Russland: Antikriegsopposition ohne Wahlperspektive
Berlin () – Der ins Exil geflüchtete ehemalige Präsidentschaftskandidat Boris Nadeschdin sieht derzeit keine politische Zukunft für die russische Opposition, die sich gegen den Krieg in der Ukraine ausspricht.
„Die Perspektive der Antikriegs-Opposition, legal an Wahlen in Russland teilzunehmen, ist weg. Es gibt sie nicht mehr“, sagte er der „Welt“. Das ändere aber nichts daran, dass Millionen Menschen in Russland ein Ende des Krieges wollten. „Und es wird sich jemand finden, der versuchen wird, ihre Position zu vertreten“, so der langjährige Duma-Abgeordnete, der seit wenigen Wochen in Frankreich lebt.
Die auf 65 bis 70 Prozent gesunkenen Zustimmungswerte für Wladimir Putin seien ein schlechter Wert „für den Führer eines autoritären Staates“, so Nadeschdin, den Moskau zum „ausländischen Agenten“ erklärt hat. „Autoritäre Regime sind stabil, wenn alle den Führer lieben. Und das ist absolut nicht mehr der Fall“, sagte er.
Ein Großteil der russischen Bevölkerung sei weder für noch gegen den Krieg und Putins wichtigste Basis, so der Oppositionspolitiker. Sie sei loyal, solange der Kreml Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität garantiere. Beides sei immer weniger gewährleistet. „Bis zum Jahr 2026 funktionierte diese Denke. Da flogen nämlich noch keine ukrainischen Drohnen auf die Städte dieser Leute“, sagte Nadeschdin. Nun beginne diese Basis jedoch zu bröckeln.
Für die im September anstehenden Parlamentswahlen erwartet Nadeschdin viele Protestwähler, nachdem mit Jabloko die letzte Antikriegspartei nicht antreten darf. „Diese Antikriegsenergie wird nicht verschwinden, sie wird Gestalt annehmen“, so der Politiker. „Diejenigen, die für Jabloko gestimmt hätten, werden entweder Protest wählen – also ihre Stimmzettel kaputtmachen – oder für `Nowije Ljudi` (Neue Leute) stimmen. Das ist bei weitem keine Antikriegspartei. Aber verglichen mit der Konkurrenz wirkt sie am ehesten so, als wolle sie Frieden.“
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie heißen die Personen in diesem Beitrag?
Wladimir Putin, Boris Nadeschdin
Welche Organisationen oder Institutionen werden genannt?
Boris Nadeschdin, russische Opposition, Wladimir Putin, Duma, Moskau, Jabloko, Nowije Ljudi (Neue Leute), Frankreich, Ukraine, Kreml, „Welt“, September, 2026
Wann ist das Ereignis passiert?
Nicht erwähnt
Wo spielt die Handlung des Artikels?
Berlin, Frankreich
Worum geht es in einem Satz?
Der im Exil lebende frühere Präsidentschaftskandidat Boris Nadeschdin sieht für die russische Antikriegsopposition kaum noch legale politische Chancen bei Wahlen, erwartet aber bei den Parlamentswahlen im September viele Protestwähler, die dem Druck auf Putins Stabilitätsbasis und dem Wegfall von Oppositionsmöglichkeiten Ausdruck verleihen könnten.
Was war der Auslöser für den Vorfall?
- fehlende legale Teilnahme der Antikriegs-Opposition an Wahlen in Russland
Wie hat die Öffentlichkeit oder Politik reagiert?
- Nadeschdin kritisiert, dass die Perspektive der Antikriegs-Opposition, legal an Wahlen teilzunehmen, weggefallen ist
- Er beschreibt, dass die Zustimmung zu Putin auf 65 bis 70 Prozent gesunken sei und das für einen autoritären Staat ein schlechtes Zeichen sei
- Er behauptet, dass ein Großteil der Bevölkerung weder grundsätzlich für noch gegen den Krieg sei, sondern loyal bleibe, solange Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität gewährleistet sind
- Er erwartet im September bei den Parlamentswahlen viele Protestwähler
- Er sagt, dass Jabloko nicht antreten darf und die Antikriegsenergie in Protestwahl oder Umorientierung (z B kaputte Stimmzettel oder Stimmen für Nowije Ljudi) übergehe
Welche Konsequenzen werden genannt?
- Wegfall der legalen Möglichkeit der Antikriegsopposition, an Wahlen in Russland teilzunehmen
- Sinkende Zustimmungswerte für Wladimir Putin als Zeichen fehlender Stabilität autoritärer Herrschaft
- Bröckeln der loyalen Basis, weil Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität immer weniger gewährleistet sind
- Erwartung vieler Protestwähler bei den Parlamentswahlen im September
- Antikriegsenergie wird politisch umgelenkt und nimmt andere Formen an
- Antikriegswähler stimmen entweder als Protest und machen ihre Stimmzettel kaputt oder wählen eine andere Partei, die zumindest im Vergleich als am ehesten auf Frieden ausgerichtet wirkt
Gibt es bereits eine Stellungnahme?
Ja. Der ins Exil geflüchtete ehemalige Präsidentschaftskandidat Boris Nadeschdin wird mit mehreren Zitaten („sagte er der ‚Welt‘“, „Autoritäre Regime…“, „Diejenigen, die für Jabloko…“) direkt im Artikel wiedergegeben.
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