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Organspende – wird Holland zum Vorbild für Deutschland?

Organspende – wird Holland zum Vorbild für Deutschland?

An jedem Tag der Woche sterben drei Deutsche, weil es an Spenderorganen fehlt. Wenn es um die Organspende geht, dann ist Deutschland das einsame Schlusslicht in Europa, andere Länder gehen andere Wege, wie beispielsweise die Niederlande. Neuerdings wird in Holland jeder, den der Arzt für hirntot erklärt, zum Organspender, es sei denn, er hat der Regierung in diesem Punkt eindeutig widersprochen. Ist eine solche Regelung auch in Deutschland möglich und wie stehen die Deutschen zur Organspende nach niederländischem Modell?

Die Liste ist sehr lang

Über 10.000 schwerstkranke Menschen stehen nach der DSO, der Deutschen Stiftung Organtransplantation, auf der Warteliste für ein neues Herz oder eine neue Niere. Die Warteliste ist sehr lang und statistisch gesehen sterben jeden Tag in Deutschland drei Menschen, weil es an Spenderorganen fehlt. Nur 32 Prozent der Deutschen haben einen Organspendeausweis, eine Situation, die zutiefst beunruhigend ist. Zuletzt war die Zahl der Organspenden vor 20 Jahren so niedrig, seit Jahren kann immer weniger Menschen mit einem Spenderorgan geholfen werden. Der Grund für diese Misere ist schnell gefunden, denn in Deutschland gilt bei der Organspende die sogenannte Entscheidungslösung. Als Organspender kommen nur diejenigen infrage, die einen Organspendeausweis haben. Auch mündliche Einverständniserklärungen oder die Zustimmung durch die Angehörigen sind möglich, genutzt werden diese Möglichkeiten aber nur sehr selten. Der Bundestag hat 1997 die Weichen für die Entscheidungsregelung gestellt und damit dem Bürger ein sehr hohes Maß an Selbstbestimmung eingeräumt.

Das gilt in den meisten EU-Ländern

In den meisten Ländern wie zum Beispiel Frankreich, Finnland, Belgien, Irland, Griechenland, Italien, Ungarn, Spanien und Italien gilt die Widerspruchslösung, für die sich jetzt auch die Niederlande entschieden haben. Aber was bedeutet die Lösung eigentlich? Wenn der Sterbende sich im Vorfeld nicht ganz ausdrücklich gegen eine Organspende ausgesprochen hat, dann kann der Arzt Organe für eine Transplantation entnehmen. Einige Länder haben das Gesetz allerdings modifiziert, wie jetzt die Niederlande. Alle Niederländer, die das 18. Lebensjahr erreicht haben, werden darüber informiert, dass sie nun Organspender sind, wenn sie nicht widersprechen. Wer den Widerspruch vergisst und damit Teil des Registers für Organspender wird, kann diesen Eintrag später noch ändern. Für Deutsche, die im Ausland arbeiten, kann das bedeuten, dass sie nach ihrem Tod in diesem Land automatisch Organspender sind, da immer das Transplantationsgesetz des jeweiligen Landes gilt.

Eine positive Lösung

In den meisten Fällen landen Schwerverletzte und Schwerkranke zunächst einmal auf einer Intensivstation. Dann verständigen die Ärzte die Angehörigen und klären dann in einem Gespräch, ob eine Organentnahme im Sinne des Patienten ist. Wenn die Angehörigen einer Organspende nicht zustimmen, dann wird nichts in dieser Richtung unternommen. In Ländern, in denen es die Widerspruchslösung gibt, ist die Situation deutlich entspannter und auch positiver. Die Wartezeiten der schwer erkrankten Menschen, die dringend auf ein Spenderorgan warten, ist deutlich kürzer und es gibt mehr Transplantationen als in Deutschland. Für Deutschland sehen Experten allerdings mit der Widerspruchslösung kein Allheilmittel, da die Ursachen für die katastrophale Situation woanders liegen. Um sich dem europäischen Standard anzupassen, ist es notwendig, das Transplantationsgesetz zu ändern und statt einer Entscheidungslösung wie bisher, müsste es eine Widerspruchslösung geben. Ein anderes sehr großes Problem sind die deutschen Kliniken.

Die Misere der deutschen Kliniken

In vielen deutschen Krankenhäusern fehlt es schlicht an den Voraussetzungen für erfolgreiche Transplantationen. Vielfach klappt es nicht einmal, für diese Aufgabe einen Transplantationsbeauftragten freizustellen. Viele Intensivstationen sind entweder viel zu klein oder völlig überlastet. Dazu kommt, dass die Vergütung für eine Transplantation oftmals nicht die tatsächlichen Ausgaben decken kann. Die Deutschen sind für das Thema Organspende viel zu wenig sensibilisiert, sie müssen sich erst dann damit befassen, wenn es einen nahen Angehörigen trifft. Wenn ein Organ dringend gebraucht wird, dann begreifen die meisten Menschen, wie wichtig eine Organspende ist. In anderen europäischen Ländern, aber auch in den USA, ist die Bereitschaft zur Organspende sehr groß und die Menschen sehen sie als das, was sie ist: eine Chance auf ein neues Leben.

Die Versprechen der Politik

Dass sich etwas in den deutschen Krankenhäusern beim Thema Organspende ändern muss, das hat auch der scheidende Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) erkannt. Im Koalitionsvertrag ist daher auch zu lesen, dass die Kliniken die Transplantationsbeauftragten besser finanzieren sollen und sie von anderen Aufgaben freistellen müssen. Zudem sollen die Krankenhäuser eine bessere Vergütung bekommen, heißt es aus dem Ministerium, in dem bald Jens Spahn (CDU) der neue Hausherr ist. Die Regierung hat aber schon jetzt klar gemacht, dass Deutschland dem europäischen Vorbild nicht folgen wird. Aus der jetzigen Entscheidungslösung wird auch mit der aktuellen GroKo keine Widerspruchslösung. Dabei hätte die neue Große Koalition die große Chance gehabt, die Deutschen auf das so wichtige Thema aufmerksam zu machen.

Viele verschiedene Gründe

80 Prozent der Deutschen spricht sich für eine Organspende aus, trotzdem sind nur wenige bereit, ein Organ zu spenden. Die Gründe, sich gegen eine solche lebensrettende Spende zu entscheiden, sind vielfältig. So glauben viele Menschen, dass sie als Spender überhaupt nicht infrage kommen, weil sie vielleicht zu krank, zu alt oder zu jung sind. 20 Prozent haben Angst vor einer Organentnahme, weil sie Schmerzen befürchten, auch wenn die hirntot sind. Zwölf Prozent der Deutschen lehnen eine Organspende aus religiösen, spirituellen oder aus ethischen Gründen ab. Für einen gläubigen Menschen bedeutet der Tod den Übergang und den Eintritt in eine neue Welt, daher sollte der Sterbeprozess nicht unterbrochen werden. Vielfach liegen die Verstorbenen noch zwei Stunden in ihrem Bett und die Fenster werden geöffnet, damit die Seele gehen kann. Nicht zuletzt hat auch der jüngste Transplantationsskandal die Menschen davon abgehalten, Organspender zu werden. Fast 20 Prozent sind misstrauisch und nach wie vor der Meinung, dass die Listen mit den Menschen, die auf ein Organ warten, manipuliert sind.

Fazit

Wer sich für die Organspende entscheidet, der macht einem anderen Menschen ein großes Geschenk. Ein neues Herz, eine neue Niere, Hornhaut, die Blinde wieder sehen lässt oder Haut, die einem Verbrennungsopfer hilft, das sind Geschenke, die jeder seinen Mitmenschen machen kann.

Es ist keine schlechte Idee, sich mit dem Thema Organspende in Ruhe auseinanderzusetzen. Wer sich näher mit diesem Thema beschäftigt, wird erkennen, dass vielleicht einmal eine Situation kommt, wo dringend ein Organ gebraucht wird.

Bild: @ depositphotos.com / photographyMK

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Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig. eMail: u.dietz@tixio.de