Familie

Was tun, wenn das Kind ein Lesemuffel ist?

Was tun, wenn das Kind ein Lesemuffel ist?

IGLU heißt die Studie, die ernüchternde Ergebnisse an den Tag brachte: Jedes fünfte Kind in Deutschland, das in die vierte Klasse geht, kann nicht richtig lesen. Die Abkürzung IGLU steht für Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung und sie untersucht seit 2001, wie gut oder weniger gut die Kinder weltweit lesen können. Alle fünf Jahre steht das Lesen auf dem Prüfstand und in Deutschland haben 3959 Viertklässler aus 208 Schulen teilgenommen. Immer mehr Kinder in Deutschland haben Probleme mit dem Lesen, aber viele Kinder sind auch echte Lesemuffel. Wie können Eltern ihre Kinder für das Lesen begeistern?

Lesen ist der Schlüssel

Lesen bildet – hieß es früher, heute steht fest: Lesen ist der Schlüssel, um erfolgreich zu lernen. Den größten Teil seines Wissens nimmt der Mensch in Form von Texten auf. Freuen können sich daher die Eltern, deren Kindern gerne und mit viel Begeisterung lesen. Aber was sollen die Eltern tun, deren Kind ein Lesemuffel ist? Das Kind unter Druck zu setzen, ist der falsche Weg, es aber geschickt zu animieren, ein Buch in die Hand zu nehmen, ist die richtige Wahl. Manchmal braucht es einen kleinen Anstoß, damit der Nachwuchs seine Liebe zum Buch erkennt. Eltern, die selbst gerne lesen, sollten dem Nachwuchs von ihrem Lieblingsbuch vorschwärmen und erzählen, warum sie ausgerechnet dieses Buch so sehr mögen. Wichtig ist es, bei der Erzählung nicht zu übertreiben, wenn Sohn oder Tochter neugierig auf Bücher werden sollen.

Welches Buch soll es sein?

Nicht jeder Lesemuffel kann mit Büchern überhaupt nichts anfangen. Viele Kinder wissen einfach nicht, welches Buch ihnen gefallen könnte. Eltern, die ihre Kinder zum Lesen animieren möchten, sollen mit ihnen in eine Buchhandlung oder eine Bücherei gehen, um zusammen in den Büchern zu stöbern. Wichtig ist es, darauf zu achten, dass das Kind das Buch nicht nur aufgrund des bunten Covers aussucht, denn das kann zu herben Enttäuschungen führen. Einfacher ist es, wenn der Nachwuchs bereits ein Buch von einem bestimmten Autor gelesen hat. Ein anderes Buch des Autors ist dann eine gute Wahl. Natürlich sollte das Buch zum Alter des Kindes passen und auf seine Interessen eingehen. Eltern, die nicht so genau wissen, welches Buch für ihre Kinder infrage kommt, sollten sich die Leseempfehlungen der Stiftung Lesen ansehen.

Das Lesen spannend gestalten

Wer schon einmal eine Fernsehserie verfolgt hat, der weiß, was ein Cliffhanger ist. Die Serie stoppt an einem besonders spannenden Punkt und die Zuschauer müssen sich meist eine Woche gedulden, bevor sie erfahren, wie es weitergeht. Das gleiche Prinzip funktioniert bei Lesemuffen mit einem spannenden Buch. Eltern, die ihren Kindern vorlesen, sollten an einer spannenden Stelle abbrechen, das Buch zur Seite, aber in Griffnähe legen und dann das Zimmer verlassen. Auch der größte Lesemuffel kann mit Sicherheit nicht widerstehen und wird schnell weiterlesen. Auf diese Weise gelingt es, Kinder zum Lesen zu bringen, denn jeder mag spannende Geschichten und ist neugierig, wie es weitergeht.

Sind interaktive Bücher eine gute Idee?

Wenn sich der Nachwuchs einfach nicht für das klassische Buch begeistern kann, dann gibt es noch das interaktive Buch oder das Spielbuch als Alternative. Interaktive Bücher laden zum Mitmachen ein, denn der Leser muss Entscheidungen treffen und er kann bestimmten, wie die Geschichte weitergeht. Es gibt mehrere Möglichkeiten, die richtige Entscheidung zu fällen und im Buch erfährt der Leser, welche Konsequenzen es haben kann, wenn die Entscheidung falsch ist. Besonders beliebt sind interaktive Bücher, in denen es um Fantasy oder Gruseliges geht. Es gibt diese Bücher zum Mitmachen auch als Klassiker, wie zum Beispiel Asterix und Obelix. Auch Kinder, die sich nicht für Bücher interessieren, fühlen sich bei interaktiven Büchern motiviert, mitzumachen und sich auf die spannende Geschichte einzulassen.

Ist das digitale Buch das richtige?

Es muss nicht das klassische Buch sein, um Lesemuffeln das Lesen schmackhaft zu machen. Technisch interessierte Kinder, die gerne mit der digitalen Zeit gehen, gefällt vielleicht ein eReader oder ein Buch auf dem Tablet besser. Aber das ist noch nicht alles, was die digitale Welt für alle bereithält, die gerne lesen. Großer Beliebtheit erfreut sich das analoge Buch mit einer passenden App. Beim Lesen wird das Handy über die Seiten des Buchs gehalten und dann werden Spiele, 3D-Grafiken, Animationen oder auch der passende Sound angezeigt. Auf diese Weise können die Kinder das ergänzen, was sie lesen. Das bringt Abwechslung und auch die eigene Fantasie ist gefragt. Eine weitere beliebte Form des digitalen Buchs ist das Buch als Datei für den eReader oder das Tablet. Der große Vorteil bei dieser digitalen Form des Buchs ist, dass eReader oder Tablet in jeden Koffer passen und so mit in den Winterurlaub reisen können.

Erst hören, dann lesen

Spannend sind nicht nur gebundene Bücher, auch Hörbücher kommen bei Kindern gut an. Viele Kinder hören gerne Hörspiele auf dem CD-Player, da ist der Weg zum Hörbuch nicht mehr fern. Bei kleineren Kindern, die vielleicht Probleme mit dem Lesefluss haben, sind Hörbücher oft ein großer Anreiz, sich einmal näher mit dem Thema Lesen zu beschäftigen. Wenn ein Hörbuch besonders spannend und interessant ist, dann greifen viele Kinder danach auch zum passenden gebundenen Buch, um die Geschichte noch einmal zu lesen. Umgekehrt funktioniert das Ganze natürlich auch. Viele Kinder lesen ein tolles Buch und hören sich anschließend die Geschichte noch einmal als Hörbuch an.

Der perfekte Ort zum Lesen

Vielleicht ist ein Kind ein Lesemuffel, weil zuhause einfach der richtige Platz zum Lesen fehlt. Nicht jedes Kind findet es gemütlich, am Schreibtisch oder am Esstisch zu lesen, viele wollen einen behaglichen Ort, an den sie sich zum Lesen zurückziehen können. Wenn sich der kleine Lesemuffel eine gemütliche Leseecke in seinem Zimmer einrichten will, dann sollten die Eltern ihm keine Steine in den Weg legen, sondern bei der Gestaltung der Leseecke helfen. Oft reichen bequeme Kissen zum Sitzen und eine Lichterkette oder eine Leselampe aus und das kleine Leseparadies ist perfekt.

Fazit

Lesen bildet nicht nur, lesen erweitert den Horizont und macht neugierig auf die Welt. Damit Kinder Freude am Lesen haben, sollten Eltern so früh wie möglich damit beginnen, ihren Kindern die Welt der Bücher näher zu bringen. Kinder und Bücher – das ist eine Freundschaft, die lebenslang hält.

Bild: @ depositphotos.com / primagefactory

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Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig. eMail: u.dietz@tixio.de