Politik in Berlin: Social-Media-Druck
Berlin () – Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) wirft Abgeordneten vor, das Parlament für die Selbstdarstellung in sozialen Medien zu nutzen. Sie kritisiere es, wenn das Parlament nur noch als Bühne für das nächste Tiktok-Reel missbraucht werde und in Reden statt der Kollegen im Saal die eigenen Follower begrüßt würden, sagte Klöckner der „Welt am Sonntag“. „Da gehen wir sofort dazwischen.“ Das Plenum sei das Schaufenster der parlamentarischen Arbeit und keine Influencer-Agentur oder Klick-Ökonomie. „Kurzum: Demokratie ist nicht immer das Schnellste, aber sie hilft uns, das Schlimmste zu verhindern.“
Klöckner sagte weiter, dass dauerhafte Akzeptanz nicht durch Zuspitzung und Lautstärke entstehe, sondern durch Verlässlichkeit und Ernsthaftigkeit. Es sei ein Garant für eine stabile Demokratie, dass es feste Regeln gebe und nicht der gewinne, der am schnellsten auf ein Knöpfchen drücken könne. Die Christdemokratin stellte einen enormen Druck der sozialen Medien auf Bundestagsabgeordnete fest. Heute sei man ab dem ersten Tag im Dauerfeuer der sozialen Medien. Die Familie werde mit reingezogen, und leider gebe es den Trend, die eigene Entscheidung von der Wirkung auf diesen Plattformen abhängig zu machen.
Auf die Frage nach den politischen Rändern im Bundestag betonte Klöckner, es brauche absolute Stringenz und Klarheit in der Umsetzung der Regeln. Das Präsidium habe fraktionsübergreifend vereinbart, diese sehr nachvollziehbar anzuwenden. Man habe etwa die Geschäftsordnung geändert und Ordnungsgelder von bis zu 4.000 Euro eingeführt. Wer fehle oder nicht mit abstimme, zahle zudem jetzt spürbar mehr als bisher. Auch persönliche Herabwürdigungen, plakative T-Shirts oder Spruchbänder im Plenarsaal ließe man nicht zu. „Wir sind ein Parlament des Wortes – und nicht der Inszenierung im Plenarsaal.“
Zum Thema Sicherheit erklärte Klöckner, dass sie in acht Fällen den Hausausweis aus sehr schwerwiegenden Gründen verweigert habe – basierend auf einer erweiterten Zuverlässigkeitsüberprüfung. Ein Fall sei öffentlich gewesen: Wenn ein Mitarbeiter mit einem russischen Agenten eine GmbH gründe und sich überall im Haus frei bewegen könne, sei das gefährlich. Nach jetziger Rechtslage bekämen diese Personen zwar keinen Hausausweis, aber sie blieben angestellt und würden aus Steuergeld bezahlt. Sie habe die Fraktionen adressiert, hier eine Lösung zu finden. Wer eine Gefahr für das Parlament darstelle, dürfe nicht faktisch vom Parlament bezahlt werden.
Auf die Frage nach „Weimarer Verhältnissen“ sagte Klöckner, wer mit offenen Augen durch das Land gehe, müsse spüren, dass die Demokratie und ihre Institutionen massiv unter Druck stünden. Früher habe gegolten: Man streite in der Sache, stelle aber nicht das System an sich in Frage. Heute werde das System von mehreren Seiten attackiert. Was sie dabei wirklich umtreibe, sei, dass man das respektvolle Diskutieren verlernt habe. „Es geht fast nur noch um Bekenntnisse: Bist du nicht für mich, bist du mein Feind.“ Weicht jemand von der eigenen Meinung ab, werde er oft sofort als extremistisch, wahlweise als Nazi oder Mauerschützer abgestempelt. Damit inflationiere man diese Begriffe und verliere das Gespür dafür, wann wirklich Gefahr im Verzug sei. In einer Demokratie müsse man es auch ertragen, dass jemand dummes Zeug rede. Das sei von der Verfassung gedeckt. Man müsse dann aber auch mit Widerspruch leben können. Wenn das nicht mehr vorgesehen sei, gehe die Debatte kaputt. Das mache denkfaul – „Gesinnung ersetzt Intellekt“.
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| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Julia Klöckner (Archiv) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Julia Klöckner
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, CDU, Bundestag, Parlament, Plenum, Christdemokratin, Präsidium, Fraktionen, GmbH, Hausausweis, Mitarbeiter, russischer Agent, „Welt am Sonntag“, dts Nachrichtenagentur, „Knöpfchen“ (sinngemäße Formulierung), Weimarer Verhältnisse, Verfassung.
Wann ist das Ereignis passiert?
Datum/Zeitraum: Nicht erwähnt
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Berlin
Worum geht es in einem Satz?
Julia Klöckner (CDU) kritisiert, dass Abgeordnete das Parlament für Selbstdarstellung in sozialen Medien missbrauchten, betont die Notwendigkeit klarer Regeln gegen solchen Einfluss und warnt zugleich vor dem zunehmenden Druck sowie dem Verlust respektvoller Debattenkultur in der Demokratie.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Social-Media-Selbstdarstellung von Abgeordneten im Plenum
- Reden mit Ansprache eigener Follower statt der Kollegen im Saal
- Nutzung des Bundestags als Bühne für TikTok-Reels bzw. Klick-Ökonomie
- Dauerhafter Druck der sozialen Medien auf Abgeordnete seit dem ersten Tag
- Abhängigkeit politischer Entscheidungen von der Wirkung auf Social-Media-Plattformen
- Verwendung plakativ-inszenierender Elemente (z.B. Herabwürdigungen, T-Shirts, Spruchbänder) im Plenarsaal
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- Klöckner fordert sofortiges Dazwischentreten, wenn Abgeordnete das Parlament für Social-Media-Selbstdarstellung nutzen
- Das Plenum werde als Bühne für Social-Media-Inszenierung abgelehnt
- Dauerhafter öffentlicher/medialer Druck durch soziale Medien wird als Problem benannt
- Das Präsidium habe fraktionsübergreifend vereinbart, Regeln sehr nachvollziehbar anzuwenden
- Genannt werden strengere Sanktionen wie Ordnungsgelder und Einschränkungen bei Herabwürdigungen sowie Inszenierung im Plenarsaal
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Verzicht auf die Nutzung des Parlaments für Selbstdarstellung in sozialen Medien
- Stärkere Ausrichtung von Reden und parlamentarischer Arbeit auf die Inhalte statt auf Aufmerksamkeits- und Klickeffekte
- Einhalten und Durchsetzen fester Regeln für eine verlässliche parlamentarische Kultur
- Kein Wettbewerb um maximale Lautstärke und Zuspitzung als Grundlage für Akzeptanz
- Spürbar konsequentere Anwendung der Ordnungsvorschriften im Plenarsaal
- Konsequenzen für Abgeordnete bei Fehlen oder fehlender Zustimmung durch erhöhte Ordnungsgelder
- Ausschluss bzw. Unterbindung von persönlichen Herabwürdigungen sowie plakativem Auftreten im Plenarsaal
- Verhinderung von Situationen, in denen Sicherheitsrisiken durch unzureichende Zuverlässigkeitsprüfungen entstehen
- Ausrichtung auf eine demokratische Debattenkultur, die respektvolle Diskussion trotz Widerspruch ermöglicht
- Eindämmung von inflationärer Etikettierung und Abwertung durch pauschale Extremismusvorwürfe
- Aufrechterhaltung der Fähigkeit, auch widersprüchliche oder unsachliche Positionen auszuhalten ohne dass die Debatte zerstört wird
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja. Julia Klöckner (CDU) wird mit mehreren Aussagen zitiert (z. B. gegenüber der „Welt am Sonntag“).
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