die Zahl von Kampfflugzeug-Pilotinnen äußerst niedrig, und bei der F-35-Ausbildung sind derzeit keine Frauen unter den Pilotinnen und Piloten
- In der Marine ist trotz erster Frauen in einzelnen Kommandos die Verteilung auf weitere Schiffstypen weiterhin überwiegend männlich
- Im Heer sind Frauen als Leopard-2-Kommandantinnen zwar im Einsatz, insgesamt aber bleibt der Anteil an ausgebildeten und einsetzbaren Frauen im Panzerbereich begrenzt
- Im Spezialkräfteverband KSK hat bisher keine Frau das Auswahlverfahren für den Einsatz als Kommandosoldatin bestanden, obwohl es Versuche gab
- Der angestrebte personelle Aufwuchs erfordert eine stärkere Beteiligung von Frauen, um den Frauenanteil in der Bundeswehr weiter auszubauen
- Die sehr langsame Veränderung bei Zahlen und Besetzungen wird politisch kritisiert und als strukturelles Problem wahrgenommen
- Es besteht Bedarf an mehr weiblichen Vorbildern, insbesondere außerhalb von Unterstützungsbereichen
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja. Es werden u. a. Stellungnahmen der Bundeswehr-Sprecherin („…unverzichtbar… unser klares Ziel…“), von Marie-Agnes Strack-Zimmermann („Diese Zahlen überraschen mich nicht…“) sowie von Jeanne Dillschneider zitiert.
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