Gesellschaft: Sonnencreme und Hautkrebsprävention
Hamburg () – Eine große Mehrheit der Deutschen vertraut auf die Wirkung von Sonnencreme. Das zeigt eine Umfrage des Sozialforschungsinstituts Infas für die Wochenzeitung „Die Zeit“. Demnach sagten 66 Prozent der 1.018 im Mai Befragten, sie seien eher bis vollständig überzeugt davon, dass Sonnencreme sie vor Hautkrebs schützt, 15 Prozent waren wenig bis gar nicht überzeugt.
Die Ergebnisse stehen im Kontrast zu aktuellen Einschätzungen von Experten, die derzeit eine neue medizinische Leitlinie zur Hautkrebsprävention erarbeiten. „Zwar zeigen manche Untersuchungen einen schützenden Effekt von Sonnencreme, andere aber deuten in die andere Richtung“, sagte die Gesundheitsforscherin Inga-Marie Hübner der „Zeit“.
Hübner ist Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Dermatologische Prävention und hat den Entwurf zur neuen Leitlinie maßgeblich mitverfasst. Dort heißt es, auf Basis der identifizierten Evidenz könne „nicht eingeschätzt werden, ob Sonnenschutzmittel einen ausreichenden Schutz vor Hautkrebs bieten“.
Hübner warnte vor einem „falschen Sicherheitsgefühl“. Viele Menschen glaubten, sie seien durch Sonnencreme rundum geschützt, „und legen sich dann den ganzen Tag an den Strand“. Wenn außerdem noch der tatsächliche Lichtschutzfaktor wesentlich geringer sei, als es auf der Packung stehe, und die Menschen von dieser Creme nur die Hälfte der Menge auftrügen, die notwendig sei, um diesen Lichtschutzfaktor zu erreichen. Dann „wundert es mich nicht, dass wir keinen Zusammenhang zwischen der Anwendung von Sonnenschutzmitteln und der Prävention von Hautkrebs erkennen“, sagte sie.
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) empfiehlt einen hohen Lichtschutzfaktor (LSF) von mindestens 30. Aufenthalte in großen Höhen, auf Schnee, am Wasser und in sonnenreichen Regionen erfordern ein Sonnenschutzmittel mit einem sehr hohen Lichtschutzfaktor (50+), so das Bundesamt. Um den auf dem Sonnenschutzmittel ausgewiesenen Lichtschutzfaktor zu erreichen, müssen zwei Milligramm des Sonnenschutzmittels pro Quadratzentimeter Haut aufgetragen werden. Das sind bei einem Erwachsenen vier gehäufte Esslöffel für den ganzen Körper.
Der Lichtschutzfaktor gibt an, wie viel länger man sich theoretisch mit einem Sonnenschutzmittel der Sonne aussetzen kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Dafür wird der Faktor mit 10 Minuten multipliziert. Die theoretische Schutzdauer sollte lauf BfS allerdings höchstens zu 60 Prozent ausgeschöpft werden.
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| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Sonnencreme (Archiv) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Inga-Marie Hübner
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
Sozialforschungsinstitut Infas, Die Zeit, Arbeitsgemeinschaft für Dermatologische Prävention, Inga-Marie Hübner, Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), dts Nachrichtenagentur
Wann ist das Ereignis passiert?
Zeitraum/Datum des Ereignisses:Mai (Erhebungszeitraum der Umfrage: „1.018 im Mai Befragten“).
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Hamburg
Worum geht es in einem Satz?
Laut einer Umfrage sind 66 % der Deutschen überzeugt, dass Sonnencreme vor Hautkrebs schützt, während Expertinnen wegen widersprüchlicher Studien und Risiken eines falschen Sicherheitsgefühls vor zu großer Sicherheit warnen und auf die Notwendigkeit sehr hoher Lichtschutzfaktoren (mind. 30 bzw. 50+) sowie eine korrekte, ausreichende Auftragsmenge hinweisen.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Uneindeutige bzw. widersprüchliche Studienlage zum schützenden Effekt von Sonnencreme auf Hautkrebs
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- Keine Reaktion von Politik
- Keine Reaktion von Öffentlichkeit
- Keine Reaktion von Medien beschrieben
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Die Wirksamkeit von Sonnencreme gegen Hautkrebs ist wissenschaftlich nicht eindeutig einschätzbar
- Menschen können ein falsches Sicherheitsgefühl entwickeln und sich weiterhin längerer UV-Belastung aussetzen
- Es besteht das Risiko, dass Sonnencreme nicht in ausreichender Menge aufgetragen wird, wodurch der tatsächliche Schutz geringer ausfällt
- Die Präventionswirkung von Sonnenschutzmitteln könnte dadurch ausbleiben oder geringer sein als erwartet
- Unzureichender oder falsch genutzter Sonnenschutz kann die Hautschutzstrategie insgesamt schwächen
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja, es wird eine Stellungnahme von der Gesundheitsforscherin Inga-Marie Hübner zitiert („Zwar zeigen manche Untersuchungen…“ sowie weitere Aussagen).
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