Deutschland: Autoritäre Risiken im Blick
Berlin () – Der Berliner Historiker Götz Aly hält es für möglich, dass wieder ein autoritäres Regime in Deutschland die Macht übernimmt. „Natürlich wird sich das alles nicht wiederholen mit Judenvernichtung und Gaskammern“, sagte der 79-Jährige dem „Zeitmagazin“. „Aber Schrecken dieser Art bleiben eine menschliche Möglichkeit.“
Viele Deutsche überschätzten ihre Liberalität und Aufgeklärtheit. Gerade jene, die sich ihren Vorfahren moralisch überlegen fühlten, sollten sich nicht der Einbildung hingeben, sie hätten sich in den Jahren 1933 bis 1945 deutlich besser, ja gewiss widerständiger verhalten als die damaligen Deutschen.
Laut Aly, der zahlreiche Bücher über den Nationalsozialismus veröffentlicht hat, haben viele Deutsche ein falsches Bild der NS-Jahre. „Das können Sie an den vielen gängigen Distanzierungstechniken erkennen. Schauen Sie sich einmal die Berliner Dauerausstellung `Topographie des Terrors` an. Da sehen Sie lauter SS-Fressen in gewichsten Schaftstiefeln, komischen Schirmmützen und Uniformen. Mit denen ist man im Allgemeinen weder verwandt noch verschwägert. Der deutsche Normalo jener Jahre bleibt ausgeblendet.“ Für diesen Missstand macht Aly auch die Gedenkstätten verantwortlich. Diese nähmen den durchschnittlichen Mitmacher so gut wie nie in den Blick.
„Die Vorstellung, alle seien hundertfünfzigprozentige Nazis gewesen und hätten ununterbrochen `Heil Hitler` gejubelt, weist in die falsche Richtung“, so Aly. „Autoritäre Systeme benötigen ihre vielen kleinen Stützen. Stille, ruhige Menschen, die sich durchs Leben schlängeln, so wie wir heute auch. Die haben teilüberzeugt mitgemacht, über vieles gelacht und hinweggesehen.“
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Götz Aly (Archiv)
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Götz Aly
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
Götz Aly, dts Nachrichtenagentur, Zeitmagazin, Topographie des Terrors, SS
Wann ist das Ereignis passiert?
Zeitraum/Datum: 1933 bis 1945 (NS-Zeit)
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Berlin
Worum geht es in einem Satz?
Der Berliner Historiker Götz Aly warnt im Zeitmagazin, dass in Deutschland zwar keine Wiederholung der Judenvernichtung drohe, autoritäre Regime aber grundsätzlich wieder möglich seien, und kritisiert zugleich das verbreitete falsche NS-Bild sowie die Ausblendung „des deutschen Normalos“ durch Ausstellungen und Gedenkstätten.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Möglichkeit, dass eine autoritäres Regime in Deutschland wieder die Macht übernimmt
- Unterschätzung des Risikos durch viele Deutsche und die Einbildung, in den Jahren 1933 bis 1945 deutlich besser bzw. widerständiger gehandelt zu haben
- Falsches Bild der NS-Jahre durch gängige Distanzierungstechniken und durch die Berliner Dauerausstellung „Topographie des Terrors“
- Verantwortung der Gedenkstätten dafür, dass der durchschnittliche Mitmacher so gut wie nie in den Blick genommen wird
- Autoritäre Systeme brauchen viele kleine Stützen, darunter stille, ruhige Menschen, die mitgemacht, über vieles gelacht und hinweggesehen haben
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- Keine explizite Beschreibung, wie Politik reagiert hat
- Keine explizite Beschreibung, wie Öffentlichkeit reagiert hat
- Keine explizite Beschreibung, wie Medien reagiert haben
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Risiko, dass wieder ein autoritäres Regime die Macht übernimmt
- Fortbestehen der Möglichkeit von Schrecken ähnlicher Art als menschliche Option
- Aufkommen eines falschen Geschichtsbildes durch gängige Distanzierungstechniken
- Unterschätzung des Anteils durchschnittlicher Mitmacher statt klarer Abgrenzung zu einer kleinen Elite
- Kritik an Gedenkstätten, weil sie den durchschnittlichen Mitmacher so gut wie nie in den Blick nehmen
- Gefahr einer vereinfachten Selbstvergewisserung über angeblich bessere Haltung der Deutschen in den Jahren 1933 bis 1945
- Notwendigkeit vieler kleiner Stützen in autoritären Systemen durch stilles, ruhiges Mitmachen und Hinweggesehen
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja: Götz Aly wird mit mehreren Zitaten zitiert (u. a. gegenüber dem „Zeitmagazin“).
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