Finanzministerium gibt sich bei Steuersenkungen ahnungslos

Steuergesetzgebung und soziale Gerechtigkeit in Berlin

Berlin () – Das Bundesfinanzministerium weiß nach eigenem Bekunden nicht, welche Bevölkerungsgruppen von den bisherigen Steuersenkungen der schwarz-roten Koalition profitiert haben und welche nicht.

Das geht aus gleich zwei beinahe wortgleichen Schreiben des Ressorts an die Linken-Bundestagsabgeordnete Doris Achelwilm hervor, über die die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. „Der liegen keine Erkenntnisse im Sinne der Fragestellung vor“, heißt es in einem der beiden Briefe.

Achelwilm hatte vom Ministerium wissen wollen, wie sich das sogenannte Investitionssofortprogramm der Regierung und das Steueränderungsgesetz 2025 auf die unterschiedlichen Einkommensgruppen in der Bevölkerung ausgewirkt haben, also etwa auf Durchschnitts-, Gering- und Spitzenverdiener.

Mit dem Investitionsprogramm, besser bekannt als „Wachstumsbooster“, will die Regierung die wieder in Schwung bringen. Konkret geht es etwa um großzügigere Abschreibungsmöglichkeiten für Unternehmen und eine schrittweise Senkung der Körperschaftsteuer. Mit dem Steueränderungsgesetz führten Union und SPD unter anderem das Mehrwertsteuerprivileg für die Gastronomie wieder ein und hoben die Entfernungspauschale für den Weg zur an.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hatte schon vor Monaten analysiert, dass die Hauptprofiteure des „Wachstumsboosters“ vor allem „die Reichen und Superreichen“ sein dürften, da Firmen fast immer im Besitz von Haushalten mit hohen Einkommen und Vermögen seien. Konkret: Laut DIW-Schätzung werden 69 Prozent der Entlastungen, fast 20 Milliarden Euro, an das einkommensstärkste Prozent der Bevölkerung gehen, also an Haushalte mit einem jährlichen Bruttoeinkommen ab 180.000 Euro.

Weil sich die Linkspartei mit der angeblichen Ahnungslosigkeit des Finanzministeriums nicht länger abfinden will, werden Achelwilm und ihre Fraktion noch in dieser Woche einen Antrag in den Bundestag einbringen, in dem sie fordern, dass künftig jedes Steuergesetz einem „Verteilungs-Check“ unterworfen wird. Anders als bisher soll die Regierung im Gesetzentwurf nicht mehr nur angeben, welche Auswirkungen die geplanten Maßnahmen auf die öffentlichen Haushalte und die Bürokratiekosten von Bürgern und Unternehmen haben werden, sondern auch, wie die Verteilungseffekte aussehen dürften.

Konkret verlangt die Linke Angaben zur Aufsplittung von Steuererleichterungen oder -erhöhungen auf Unternehmen und Bürger, zu den Folgen für alle zehn Einkommensgruppen sowie zur jeweiligen auf die fünf, ein und 0,1 einkommensstärksten Prozent der Privathaushalte. Vorbild ist Schweden, wo derlei Effekte schon seit vielen Jahren untersucht werden.

„Es wird Zeit, sichtbar zu machen, welche Einkommensgruppen in welchen Größenordnungen steuergesetzlich be- oder entlastet werden“, sagte Achelwilm der SZ. Die amtierende Koalition aus CDU, CSU und SPD entlaste bislang ausschließlich „nach oben“. „Haushalte mit niedrigem oder mittlerem Einkommen kamen kaum in den milliardenschweren Entlastungspaketen vor, während Unternehmen und Überreiche deutlich profitiert haben dürften“, so die Linken-Politikerin, die auch Obfrau ihrer Fraktion im Bundestagsfinanzausschuss ist. „Wir wollen derartige Effekte transparent dargestellt sehen. Methodisch ist das ohne großen Aufwand möglich und in anderen Ländern längst Praxis.“

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Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: Bundesministerium der (Archiv)

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?

Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?

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Die beschriebenen Ereignisse finden in Berlin statt, insbesondere im Bundesministerium der Finanzen.

Worum geht es in einem Satz?

Das Bundesfinanzministerium hat keine Erkenntnisse darüber, welche Bevölkerungsgruppen von den aktuellen Steuersenkungen profitiert haben, was zu einem Antrag der Linkspartei führt, künftig eine transparente Verteilung der steuerlichen Entlastungen nach Einkommensgruppen zu prüfen.

Was war der Auslöser für den Vorfall?

  • Unklarheit über Begünstigte der Steuersenkungen
  • Anfrage der Linkspartei zu den Auswirkungen auf Einkommensgruppen
  • Einführung des "Wachstumsboosters"
  • Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)
  • Forderung nach Verteilungseffekten in Steuergesetzen
  • Vergleich zu Schweden bezüglich Transparenz in der Steuerpolitik

Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?

  • Bundesfinanzministerium hat keine Erkenntnisse über die Auswirkungen der Steuersenkungen auf verschiedene Bevölkerungsgruppen
  • Linken-Abgeordnete Doris Achelwilm stellt Fragen zu den Verteilungseffekten der Steuermaßnahmen
  • Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schätzt, dass vor allem Reiche von den Maßnahmen profitieren
  • Linkspartei plant Antrag im Bundestag für "Verteilungs-Checks" bei Steuergesetzen
  • Forderung nach detaillierten Angaben zu Steuererleichterungen für verschiedene Einkommensgruppen
  • Achelwilm kritisiert, dass Gering- und Durchschnittsverdiener kaum von Entlastungen profitieren
  • Vorbild für den Antrag ist Schweden, wo Verteilungseffekte bereits untersucht werden

Welche Konsequenzen werden genannt?

  • Unklarheit über die Profiteure der Steuersenkungen
  • Ungleichgewicht in der Verteilung der finanziellen Entlastungen
  • Einfluss auf das Vertrauen in die Regierung
  • Erste Schritte zur Einführung eines "Verteilungs-Checks"
  • Forderung nach transparenter Darstellung der Steuerverteilungseffekte
  • Mögliche politische Initiativen durch die Linkspartei
  • Vergleich mit anderen Ländern (z. B. Schweden) regarding Steueranalysen

Gibt es bereits eine Stellungnahme?

Ja, im Artikel wird eine Stellungnahme der Linkspartei-Abgeordneten Doris Achelwilm zitiert, in der sie auf die ungleiche Verteilung von Steuervorteilen hinweist und mehr Transparenz fordert.

Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

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