Wirtschaft & Reformen: Rente in Deutschland
Berlin () – Der Wirtschaftsweise Martin Werding warnt die Bundesregierung vor falschen Schlüssen aus der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Er sagte der „Rheinischen Post“, Bundesregierung und Bundestag dürften sich nicht „beirren“ lassen.
Sie könnten die „sorgfältig abgewogenen Reformempfehlungen“ der Alterssicherungskommission „prüfen und nötigenfalls nachjustieren“, aber sie sollten das Paket „nicht komplett aufschnüren und zerfleddern“.
Die Folgen der demografischen Entwicklung würden sich in den nächsten zehn Jahren voll entfalten, daher sei die Reform notwendig, so Werding. Zugleich warnte er vor den Folgen einer migrationsfeindlichen AfD-Politik für die Sozialkassen.
Alle aktuellen Szenarien zur zukünftigen Entwicklung der Renten- und der gesamten Sozialbeiträge basierten auf Annahmen zu einer anhaltend hohen Nettozuwanderung.
Die Ist-Zahlen hätten sich in den letzten Jahren ohnehin schon deutlich verringert. Wenn Deutschland im internationalen Wettbewerb um mobile Arbeitskräfte nicht klar signalisiere, dass Erwerbsmigration hierzulande willkommen sei, gefährde das die wirtschaftliche Entwicklung und verschärfe die Finanzierungsprobleme der Sozialsysteme, sagte der Wirtschaftsweise weiter.
Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesfinanzministerium, Jörg Rocholl.
Der „Bild“ (Dienstagausgabe) sagte Rocholl: „Ein Aufschnüren des Rentenpakets wäre exakt die falsche Konsequenz aus der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Wir brauchen mehr und nicht weniger Reformen, um die großen Herausforderungen unseres Landes zu lösen.“
Rocholl war Mitglied der Rentenkommission, die Ende Juni ihre Vorschläge vorgelegt hatte.
Der Wissenschaftler sagte, eine sichere und steigende Rente werde nur mit den Reformen möglich sein. Bei zügiger Umsetzung des Pakets seien schon für Durchschnittsverdiener Hunderte Euro mehr Rente pro Monat möglich.
„Alle Menschen werden von der Rentenreform profitieren, zum Beispiel der Durchschnittsverdiener mit 45 Beitragsjahren mit 777 Euro zusätzlich pro Monat“, sagte Rocholl der „Bild“. „Mehr und sichere Renten stehen in Aussicht. Das ist besonders wichtig für Bezieher kleiner und mittlerer Renten. Diese Chance sollte jetzt genutzt werden.“
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Martin Werding, Jörg Rocholl
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
Bundesregierung, Bundestag, Alterssicherungskommission, AfD, Bundesfinanzministerium, Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesfinanzministerium, Landtag Sachsen-Anhalt, Rentenkommission, „Rheinische Post“, „Bild“
Wann ist das Ereignis passiert?
Nicht erwähnt
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Berlin, Sachsen-Anhalt, Bundesfinanzministerium, Deutschland
Worum geht es in einem Satz?
Der Wirtschaftsweise Martin Werding warnt die Bundesregierung davor, nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt das Renten- und Reformpaket nicht „aufzuschnüren“, sondern zielgerichtet nachzusteuern, da demografische und finanzielle Herausforderungen nur mit zügigen Reformen und offener Erwerbsmigration bewältigt werden könnten.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
- Warnung vor falschen Schlüssen aus der Landtagswahl
- Reformbedarf wegen der demografischen Entwicklung
- Annahmen zu anhaltend hoher Nettozuwanderung als Basis aktueller Szenarien
- Verringerung der Ist-Zahlen der letzten Jahre
- Risiko für die Finanzierung der Sozialsysteme bei nicht klar signalisiertem Erwerben von Arbeitskräften durch Erwerbsmigration
- Gefahr der Verschärfung der Finanzierungsprobleme durch migrationsfeindliche AfD-Politik
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- Bundesregierung und Bundestag sollen sich nicht von falschen Schlüssen aus der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt beirren lassen
- Aufschnüren und zerfleddern des Rentenpakets wird als falsche Konsequenz abgelehnt
- gefordert wird mehr statt weniger Reformen und zügige Umsetzung
- Medienreaktion wird über Zitate von Martin Werding in der Rheinischen Post sowie von Jörg Rocholl in Bild beschrieben
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Gefahr, dass die Erwerbsmigration und damit die wirtschaftliche Entwicklung leidet
- Verschärfung der Finanzierungsprobleme der Sozialsysteme
- Unsicherheit über die Altersversorgung ohne rechtzeitige Reformen
- Möglichkeit, dass bei zügiger Umsetzung höhere Rentenbeträge für Durchschnittsverdiener erreichbar sind
- Aussicht auf mehr und sichere Renten insbesondere für Bezieher kleiner und mittlerer Renten
- Bessere Planbarkeit der zukünftigen Entwicklung der Renten und der Sozialbeiträge bei stabilen Annahmen zur Nettozuwanderung
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja: Es wird eine Stellungnahme von Martin Werding (Wirtschaftsweise) sowie vom Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesfinanzministerium, Jörg Rocholl, zitiert (u. a. gegenüber der „Rheinischen Post“ und „Bild“).
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