Klimapolitik in Erlangen unter Kritik
Erlangen () – Der Erlanger Paläobiologe Wolfgang Kießling hat die derzeitige Klimapolitik scharf kritisiert. „Dieses Halbherzige bringt gar nichts“, sagte der Professor für Paläobiologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen den Zeitungen der Mediengruppe Bayern (Freitagausgabe). Jedes Zehntelgrad, das sich an Erwärmung verhindern lasse, zähle.
Die 1,5-Grad-Grenze des Pariser Klimaabkommens sei aus seiner Sicht bereits nicht mehr zu halten. Weltweit und auch in Europa gehe die Entwicklung derzeit eher zurück. Wirtschaftliche Interessen würden gegen Klimaschutz ausgespielt, obwohl die Folgekosten des Klimawandels deutlich höher seien.
Wenn alle derzeit beschlossenen Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt würden, steuere die Welt auf eine Erwärmung von etwa 2,8 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts zu. „Für die Ökosysteme wird es furchtbar, aber für uns Menschen wird es genauso furchtbar“, sagte er.
Bei einer Erwärmung um zwei Grad würden Küstenökosysteme wie Korallenriffe wahrscheinlich weltweit kollabieren und damit auch als Küstenschutz ausfallen, so Kießling. Rund 500 Millionen Menschen seien zudem von Fischbeständen abhängig, die an Korallenriffe gebunden seien.
„100 Prozent des Klimawandels sind menschengemacht“, erklärte der Wissenschaftler, der zwischen 2016 und 2022 dem Weltklimarat IPCC angehörte und einer der Hauptautoren des Weltklimaberichts 2022 war. Zwar habe es auch früher erhebliche Klimaveränderungen gegeben. Historische Ereignisse wie die mittelalterliche Warmzeit oder die Kleine Eiszeit seien jedoch überwiegend regional begrenzt gewesen. Heute finde die Erwärmung dagegen weltweit statt.
Besonders bedroht seien Kießling zufolge endemische Arten, die nur in kleinen Verbreitungsgebieten vorkommen. Im Meer wanderten Arten derzeit im Schnitt etwa fünf Kilometer pro Jahr polwärts, an Land etwa einen Kilometer. Als bislang eindeutig auf den Klimawandel zurückgeführtes Aussterbeereignis nannte Kießling die Mosaikschwanzratte. Ihr Lebensraum auf einer kleinen Insel zwischen Australien und Neuguinea sei durch Meeresspiegelanstieg, Versalzung und den Verlust der Vegetation zerstört worden.
Neben dem Klimaschutz müsse sich die Gesellschaft stärker an die bereits unvermeidbaren Folgen anpassen. Deutschland habe dabei eine „Anpassungslücke“, sagte Kießling. Städte müssten etwa mehr Grünflächen und Kühlräume schaffen und Versiegelungen aufbrechen. Die Vorbereitung von Pflege- und Altenheimen auf Hitzewellen sei unzureichend.
Das Ausheben einzelner Flüsse zur Verbesserung der Schiffbarkeit bezeichnete Kießling als „ökologischen Schwachsinn“. Es löse das eigentliche Problem des Wassermangels nicht. Stattdessen müsse die Infrastruktur an die klimatischen Bedingungen der Zukunft angepasst werden.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Wolfgang Kießling
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen, Zeitungen der Mediengruppe Bayern, Weltklimarat IPCC, Weltklimabericht 2022, Paris Klimaabkommen, dts Nachrichtenagentur
Wann ist das Ereignis passiert?
Zeitraum/Datum: Freitag-Ausgabe (ohne genaues Datum).
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Erlangen
Worum geht es in einem Satz?
Der Erlanger Paläobiologe Wolfgang Kießling kritisiert die aktuelle Klimapolitik als unzureichend und warnt, dass selbst bei umgesetzten Maßnahmen die Erwärmung voraussichtlich deutlich über 1,5 °C hinausgeht und mit gravierenden Folgen für Ökosysteme und Menschen sowie einer nötigen, bisher zu schwachen Anpassung an den Klimawandel einhergeht.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Kritische Einschätzung der derzeitigen Klimapolitik
- Blockade wirtschaftlicher Interessen gegen Klimaschutz
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- Keine explizite Beschreibung, wie Politik, Öffentlichkeit oder Medien auf die Aussagen reagiert haben
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Erreichbarkeit der 1,5-Grad-Grenze des Pariser Klimaabkommens wird als bereits nicht mehr gegeben bewertet
- Wahrscheinlichkeit einer Erwärmung von etwa 2,8 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts bei Umsetzung der derzeit beschlossenen Klimaschutzmaßnahmen
- Schwere Schäden für Ökosysteme insbesondere bei höherer Erwärmung
- Küstenökosysteme wie Korallenriffe könnten bei etwa zwei Grad Erwärmung weltweit kollabieren und damit als Küstenschutz ausfallen
- Verlust von fischereilich nutzbaren Beständen, da rund 500 Millionen Menschen von an Korallenriffe gebundenen Fischbeständen abhängen
- Endemische Arten könnten besonders bedroht sein, mit Verschiebung von Artenverbreitungen und daraus folgenden Risiken
- Bereits unvermeidbare Folgen erfordern stärkere Anpassung
- Deutschland habe eine Anpassungslücke
- Städte müssten mehr Grünflächen und Kühlmöglichkeiten schaffen und Versiegelungen reduzieren
- Pflege- und Altenheime müssten besser auf Hitzewellen vorbereitet sein
- Anpassung der Infrastruktur an klimatische Bedingungen der Zukunft wird als notwendiger angesehen
- Ausbleiben wirksamer Schritte würde höhere Folgekosten des Klimawandels wahrscheinlicher machen
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja. Der Erlanger Paläobiologe Wolfgang Kießling wird mit mehreren direkten Zitaten zitiert („Dieses Halbherzige bringt gar nichts“ usw.).
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