Gesellschaftlicher Gedenktag in Wiesbaden
Wiesbaden () – Innenminister Roman Poseck (CDU) hat am Sonntag bei der zentralen Veranstaltung zum 13. Hessischen Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation dazu aufgerufen, die Erinnerung an das Leid der Betroffenen lebendig zu halten und daraus Verantwortung für Gegenwart und Zukunft abzuleiten. Das teilte das Hessische Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz mit.
Der Gedenktag wurde im Schloss Biebrich gemeinsam mit dem zentralen „Tag der Heimat“ des Bundes der Vertriebenen, Landesverband Hessen, begangen. Poseck übernahm in Vertretung von Ministerpräsident Boris Rhein die Rede der Hessischen Landesregierung.
Der diesjährige „Tag der Heimat“ stand unter dem Motto „Bekenntnis und Verantwortung: Unser Kulturgut verbindet Europa“.
Im thematischen Mittelpunkt stand die deutsche Minderheit in Ungarn. Die Festrede hielt Patrik Schwarcz-Kiefer, Mitglied des Europäischen Ausschusses der Regionen sowie des Komitatsrates von Baranya in Ungarn.
Poseck sagte: „Heute erinnern wir an Millionen Menschen, die ihre Heimat verloren haben. Wir erinnern an Flucht und Vertreibung, an Deportation, Gewalt und Entrechtung. Hinter diesen Begriffen stehen Menschen, Familien und Lebensgeschichten. Viele verloren Angehörige, Besitz und Heimat. Viele verloren ihr Leben.“
Er verwies darauf, dass die Geschichte von Flucht und Vertreibung nicht nur von Verlust erzähle. Menschen hätten unter schwierigsten Bedingungen Sprache, Glauben, Traditionen und Kultur bewahrt und nach dem Verlust ihrer Heimat ein neues Leben aufgebaut.
Gerade Hessen sei davon geprägt: Heimatvertriebene hätten nach dem Zweiten Weltkrieg Häuser gebaut, Betriebe gegründet, Vereine und Gemeinden mitgestaltet und Verantwortung in Politik, Kirche und Gesellschaft übernommen. Auch Aussiedler und Spätaussiedler hätten in Hessen eine neue Heimat gefunden und das Land mit ihrer Lebensleistung, ihren Erfahrungen und ihrer Kultur bereichert.
Der Gedenktag stand auch im Zeichen des 85. Jahrestages des sogenannten Stalin-Erlasses.
Mit dem Erlass vom 28. August 1941 ordnete die sowjetische Führung unter anderem die Auflösung der Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen sowie die Deportation der dort lebenden deutschen Bevölkerung nach Sibirien und Zentralasien an. Hunderttausende Menschen verloren ihre Heimat, Familien wurden auseinandergerissen und zahlreiche Betroffene später zur Zwangsarbeit herangezogen.
Hessen hält seit mehr als vier Jahrzehnten die Patenschaft über die Volksgruppe der Wolgadeutschen; rund 280.000 Menschen mit Aussiedler- und Spätaussiedlerhintergrund haben in Hessen eine neue Heimat gefunden. Poseck betonte, der Jahrestag erinnere an Entrechtung, Deportation und Leid.
Zugleich beeindrucke ihn, wie es den Betroffenen und ihren Nachkommen gelungen sei, über Generationen ihre kulturelle Identität zu bewahren.
Mit Blick auf die Ukraine sagte Poseck, seit dem russischen Angriff erlebten die Menschen mitten in Europa wieder, was man gehofft habe, überwunden zu haben. Familien würden auseinandergerissen, Städte und Dörfer zerstört, Kinder wüchsen mit Krieg und Angst auf.
Frieden, Freiheit und eine sichere Heimat seien keine Selbstverständlichkeiten. Die Solidarität mit der Ukraine sei für Hessen nach bald fünf Jahren Krieg nicht nur eine Selbstverständlichkeit, sondern auch eine Frage völkerrechtlicher, humanitärer und historischer Verantwortung.
Er sehe mit großer Sorge, dass politische Kräfte an den extremen Rändern erstarkten, die die Ukraine im Stich lassen und Putin Türen öffnen wollten. Diese Politik sei verantwortungslos, weil sie Aggressoren belohne und Angriffskriegen Vorschub leiste.
Zudem würde sie die Grundlage für Flucht und Vertreibung in enormer Dimension schaffen. Poseck sagte: „Wir können die Geschichte nicht ändern. Aber wir können aus der Erfahrung von Flucht, Vertreibung und Deportation Verantwortung ableiten: für Frieden, Freiheit und Verständigung in Europa. Heimat braucht Erinnerung. Erinnerung braucht Begegnung. Und Begegnung schafft Verbindung.“
Der Beauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Andreas Hofmeister, betonte ebenfalls die Bedeutung des Gedenktages.
Er sagte, Veranstaltungen wie dieser Gedenktag behielten für die Pflege der Erinnerungskultur und für das Bewusstsein der langen Linien hessischer, deutscher und europäischer Geschichte hohe Relevanz. Zugleich richte man den Blick auf Gegenwart und Zukunft, um Schicksal und Leistungen von deutschen Heimatvertriebenen, Aussiedlern und Spätaussiedlern im kollektiven Gedächtnis des Landes zu bewahren und daraus die richtigen Lehren zu ziehen.
Der Ausspruch „Zukunft braucht Herkunft“ fasse dieses Ziel in wenigen Worten zusammen. Hofmeister hielt zum Abschluss des gemeinsamen Festaktes das Schlusswort.
Die Siebenbürger Musikanten Rüsselsheim und Musiker der Jungen Musik Hessen gestalteten den Festakt musikalisch.
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Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
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Roman Poseck am 20.09.2026, HMdI / Frank Zinn via
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Roman Poseck, Boris Rhein, Patrik Schwarcz-Kiefer, Andreas Hofmeister, Frank Zinn
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
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Wann ist das Ereignis passiert?
Das Ereignis fand am Sonntag, 20.09.2026 statt (zentrale Veranstaltung zum 13. Hessischen Gedenktag).
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Schloss Biebrich, Wiesbaden
Worum geht es in einem Satz?
Innenminister Roman Poseck (CDU) rief am 13. Hessischen Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation in Wiesbaden dazu auf, das Leid der Betroffenen in Erinnerung zu halten und daraus Verantwortung für Frieden, Freiheit und Begegnung in Gegenwart und Zukunft abzuleiten.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Erinnerung an das Leid der Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation lebendig zu halten und daraus Verantwortung für Gegenwart und Zukunft abzuleiten
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- Jahrestag des sogenannten Stalin-Erlasses vom 28. August 1941
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- Innenminister Roman Poseck ruft dazu auf, die Erinnerung an das Leid von Flucht, Vertreibung und Deportation lebendig zu halten und Verantwortung für Gegenwart und Zukunft abzuleiten
- Die Rede wird als Teil der zentralen Veranstaltung zum 13. Hessischen Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation sowie des zentralen Tags der Heimat begangen
- Poseck betont zudem mit Blick auf den Krieg in der Ukraine die Solidarität Hessens, warnt vor extremen politischen Kräften und verbindet dies mit historischer Verantwortung und Folgen für Frieden und Heimat
- Andreas Hofmeister hebt die Bedeutung der Veranstaltung für Erinnerungskultur, Bewusstsein historischer Entwicklungen und die Lehren für Gegenwart und Zukunft hervor
- Kein konkreter Bericht über Reaktionen von Politik, Öffentlichkeit oder Medien auf die Veranstaltung im Text enthalten
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Verantwortungsbewusste Ableitung für Frieden, Freiheit und Verständigung in Europa
- Stärkung von Erinnerungskultur und historischer Bewusstseinsbildung
- Pflege und Weitergabe kultureller Identität über Generationen
- Betonung humanitärer sowie völkerrechtlicher und historischer Verantwortung
- Solidarität mit Betroffenen von Krieg und Gewalt sowie Unterstützung für die Ukraine
- Warnung vor gesellschaftlicher Spaltung und dem Erstarken extremistischer politischer Kräfte
- Förderung von Begegnung und Verbindung als Beitrag zu Stabilität und Zusammenhalt
- Sicherung der Würdigung von Leistungen und Schicksalen deutscher Heimatvertriebener, Aussiedler und Spätaussiedler im kollektiven Gedächtnis
- Ableitung von Lehren für Gegenwart und Zukunft aus Erfahrungen von Flucht, Vertreibung und Deportation
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja. Es wird die Stellungnahme von Innenminister Roman Poseck (CDU) sowie des Beauftragten Andreas Hofmeister zitiert.
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