Gesellschaft: Auswirkungen auf Familien im Lockdown
Berlin () – Schulschließungen und Einschränkungen des Präsenzunterrichts während der Pandemie haben vor allem bei Müttern von Kindern im Grundschulalter dazu geführt, dass sie ihre Arbeitszeit reduzieren. Das zeigt eine neue Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin, über die die Zeitungen der Funke-Mediengruppe berichtet.
Laut der Studie sank bei Müttern von Kindern im Grundschulalter die Wahrscheinlichkeit, dass sie in Vollzeit beschäftigt sind, mit Schulschließungen um 4,8 Prozent. Die Beschäftigung insgesamt, also Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigung zusammengenommen, blieb dabei den Angaben zufolge gleich. Die Mütter arbeiteten also weniger, legten die Erwerbsarbeit aber nicht vollständig nieder.
Unter den Vätern dagegen stieg die Wahrscheinlichkeit, in Voll- oder Teilzeit beschäftigt zu sein, sogar um 5,2 Prozent – mutmaßlich, um die Einkommensverluste des Haushaltes auszugleichen, wie das DIW schreibt. Die Zahlen zeigen dabei auch einen Unterschied nach Familienstand: Unter verheirateten Paaren, die nur Kinder im Grundschulalter haben, war der Effekt deutlicher als unter nicht verheirateten Paaren derselben Gruppe.
Studienautor Markus Grabka sagte den Funke-Zeitungen, man interpretiere das so, dass verheiratete Paare eher noch als unverheiratete sich an einem klassischen Rollenbild orientieren. Bei Familien, die auch ältere Kinder hatten, sind vergleichbare Effekte laut DIW nicht zu beobachten, möglicherweise, weil ältere Kinder in Betreuungsaufgaben mit eingebunden wurden. Wie lange der Effekt anhielt – ob die betroffenen Mütter also nach Ende der Schulschließungen ihre Arbeitszeit wieder erhöhten – wurde nicht untersucht.
Das DIW hat den Effekt mittels eines Differenz-in-Differenzen-Ansatzes untersucht und sich dabei zunutze gemacht, dass unterschiedliche Landkreise zu unterschiedlichen Zeitpunkten den Präsenzunterricht in Schulen eingeschränkt haben. Dabei stützten sich die Forscher auf Daten des Sozioökonomischen Panels aus der Zeit zwischen Januar 2019 und Dezember 2021.
Grabka sieht die Gefahr, dass die Pandemie und vergleichbare Krisensituationen so bestehende Ungleichheiten verstärken können. Frauen seien schon jetzt in vielen Dimensionen im Erwerbsleben benachteiligt, etwa wenn es um Lohnungleichheit oder geringere Rentenansprüche gehe, sagte Grabka. Wenn vor dem Hintergrund der höheren Löhne der Männer überwiegend Frauen in Ausnahmesituation ihre Erwerbstätigkeit reduzierten, dann habe das eine strukturelle Dimension. Wenn beide Elternteile arbeiten wollten, sollten die Rahmenbedingungen so sein, dass beide auch in Krisensituationen ihre Erwerbstätigkeit im gewünschten Umfang aufrechterhalten könnten.
Der Ausbau von Ganztagsschulen sei ein wichtiger Schritt, um Arbeit und Betreuung besser vereinbaren zu können, und müsse jetzt auch finanziell ausreichend unterlegt und von den Ländern umgesetzt werden. Auch die Arbeitgeber hätten hier eine Verantwortung, sagte Grabka weiter. Mehr hybrides Arbeiten und Homeoffice gebe Müttern die Chance, auch in Krisensituationen Familie und Beruf besser zu vereinen.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Markus Grabka
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin, Funke-Mediengruppe, Sozioökonomisches Panel
Wann ist das Ereignis passiert?
Das Ereignis (Schulschließungen und Einschränkungen des Präsenzunterrichts während der Pandemie sowie die Auswirkungen darauf) fand während der Zeit zwischen Januar 2019 und Dezember 2021 statt.
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Berlin
Worum geht es in einem Satz?
Eine DIW-Studie zeigt, dass Schulschließungen in der Pandemie vor allem bei Müttern von Grundschulkindern die Wahrscheinlichkeit für Vollzeitbeschäftigung um 4,8 Prozent senkte, während bei Vätern die Erwerbstätigkeit teils zunahm, was auf Rollenbilder bzw. den Versuch hinweisen kann, Einkommensverluste auszugleichen, und künftig vor allem durch bessere Betreuungsangebote sowie familienfreundliche Arbeitsmodelle abgefedert werden sollte.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
Schulschließungen und Einschränkungen des Präsenzunterrichts während der Pandemie
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- DIW stellte fest, dass Schulschließungen vor allem bei Müttern die Wahrscheinlichkeit für Vollzeitbeschäftigung senkten
- Beschäftigung insgesamt blieb laut Studie bei Müttern gleich, Arbeitszeit wurde also reduziert statt vollständig aufgegeben
- Bei Vätern zeigte sich laut Studie eher eine Zunahme der Beschäftigung in Voll- oder Teilzeit
- Studienautor Grabka interpretierte die stärkeren Effekte bei verheirateten Paaren als Hinweis auf eher klassisches Rollenbild in diesen Familien
- Grabka warnte vor einer Verstärkung bestehender Ungleichheiten durch Krisen, insbesondere zulasten von Frauen im Erwerbsleben
- Als Reaktionen bzw. Forderungen nannte er Ausbau und finanzielle Unterlegung von Ganztagsschulen, Umsetzung durch die Länder sowie mehr hybride Arbeitsmodelle und Homeoffice
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Reduktion der Arbeitszeit bei Müttern von Kindern im Grundschulalter
- Rückgang der Wahrscheinlichkeit, vollzeitbeschäftigt zu sein, bei Müttern
- Unveränderte Gesamtbeschäftigung bei Müttern durch Übergang zwischen Vollzeit und Teilzeit statt vollständigem Ausstieg
- Wahrscheinlichkeit für Beschäftigung in Voll- oder Teilzeit steigt bei Vätern
- Unterschiedliche Effekte je nach Familienstand, stärker bei verheirateten Paaren
- Gefahr der Verstärkung bestehender Ungleichheiten im Erwerbsleben von Frauen
- Erforderlichkeit besserer Rahmenbedingungen für Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Krisensituationen
- Bedarf an Ausbau und ausreichender Finanzierung von Ganztagsschulen
- Notwendigkeit von Umsetzung durch die Länder
- Verantwortung der Arbeitgeber für bessere Vereinbarkeit
- Potenzieller Nutzen von mehr hybridem Arbeiten und Homeoffice für Mütter in Krisensituationen
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja. Studienautor Markus Grabka wird mit einer Stellungnahme direkt zitiert („… sagte Grabka den Funke-Zeitungen …“).
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