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Eltern klagen über zu viel Schulstress ihrer Kinder

Eltern klagen über zu viel Schulstress ihrer Kinder

Schule, Eltern, Kinder – dieses Trio harmoniert schon lange nicht mehr so gut wie in früheren Zeiten. Die Eltern schimpfen auf die Schulen, die Schulen auf die Eltern und die Kinder sind wahlweise entweder völlig überfordert oder völlig aus Rand und Band. Mittlerweile ist es keine Seltenheit mehr, wenn Schule Brandbriefe an die zuständigen Dienststellen schreiben oder sie öffentlich machen. Auf der anderen Seite stehen die Eltern. Sie werfen den Lehrern vor, die Kinder zu sehr zu stressen und dieser Schulstress wirkt sich dann eben negativ aus.

Ist die Schule ein Stressfaktor?

Die Kinder von heute sind nicht zu beneiden. Viele haben den Terminkalender eines Managers und kommen mit einem acht Stunden Tag kaum aus. Die Eltern sagen, dass Schulstress daran schuld ist, dass die Kinder keine Zeit mehr für ein Hobby oder für Freunde und Familie haben. Nach einer aktuellen Umfrage des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ sind mehr als 50 Prozent der Eltern der Ansicht, dass ihre Kinder weniger freie Zeit zur Verfügung haben, als es früher der Fall war. Fast 40 Prozent sind zudem der Meinung, dass ihren Kindern nach der Schule keine Zeit mehr für Freizeitaktivitäten bleibt. Beinahe genauso viele sagten, dass ihr Kind bedingt durch den Schulstress, auf ein Hobby verzichten muss. 70 Prozent der befragten Eltern erklärten, dass die Kinder den Schulalltag als stressig empfinden. Schuld an diesem Dilemma ist der Leistungsdruck, sagen die Eltern, aber auch die Hausaufgaben und die Leistungskontrollen sorgen für Schulstress. 45 Prozent der Eltern sind der Meinung, dass die Hausaufgaben zu viel sind, die Mehrzahl, rund 54 Prozent sieht das allerdings nicht so.

Sind die Eltern selbst der Stressfaktor?

Während Eltern laut über Schulstress klagen, sind viele Lehrer der Meinung, dass die Eltern diejenigen sind, die für Stress sorgen. Viele wollen nicht wahrhaben, dass ihr Kind nicht zu den Hochbegabten gehört und setzen die Kinder unnötigen Stressfaktoren aus. Der Schulstress beginnt in der Regel mit der sogenannten Grundschulempfehlung. Das ist ein kleines Stück Papier, auf dem Lehrer aufschreiben, welche weiterführende Schule für ein Kind infrage kommt. Mit dieser Empfehlung sind nicht alle Eltern einverstanden, sie sehen ihr Kind als hochbegabt an. Sie wollen sich mit der Empfehlung Hauptschule oder Realschule nicht abfinden, ihr Kind ist ein Kandidat für das Gymnasium. Jedes Bundesland handhabt die Grundschulempfehlung anders. In den meisten Fällen überlässt die Schule es aber den Eltern, ob sie ihr Kind zum Gymnasium schicken oder nicht. In einigen Bundesländern, beispielsweise in Bayern und Baden-Württemberg, erfolgt die Empfehlung für das Gymnasium aber nur dann, wenn das Kind einen bestimmten Notendurchschnitt erreicht.

Der Stress auf dem Gymnasium

Eltern wollen grundsätzlich nur das Beste für ihre Kinder, aber immer mehr Eltern verlieren dabei die Realität aus den Augen. Sie sehen ihre Kinder nicht mehr objektiv und setzen sie, blind vor Ehrgeiz, noch größerem Schulstress aus. Nicht jedes Kind ist dem Leistungsdruck und den Anforderungen eines gymnasialen Alltags gewachsen, eine Tatsache, die ehrgeizige Eltern gerne übersehen. Sie leben in der permanenten Angst, dass ihr Kind nur dann Karriere machen kann, wenn es ein Abiturzeugnis in der Tasche hat. Auf diese Weise entsteht schon für kleine Kinder ein enormer Schulstress, denn die Eltern lassen keine Gelegenheit aus, ihr Kind schon in der Grundschule auf Linie zu trimmen. Viele Schulen tun dann das Übrige dazu und fordern die Kinder eben mit Leistungskontrollen und vielen Hausaufgaben. Es gibt Kinder, die diesen permanenten Stress in der Schule und im Elternhaus gut verkraften, sensible Kinder hingegen zerbrechen daran.

Eltern machen vieles falsch

Aus Sicht der Lehrer sind die Eltern die Schuldigen, die den Schulstress verursachen. So müssen sich die Schulen immer wieder mit Eltern auseinandersetzen, die die Versetzung ihrer Sprösslinge einklagen. Auch die Angewohnheit, die Kinder jeden Morgen zur Schule zu fahren, sehen Lehrer kritisch. Vor vielen Schulen stauen sich am Morgen die Autos, aus denen verschlafene Kinder mit sehr schweren, übervollen Schulranzen steigen und dann in Richtung Klassenzimmer stolpern. Richtig wach sind nur die wenigsten Kinder, wie auch, sie mussten sich an diesem Morgen noch nicht anstrengen. Eine Studie aus Schweden hat jetzt herausgefunden, dass die überbesorgten Eltern nicht nur für chaotische Zustände vor dem Schultor sorgen, sondern ihren Kindern sogar massiv schaden. Die Fahrt mit dem Auto macht die Kinder müde und passiv, besser ist es, wenn sie laufen, mit dem Rad oder mit dem Schulbus fahren. Auf diese Weise erkunden die Kinder ihre Umgebung, sie interagieren mit anderen Kindern, sie sind selbstständiger und bewegen sich sicher in ihrer Umwelt.

Druck vermeiden

Wenn Eltern unter sich sind, dann singen sie Lobeshymnenauf ihre Kinder, sie vergleichen sie ständig mit anderen Kindern, aber können es nicht leiden, wenn die eigenen Kinder ein Vergleichsobjekt sind. Diese Eltern sind nervig und sie setzen andere Eltern ständig unter Druck. Da reicht es schon aus, zu erwähnen, dass Sohn oder Tochter das Seepferdchen gemacht haben, um Neid auszulösen, von schulischen Erfolgen ganz zu schweigen. Nichts ist schlimmer als zu hören, dass ein anderes Kind im gleichen Alter schon anspruchsvolle Literatur lesen oder Sonaten von Mozart auf dem Klavier spielen kann. Natürlich müssen diese Geschichten nicht der Wahrheit entsprechen, aber sie verfehlen selten ihre Wirkung. Im Unterbewusstsein schämen sich andere Eltern dafür, dass ihr Kind diese Fähigkeiten nicht hat, sie bezweifeln, ob das eigene Kind jemals ein erfolgreiches Leben führen kann und sie beginnen, Druck aufzubauen. Den Kindern ist damit nicht gedient, sie müssen den Schulstress und den Stress zu Hause schließlich ausbaden.

Fazit

Leistungsdenken muss nicht schlecht sein, aber wie sie so oft ist es die Dosis, die das Gift macht. Die Zeiten, in denen Kinder und Eltern den Lehrern vertraut und diese bei ihrer Arbeit unterstützt haben, sind lange vorbei. Heute heißt es vielmehr jeder gegen jeden und wenn etwas nicht wie gewünscht klappt, dann bleibt immer noch der Klageweg. Eltern und Lehrer müssen wieder mehr aufeinander zugehen, sich austauschen und zusammen an Konzepten arbeiten, die den Kindern zugutekommen. Schulstress lässt sich auch in Zukunft nicht vermeiden, aber er sollte ein vernünftiges Level haben. Kinder sind keine zu klein geratenen Erwachsenen, sie sind Kinder, die in einem gesunden und ausgeglichenen Umfeld aufwachsen sollten.

Bild: @ depositphotos.com / prometeus

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Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig. eMail: u.dietz@tixio.de