Wirtschaft: Industrie unter China-Druck
Washington () – Der US-Ökonom Brad Setser warnt vor einer signifikanten Deindustrialisierung Deutschlands. Grund sei die neue Stärke der chinesischen Wirtschaft, sagte er dem „Spiegel“.
Es gebe eine „enorme Beschleunigung des chinesischen Exportwachstums“ und einen rasanten Anstieg von Chinas Überschuss im Warenhandel. Gleichzeitig sänken oder stagnierten seit Längerem die Importe der Volksrepublik. All das erzeuge einen „China-Schock 2.0“, sagte der Ökonom der Denkfabrik „Council on Foreign Relations“.
Vom ersten „China-Schock“ seien Anfang der Nullerjahre vorwiegend die USA und Südeuropa betroffen gewesen. Damals habe China dem Westen die Fertigung von T-Shirts oder Fernsehern abgenommen. Das habe sich mittlerweile geändert: „China produziert und exportiert jetzt im großen Stil E-Autos, Chemikalien oder Tunnelbohrmaschinen“, so Setser. Die Entwicklung treffe Deutschlands industriellen Kern.
Vor allem die deutsche Autoindustrie sieht Setser in Gefahr. China verfüge inzwischen über eine Kapazität für die Produktion von 55 Millionen Fahrzeugen pro Jahr. Damit könne das Land die europäische Nachfrage im Alleingang bedienen. Gleichzeitig wüchsen Chinas Exporte um mehr als drei Millionen Autos pro Jahr – etwa so viel, wie Deutschland insgesamt exportiere. „Wenn in der Bundesrepublik aber künftig keine Autos mehr gebaut werden, fällt ihre Industrie auch in anderen Bereichen hinter die technologische Spitze zurück. Langfristig muss ein Land, um konsumieren zu können, auch produzieren“, sagte der Ökonom.
Um Europas Industrie zu schützen, fordert Setser eine ganze Reihe protektionistischer Maßnahmen. Zölle auf chinesische Importe halte er „leider für notwendig – und das so schnell wie möglich, insbesondere in wichtigen Bereichen wie der Autoindustrie, bestimmten Maschinenbau- und Chemiesektoren“. Gleichzeitig müsse Europa chinesische Investoren in Gemeinschaftsunternehmen zwingen, wenn diese auf den hiesigen Markt wollten. Momentan gebe es in Europa keinen Anreiz, ein Gemeinschaftsunternehmen zu gründen. Auch über sogenannte „Buy-European“-Klauseln müsse man nachdenken. „Deutschland und Europa spielen gern nach den marktwirtschaftlichen Regeln. Im Grunde ist das gut so. Nur spielen die anderen nicht mehr danach“, so Setser.
Auf all das werde China mit Vergeltungsmaßnahmen reagieren. Europa müsse das akzeptieren, betroffenen Sektoren helfen und dann „rote Linien“ gegenüber Peking ziehen. Druckmittel habe Brüssel genügend, etwa im Flugzeugsektor oder bei Spezialchemikalien aus Europa, auf die China angewiesen sei. Auch die enormen Geldmengen Chinas, die in Europa lägen, könnten eingefroren werden. „Ich glaube, Europa könnte in einem Handelskrieg mit China zumindest ein Unentschieden erreichen“, so Setser, „strategisch gesehen wäre das ein Sieg“. Sähen die Amerikaner, dass Europa entschlossener und zugleich besonnener gegenüber Peking auftrete, könnte das ihre Bereitschaft erhöhen, sich mit Europa gegen China zusammenzuschließen.
Bist du ein guter Leser? 👍
Welcher Begriff kam im Artikel vor?
Bist du ein guter Leser? 👍
Welcher Begriff kam im Artikel vor?
Bist du ein guter Leser? 👍
Welcher Begriff kam im Artikel vor?
Bist du gut in Tic Tac Toe? 👍
Spielername und geheimes Wort gehören zusammen. Das Captcha wird nur beim ersten autorisierten Spiel für diese Kombination in diesem Browser abgefragt.
Top 3
| Platz | Name | Punkte | Siege |
|---|---|---|---|
| Lade Rangliste ... | |||
Text-/Bildquelle: |
Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
Bildhinweis: |
Containerschiff (Archiv)
|
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Brad Setser
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
Council on Foreign Relations, Spiegel, Brad Setser, Washington, dts Nachrichtenagentur, China, Deutschland, Europa, Brüssel, Peking, USA, Südeuropa, Bundesrepublik, Deutschland und Europa, Flugzeugsektor, Spezialchemikalien
Wann ist das Ereignis passiert?
Nicht erwähnt
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Washington, Deutschland, Europa, China, USA, Südeuropa, Brüssel, Peking, Deutschland
Worum geht es in einem Satz?
Der US-Ökonom Brad Setser warnt davor, dass Deutschlands Deindustrialisierung durch Chinas stark anziehendes Exportwachstum und zunehmenden Warenüberschuss ausgelöst wird („China-Schock 2.0“) und fordert zur Abschirmung Europas vor allem rasche Zölle sowie weitere protektionistische und industriepolitische Maßnahmen gegen chinesische Konkurrenz, auch wenn mit Vergeltung zu rechnen ist.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Enorme Beschleunigung des chinesischen Exportwachstums
- Rasanten Anstieg von Chinas Überschuss im Warenhandel
- Sinken oder Stagnieren von Chinas Importen seit Längerem
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- Der Artikel nennt keine konkreten Reaktionen von Politik, Öffentlichkeit oder Medien, sondern zitiert vor allem Brad Setser und fordert protektionistische Gegenmaßnahmen Europas.
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Verlust industrieller Fertigungskapazitäten in Deutschland mit Rückgang der Produktion
- Gefahr einer nachhaltigen Deindustrialisierung insbesondere in der deutschen Industrie
- Rückstand gegenüber der technologischen Spitze in mehreren Industriebereichen
- Benachteiligung der Autoindustrie durch zunehmenden Wettbewerb aus China
- Schwächung der Position anderer Branchen durch die Abkoppelung von der industriellen Kernfertigung
- Erwartung erhöhter wirtschaftlicher Spannungen zwischen Europa und China infolge protektionistischer Gegenmaßnahmen
- Notwendigkeit staatlicher Unterstützung für betroffene Sektoren zur Abfederung von Wettbewerbsnachteilen
- Entstehung oder Eskalation eines Handelskonflikts mit China inklusive möglicher Vergeltungsmaßnahmen
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja – es wird eine Stellungnahme von Brad Setser zitiert („Grund sei die neue Stärke der chinesischen Wirtschaft“ sowie weitere Aussagen, u. a. im „Spiegel“).
- CSU verteidigt Mütterrente gegen Kritik aus CDU-Arbeitnehmerflügel - 14. September 2026
- Sozialethiker Nass kritisiert Vorschlag zur KI-Verlangsamung - 14. September 2026
- Reservistenverband will OPLAN aus Sachsen-Anhalt zurückholen - 14. September 2026

