Familie

Kinder? Nein danke! Warum Erwachsene im Restaurant unter sich bleiben möchten

Kinder? Nein danke! Warum Erwachsene im Restaurant unter sich bleiben möchten

Für den Schriftsteller und Philosoph Julius Langbehn waren „Kinder das Beste, was diese Erde bietet“ und der Anthroposoph Rudolf Steiner war der Meinung, dass „auch der Weiseste unermesslich viel von Kindern lernen kann.“ Die beiden Herren würden wahrscheinlich ungläubig nach Binz auf der Insel Rügen schauen, denn dort gibt es einen Wirt, der Kinder offensichtlich nicht leiden kann. Sein Lokal dürfen Kinder zumindest ab 17:00 Uhr nicht mehr betreten. Schuld an diesem Einlassverbot sind jedoch nicht die Kinder, sondern alleine die Eltern.

Es ging einfach nicht mehr

„Adults-Only Restaurant“ steht auf dem Schild vor dem Lokal auf der beliebten Ferieninsel Rügen. Ein Restaurant nur für Erwachsene ist ein echter Aufreger, denn was die einen erzürnt, können die anderen nur allzu gut nachvollziehen. Schon seit einiger Zeit habe er sich Gedanken über eine Lösung gemacht, so der Wirt des Restaurants im idyllischen Binz. Jetzt aber sei die Grenze überschritten worden, es gehe einfach nicht mehr. Da sind die Kinder, die an Tischdecken zerren, die anderen Gäste belästigen, mit Essen werfen, die Gläser umschmeißen und laut und anhaltend schreien, wenn sie nicht sofort ihren Wunsch erfüllt bekommen. So benehmen sich die Kinder, noch schlimmer sind jedoch die Eltern. Sie haben für die Eskapaden ihrer Kinder nur ein müdes Lächeln übrig, ansonsten ignorieren sie das schlechte Benehmen. Für den Wirt haben diese Eltern ihre Kinder nicht im Griff, sie lassen sich auf der Nase herumtanzen und das geht in seinem Restaurant nicht mehr.

Unterschiedliche Reaktionen

Die Reaktionen auf den Verzicht der ungezogenen Kinder und renitenten Eltern sind überwiegend positiv, sagt der Wirt und fühlt sich bestätigt. Seine Entscheidung habe er zusammen mit seinen Gästen getroffen, die einfach nur bei einem guten Essen einen ruhigen Abend verbringen möchten. Negative Reaktionen, die teilweise sogar unter die Gürtellinie gingen, gab es nur auf Facebook. Das sei nicht neu, so der Wirt, der keine Probleme für sein Geschäft fürchtet. Den Tourismus ohne Kinder gibt es nicht erst seit heute, schon seit mehreren Jahren stellt sich die Branche mehr und mehr auf Kunden ein, die in den Ferien keine Belästigung durch Kinder wünschen. So wie es ausgewiesene Familienhotels gibt, so gibt es auch Hotels, die ihren Gästen einen kinderlosen Urlaub bieten. Das ist beispielsweise bei vielen Hotels in der Karibik der Fall. Diese Angebote, so die Tourismusbranche, sind immer gefragter, konkrete Zahlen liegen bisher aber noch nicht vor.

Der Wirt kann frei entscheiden

Vorsichtig reagiert der Hotel- und Gaststättenverband Mecklenburg-Vorpommern auf das Verbot für Kinder im Restaurant auf Rügen. Grundsätzlich, so der Sprecher des Verbandes, steht es jedem Wirt und jedem Hotelbesitzer frei, welche Entscheidungen er für sein Unternehmen fällt. Mecklenburg-Vorpommern ist aber ein kinderfreundliches Bundesland und es gibt sehr viele Hotels und Restaurants, in denen Kindern nicht nur toleriert, sondern sogar erwünscht sind. Allerdings musste der Sprecher einräumen, dass es immer mehr Kinder gibt, die ein bisschen mehr Erziehung genießen sollten. Tobende Kinder und ignorante Eltern muss kein Wirt in seinem Lokal dulden, er hat das Hausrecht und kann sich seine Gäste selbst aussuchen. Mit Diskriminierung hat das nichts zu tun.

Sind Deutschlands Kinder schlecht erzogen?

Sind die Kinder in Deutschland schlecht erzogen oder schaden die Eltern mit einer allzu liberalen Erziehung letztendlich ihren Kindern? Ein Blick in den hohen Norden zeigt, dass es die Eltern sind, die den eigentlichen Störfaktor darstellen. Selbst im kinderfreundlichen Schweden gibt es immer mehr Lokale, in denen Kindern nicht erwünscht sind. Auch hier haben die Gastronomen das Problem mit schlecht erzogenen Kindern und den Eltern, die nur dasitzen und nicht einmal daran denken, ihren Nachwuchs in die Schranken zu weisen. Diese Eltern auf das schlechte Benehmen ihrer Kinder anzusprechen, ist gefährlich, denn Eltern reagieren sehr unangenehm auf Kritik an ihren Kindern. Dieses Verhalten sagt viel über die heutige Gemeinschaft der Erwachsenen aus. Früher gab es eine Gemeinschaft, die die gleichen Werte hatte. Benahm sich ein Kind daneben, dann wurde es zurechtgewiesen und die Gemeinschaft war damit einverstanden. Das gilt heute nicht mehr, die Erwachsenen stehen nur noch für die Kinder ein, nicht mehr für die Gemeinschaft.

Die liberale Erziehung ist gescheitert

Eltern verhalten sich nicht mehr verantwortungsbewusst, sie glauben vielmehr, der beste Freund der Kinder zu sein. Sie stellen sich mit ihren Kindern auf die gleiche Stufe, sie treffen keine Entscheidungen mehr und sie kennen, wie Kinder auch, keine Grenzen mehr. Das ist heute hip und cool, aber eine Gesellschaft, die nur aus Teenagern besteht, die sich wie in der Pubertät benehmen, kann nicht funktionieren. Dazu kommt, dass viele Eltern mit ihren Erziehungsproblemen nicht nach außen gehen möchten. Sie wollen nicht als Versager gelten, haben vielfach jedoch ein permanent schlechtes Gewissen, dass sie etwas falsch gemacht haben. Also lassen sie den Kindern sozusagen als Wiedergutmachung ständig ihren Willen und reisen an Orte, die sie ohne Kinder nie gebucht hätten. Erziehungswissenschaftler warnen seit einigen Jahren eindringlich davor, aus der Familie eine demokratische Institution zu machen, denn die Beziehung zwischen Eltern und Kindern ist immer asymmetrisch.

Zurück zur Diktatur?

Militant und autoritär – diesen Erziehungsstil, den die Großeltern noch kennengelernt haben, will niemand mehr. Für viele ist diese Erziehung zum guten Benehmen und anständigem Betragen gleichbedeutend mit der Prügelstrafe, ein absolutes No-Go in jeder Generation. Aber auch ohne Schläge können die Eltern von heute noch viel von einer autoritären Erziehung lernen. Eltern sind in der Lage, die Dinge besser einschätzen, denn sie haben mehr Erfahrung und wissen, warum es wichtig ist, Regeln einzuhalten. In einer guten Erziehung sollten die Eltern die Lehrer und die Kinder die Schüler sein.

Fazit

Kinder sind das Beste, was die Welt zu bieten hat, daran besteht kein Zweifel. Es gibt keine Problemkinder, es gibt lediglich Eltern, die Probleme damit haben, ihre Kinder zu verantwortungsbewussten und vernünftigen Erwachsenen zu erziehen. An diese Eltern richtet sich der Appell des Wirtes in Binz auf der Ostseeinsel Rügen. Er straft nicht die Kinder, er will den Eltern einen Denkanstoß geben, damit sie vielleicht ihr Verhalten gegenüber ihren Kindern überdenken. Es reicht leider nicht aus, den Wirt zu beschimpfen und ihm Diskriminierung vorzuwerfen. Besser ist es, sich ehrlich zu fragen, was falsch gelaufen ist und was unbedingt geändert werden muss.

Bild: © Depositphotos.com / luckybusiness

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Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen und bezeichnet sich selbst als flexibel, aufgeschlossen und wissbegierig. eMail: u.dietz@tixio.de